FC Winterthur

Drei Tore, ein Nein und viel Geld

Ein 3:1 gegen den Erstliga-Vierten FC Thalwil – das war der erste Test des FCW unter Livio Bordoli in Zahlen. Nach dem Schlusspfiff folgte ein Nein zur Verpflichtung des estnischen Nationalspielers Joonas Tamm nach 70Minuten im Abwehrzentrum.

Keinen Vertrag beim FCW erhält Joonas Tamm (links).

Keinen Vertrag beim FCW erhält Joonas Tamm (links). Bild: Urs Kindhauser

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Es war der erste Match einer ­Vorbereitung, also mit all den Vorbehalten, die da zu machen sind; gegen einen Gegner, der zwei Klassen tiefer spielt und im Laufe des Nachmittags spürbar nachlässt. Aber es war, und das weckte am ehesten Interesse, der erste Auftritt des FCW unter seinem neuen Trainer. Der war mit dem Gesehenen durchaus zufrieden, denn Livio Bordoli sagte, er sei angenehm «überrascht von der technischen Qualität des Spiels». Davon auch, dass die Spieler Trainingsinhalte umgesetzt hätten wie jene von Positionswechseln. Am offensichtlichsten war das, wenn sich Ousmane Doumbia und Robin Huser in der Rolle des «Sechsers» abwechselten. Aber Bordoli sah natürlich auch – wie seine Vorgänger –, dass seine Mannschaft im Verhältnis zu den klaren Torchancen, die in der zweiten Halbzeit manchmal gar «fertige Tore» waren, «zu wenige Tore schoss».

Radice bleibt Captain

Was er auch – eben wie seine Vorgänger – zu sehen bekam: ein Gegentor nach einem krassen individuellen Fehler. Diesmal überraschte Torhüter Matthias Minder mit einem Pass den an der Strafraumgrenze unaufmerksamen Jordi Lopez; der verlor den Ball – 0:1. Das 1:1 war ein haltbarer Weitschuss Kwadwo Duahs; das 2:1 Luka Sliskovics fiel nach einem groben Patzer des ehemaligen FCW-Nachwuchsgoalies Marko Vasilj; das 3:1 war schön herausgespielt, von Dario Ulrich auf Kofi Schulz. Es fiel in der zweiten Halbzeit nicht nur ein FCW-Tor mehr als vorher. Es gab auch mehr klare Chancen, obwohl nominell eher die zweite Wahl auf dem Feld stand. Aber eben, es waren Ulrich, Sliskovic und Schulz, die «fertige Tore» verpassten.

Individuell war wenig Neues zu sehen. Immerhin, Leandro Di Gregorio, im Herbst ausser Rang und Traktanden, ist dem Team unter seinem alten Aufstiegstrainer aus Lugano wieder deutlich näher. Massgeblich an diesem Tag war aber einzig das Urteil über den Verteidiger Joonas Tamm vom estnischen Meister Flora Tallinn, der sich empfehlen sollte. Er begann zwar mit einem kapitalen Fehlpass, machte danach aber einen ordentlichen Match – solide, aber nicht mehr. Das aber hätte er gebraucht, um von den FCW-Technikern als Lösung für eine mittelfristige Zukunft gesehen zu werden. «Wäre er Schweizer, hätte ich ihn genommen», sagte Bordoli. Aber er ist Este, und deshalb sass er gestern Sonntagmorgen schon wieder im Flugzeug Richtung Heimat. Nächstens soll er in Norwegen vorspielen. Der FCW aber spielt morgen Nachmittag gegen die U21 von GC, und ergänzt wurde sein Vorbereitungsprogramm mit einem Match gegen den FC Zürich am 31. Januar, dem Mittwoch vor dem Rückrundenstart gegen Rapperswil-Jona. Ob auf Zürcher Natur- oder Winterthurer Kunstrasen gespielt wird, hängt vom Wetter ab.

Bestätigt ist dagegen, dass Luca Radice FCW-Captain bleibt. Er ist seit Saisonbeginn, damals von den Teamkollegen gewählt, im Amt und Bordoli sieht keinen Grund, daran etwas zu ändern. Radice spielte schon in Aarau unter Bordoli, allerdings nur kurze Zeit.

Das Geld für Akanji

Der FCW wurde an diesem Wochenende aber auch von den Geldflüssen der grossen weiten Fussballwelt gestreift. Der Transfer seines ehemaligen Nachwuchsverteidigers Manuel Akanji (22) vom FC Basel zu Borussia Dortmund spült eine Rekordsumme in die Kasse des FCW. Akanji war nach nur einer Saison, und zwar 2014/15, als FCW-Stammspieler zum FCB transferiert worden. Auf schliesslich gegen eine Million Franken belief sich – mit Boni – die Transfersumme. Für keinen Spieler aus der Challenge League wurde bisher so viel bezahlt. Das bestätigt Georg Heitz, damals als FCB- Sportchef am Verhandlungstisch.

In Basel fiel Akanji mit einem Kreuzbandriss fast fürs ganze Jahr 2016 auf. Doch nach wieder nur einem Jahr als Stammkraft wechselt Akanji, mittlerweile Nationalspieler, vom FCB nach Dortmund. Rund 20 Millionen Franken wird die Ablösesumme betragen, davon fliesst ein kleinerer, vertraglich vereinbarter Anteil an den FCW. Es gibt gemäss Fifa-Reglement aber auch den Solidaritätsbeitrag an die Ausbildungsvereine (in diesem Fall nur der FCW), und der beträgt 5 Prozent. Dank Akanji wird also eine Summe von deutlich über einer Million Franken an die FCW AG fliessen, die noch immer zu 100 Prozent im Besitz der Keller AG ist. Es ist, in Zeiten weiterhin ungeklärter Zukunftsfragen, zu hoffen, dieses Geld werde der sportlichen Führung zuteil, wenn es um die Personalplanung der kommenden Saison geht.

Erstellt: 14.01.2018, 21:21 Uhr

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