Fussball

Ein 0:1 – vermeidbar und selbst verschuldet

Nach einer halben Stunde schoss Manuel Sutter das Tor, das dem FC Vaduz den 1:0-Sieg gegen den FCW eintrug. Der befreite die Liechtensteiner aus der letzten Abstiegsgefahr. Der FCW aber vergab einfach zu viele Chancen.

Der ehemalige FCW-Spieler Manuel Sutter (rechts, im Zweikampf mit Gabriel Isik) erzielte das Vaduzer Siegtor.

Der ehemalige FCW-Spieler Manuel Sutter (rechts, im Zweikampf mit Gabriel Isik) erzielte das Vaduzer Siegtor. Bild: Eddy Risch

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Manchmal werden Fussballspiele ganz einfach entschieden. Beispielsweise so wie an diesem regnerischen Samstag zu Füssen des fürstlichen Schlosses in Vaduz: Der Liechtensteiner Torhüter Benjamin Büchel schlug aus dem eigenen Strafraum einen weiten Ball mitten in die gegnerische Platzhälfte; dort erkämpfte ihn sich Stürmer Manuel Sutter, weil er sich im Zweikampf deutlich geschickter anstellte als Gegenspieler Gabriel Isik; Sutter, bis an Weihnachten noch Teamkollege Isiks, lief ein paar Schritte und drosch den Ball dann, als Dropkick, aus rund 35 Metern unter die Latte – hinweg über Raphael Spiegel, der sieben Meter vor seinem Tor stand, denkbar ungünstig, diesen Ball zu erreichen.

Das war das 1:0 nach einer ausgeglichenen Startphase, in der die Winterthurer aber schon die klarste Torchance besessen hatten. Enrique Wild vergab sie nach starker Vorarbeit Roberto Alves‘ und Denis Markajs. Was dem 1:0 folgte: Bis zur Pause mehrere klare Torchancen des FCW, die ungenutzt blieben, vor allem von Taulant Seferi. Einmal hatte der auch noch Pech, aus zwölf Metern die Latte zu treffen, als ihn Remo Arnold mit einer Balleroberung nach einem schlechten Pass des zuvor doch als Assistgeber aufgefallenen Büchel eingesetzt hatte. Dann kam eine zweite Halbzeit, in der die Winterthurer den Ball fast immer hatten, die Vaduzer fast nur noch verteidigten. Ein Tor fiel nicht mehr, weil das Bemühen der Winterthurer zwar eifrig gewesen sein mag, aber vor allem sehr kompliziert und nicht einmal mehr in Ansätzen von Durchschlagskraft gekennzeichnet.

«Sorglosigkeit beim Tor»

Also beschmutzten die Winterthurer die «weisse Weste», die sie in dieser Saison gegen die Liechtensteiner nach drei Siegen in drei Spielen hatten. Deshalb konnten die Vaduzer endgültig aufatmen. Sechs Punkte Vorsprung aufs Trio Schaffhausen/Kriens/Rapperswil-Jona und gar acht auf Chiasso sind in nur drei Runden nicht einzubüssen, denn Vaduz müsste ja von gleich allen vier verbliebenen Abstiegskandidaten überholt werden.

Die Analyse dieses Spiels war in einer Beziehung also ziemlich einfach: Der FCW trieb mehr Aufwand und brachte kein Tor fertig. Der FC Vaduz machte aus Manuel Sutters bester Szene und gleich zwei gegnerischen Patzern eines und verteidigte danach solide und routiniert. Das reichte an diesem Tag für drei Punkte.

Ralf Loose, der Winterthurer Trainer mit Wohnsitz ein paar hundert Meter vom Rheinpark, brachte die Dinge so auf den Punkt: «Das war eine Niederlage, die wir uns selbst zuzuschreiben haben.» Er sah «Sorglosigkeit beim Gegentor und ungenügendes Verhalten im Abschluss». Dann schob er nach: «Das Gegentor war vermeidbar und vor allem in der ersten Halbzeit hatten wir eine Vielzahl von Chancen.» Da war bedeutungslos, was die heutzutage unvermeidlichen Statistiken zutage förderten: An Ballbesitz ein Plus von zwei Dritteln, in der zweiten Halbzeit gar deutlich mehr; doppelt so viele Schüsse des FCW, ob sie nun das Tor trafen (6:3) oder auch nicht (22:11).

Der «gmögige» Vorarlberger

Der Mann des Tages war also der 28-jährige Vorarlberger Manuel Sutter, der im Winter nach zweieinhalb Jahren beim FCW nach Vaduz zurückkehrte, weil er sich dort wieder mehr Einsatzzeiten versprach. Für den FCW hatte er in insgesamt 76 Pflichtspielen 14 Tore geschossen, das letzte im Herbst zum 2:1 im Cup in Bellinzona, das wichtigste das 2:2 auf dem Weg zum Cup-Coup gegen die Young Boys. Einen Treffer im Elfmeterschiessen lieferte er damals dazu.

