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Diesmal schaffts Polen nicht

Wieder war Polen keinesfalls die bessere Mannschaft. Wieder erreichte es dennoch ein 1:1, eine Verlängerung und dann ein Elfmeterschiessen. Das aber gewann Portugal.

Die Entscheidung::?Portugals Torhüter Rui Patricio hält den Elfmeter von Jakub Blaszczykowski.
Die Entscheidung::?Portugals Torhüter Rui Patricio hält den Elfmeter von Jakub Blaszczykowski.
Keystone

Das Spiel hatte mit dem Tor des einen Superstars, des Polen Robert Lewandowski, begonnen. Es endete mit dem Triumph seines portugiesischen Gegenspielers Cristiano Ronaldo. Denn der gehörte schliesslich zur Mannschaft, die das Elfmeterschiessen gewann – nach zunehmend enttäuschenden 120 Minuten. Es schossen wieder dieselben Polen wie gegen die Schweiz. Das heisst, es waren schliesslich nur vier. Denn ehe Grzegorz Krychowiak anlaufen konnte, war die Kurzentscheidung gegen die Polen entschieden. Ihr vierter Mann, Jakub Blaszczykowski, war mit einem halbhohen Schuss in die – von ihm aus gesehen – rechte Ecke am portugiesischen Torhüter Rui Patricio gescheitert. Danach traf auch noch der fünfte und letzte Portugiese.

Cristiano Ronaldo hatte den ersten Elfmeter Portugals verwertet, Lewandowski den ersten Polens. Die Portugiesen sind nun nach drei Unentschieden in der Gruppenphase, nach einem Sieg nach Verlängerung in den Achtelfinals und einem Elfmetersieg in den Viertelfinals Halbfinalist in der Tableauhälfte der Aussenseiter. Und sie haben es verdient, denn sie waren doch zu mehr bereit als die Polen, die ihr Glück im Achtelfinal gegen die Schweiz schon mehr als aufgebraucht hatten. Die Polen hätten diesen Halbfinalplatz einfach nicht verdient.

Was die beiden Mannschaften zuvor gut 90 Minuten lang geboten hatten, mag ihre Trainer zufriedengestellt haben. Es war auch spannend, aber von magerem Unterhaltungswert. Die Polen hatten das Glück, gleich in Führung zu gehen. Die Portugiesen glichen nach einer guten halben Stunde aus, und fortan wars ein Abtasten, ein Lauern auf den womöglich entscheidenden Fehler des Gegners.

Das galt vor allem für die Polen, die wie schon gegen die Schweiz physisch nicht durchhielten und im Laufe der zweiten Halbzeit den Eindruck zu erwecken begannen, sie seien von ihren Fähigkeiten als Elfmeterschützen so überzeugt, dass sie gar keine Offensivbemühungen mehr brauchten. Die Portugiesen taten eindeutig mehr, wenn jemand in der regulären Spielzeit den Sieg verdient hätte, dann sie.

Lewandowski – eine Szene

Dabei hatte der Match für sie denkbar schlecht begonnen, mit einem groben Fehler ihres Rechtsverteidigers Cédric Soares. Der unterlief stümperhaft einen Querpass des Dortmunders Lukasz Piszczek, womit der Ball gefährlich wurde. Kamil Grosicki lief durch, sein Rückpass flog Robert Lewandowski auf den Fuss. Und der polnische Captain und Bundesliga-Topskorer traf erstmals nach sieben Länderspielen wieder ins Tor. Nach knapp 400 EM-Minuten schoss er erstmals nicht daneben oder darüber.

Es sollte die letzte nennenswerte Szene Lewandowskis bleiben. Auf der andern Seite war sein grosser Gegenspieler Cristiano Ronaldo mehr ins Spiel integriert, wie die Portugiesen überhaupt grundsätzlich spielerisch den besseren Eindruck machten. Allerdings fehlte es ihnen an der Fähigkeit, wohl vor allem auch am Mut, mehr auf Tempo zu spielen, mal ein Risiko einzugehen. Sie hatten den Ball mehrheitlich, aber vertikal war ihr Spiel kaum einmal, und an die Flankenbälle kamen die beiden darauf spezialisierten Haudegen im polnischen Abwehrzentrum immer wieder.

Die Portugiesen hatten in ihrer strukturellen Vorsicht aber auch praktisch ein 4-1-4-1 gewählt, also mit Cristiano Ronaldo als Sturmspitze, manchmal abgelöst von Nani. Dennoch war mehr als verdient, dass die Portugiesen nach gut einer halben Stunde ausgleichen konnten. Nani bereitete mit einem überraschenden Rückpass perfekt vor für den knapp 19-jährigen Renato Sanches. Dessen Schuss lenkte Grzegorz Krychowiak noch leicht ab, Torhüter Lukasz Fabianski hatte keine Chance. Renato Sanches, der künftig für Bayern München spielen wird, war mit seiner bissigen, arbeitsamen Spielweise ein Gewinn. Es war, nach drei Einwechslungen in vier Spielen, der erste Einsatz des Teenagers in der Startelf.

Ronaldo – kein Tor

Nicht direkt ins Tor involviert war Cristiano Ronaldo. Allerdings hätte ihm ein paar Minuten vorher ein Penalty zugesprochen werden müssen. Der offensichtliche Schubser des reichlich ungelenken Verteidigers Michal Oazdan war ein Foul. In der zweiten Halbzeit hatte Cristiano Ronaldo dann gar die Gelegenheit, den Match zu entscheiden. Ein Lupfer João Moutinhos aus dem Mittelfeld erreichte ihn in günstigster Position alleine vor Fabianski, doch der portugiesische Superstar traf den Ball nicht. Luftloch ohne Torschuss statt Luftsprung nach Tor – das war die Bilanz dieser Szene, einer der wenigen, welche die polnische Abwehr zu überfordern drohte.

Verlängerung und Elfmeterschiessen waren dann die logische Fortsetzung eines Spieles dieser Art. In dem die Polen nach frühem Vorsprung nur noch sehr wenig unternahmen, offenbar erneut auch nicht die (physischen) Fähigkeiten dazu hatten. Und den etwas willigeren Portugiesen fehlte es an der Entschlossenheit, auch nur engste Grenzen des Risikos zu überschreiten. Also war der Anlass eine ziemliche Enttäuschung, war die Angst, eine einmalige Chance wegen eines Fehlers zu verpassen, grösser als der Mut, die Entscheidung für sich zu erzwingen. Also fiel die dann halt am Roulettetisch.

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