Die Einsatzzeiten wurden nach dem Wechsel zurück ins Ländle tatsächlich länger, jeden Match spielte er, drei Tore hat er mittlerweile erzielt, seinen Vertrag schon bald einmal für die nächste Saison verlängert. In Winterthur war der «gmögige» Vorarlberger dagegen zunehmend als Chancentod abgestempelt worden. Aber in Anbetracht der aktuellen Personalsituation des FCW hätte er im Frühjahr auch hier wohl öfter gespielt.

Die Personalsituation beim FCW ist in diesen Frühjahr eben diese, dass mehr Stammspieler verletzt sind als im Herbst je und das zu spüren ist. Wenn mit Luca Radice und Davide Callà gleich beide Flügelmänner erster Wahl fehlen, dazu mit Ousmane Doumbia der wichtigste Antreiber im Mittelfeld, wenn dazu Taulant Seferi so gut wie keine Tore mehr schiesst – dann lässt sich das halt an der Tabelle ablesen. In Vaduz stellte Loose eigentlich zwei Teams auf: In der ersten Halbzeit im üblichen 4-2-3-1, ausnahmsweise mit Enrique Wild als linkem Offensivmann vor Aussenverteidiger Tobias Schättin. In der zweiten Halbzeit gabs eine Dreierabwehr, mit Marin Cavar als drittem Innenverteidiger, mit Rijad Saliji – anstelle Eris Abedinis – als offensiverem Partner Arnolds im Zentrum.

Von Mulaj bis Cavar

Die Entwicklung des Spiels ist aber unabhängig von derlei Dingen zu sehen: Vor der Pause kassierte der FCW zwar das Tor und liess er defensiv etwas mehr zu, dafür hatte er da auch eindeutig mehr gute Szenen in der Offensive. In der zweiten Halbzeit hatte er das Spiel zwar stets im Griff, aber an Wirkung war seine Offensivkraft nun bedeutungslos. Also ist insgesamt zu sagen: Die Leistung war nicht schlecht, durchaus nicht ohne Einsatz. Aber am Durchsetzungsvermögen, an letzter Entschlossenheit fehlte es halt doch, an individueller Qualität ganz sicher ebenso.

So wäre zu den individuellen Auftritten nur so viel hervorzuheben: Liridon Mulajs Zeit beim FCW ist ein Missverständnis, an diesem Samstag reichte eine (letzte) Viertelstunde zur Bestätigung; Rijad Saliji war in der Rolle eines offensiven Mittelfeldspielers zu wirr, ume in Zeichen zu setzen; Marin Cavar nutzte dagegen auch die nächste Gelegenheit zu einer ordentlichen Leistung in diesem Umfeld. Noch steht er ganz am Anfang, aber er hat die Art eines Verteidigers, dem das Verteidigen das Wichtigste ist. Das ist schon mal ein Ansatz.

Was einfach bleibt, in mutmasslich prominenterer Besetzung (wieder mit Callà, Radice und Doumbia) die Saison abzuschliessen durchwegs gegen Abstiegskandidaten. Am Donnerstag kommt deren Nummer 1, der Tabellenletzte aus Chiasso, der nach seinem Heimsieg gegen Rapperswil-Jona und den Niederlagen auch von Schaffhausen und Kriens das rettende Ufer wieder von sehr viel näher sieht.

FC Vaduz - FC Winterthur 1:0 (1:0)

Rheinpark. – 1424 Zuschauer (offizielle Zahl deutlich übertrieben). – SR Mohammed Ahmed Al-Shammari (Katar). – Tor: 31. Manuel Sutter 1:0. – Vaduz: Büchel; von Niederhäusern (85. Antoniazzi), Bühler (63. Sülüngöz), Puljic, Göppel, Brunner; Dossou (58. Coulibaly), Muntwiler, Gajic (72. Sele), Lüchinger; Sutter. – FCW: Spiegel; Markaj (85. Stettler), Isik, Hajrovic, Schättin (46. Cavar); Arnold, Abedini (46. Saliji); Roberto Alves, Sliskovic, Wild (85. Mulaj); Seferi. – Bemerkungen: Vaduz ohne Prokopic (gesperrt), Vitija, Wieser, Mikus, Drazan (verletzt), Babic und Saglam (nicht im Aufgebot). – FCW ohne Doumbia (gesperrt), Callà (krank), Lekaj, Roth, Schmid, Radice, Lepik (verletzt) und Gazzetta (nicht im Aufgebot); in der 2. Halbzeit mit einem 3-4-3: Isik, Hajrovic, Cavar; Markaj, Arnold, Wild; Saliji; Roberto Alves, Seferi, Sliskovic. – 33. Lattenschuss Seferis. – Verwarnungen: 32. Hajrovic (Foul). 43. Schättin (Foul). 78. Cavar (Foul). 82. Manuel Sutter (Foul).

Erstellt: 12.05.2019, 21:47 Uhr

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