FCW

Ein gutes Resultat – mit Vorsicht zu geniessen

Ein 3:2 gegen West Ham United ist ein gutes Resultat für den FCW, auch wenn der Gegner aus der Premier League nicht in Bestbesetzung, dafür mit Trainingsrückstand antrat. Es war vor 3500 Zuschauern auch eine gute Leistung. Die miesen Erfahrungen von 2017 brauchen sich ja nicht zu wiederholen.

Torschütze und Einfädler: Davide Callà (rechts) hatte in seiner ersten Halbzeit auf der Schützi als FCW-Spieler eine gute Bilanz.

Torschütze und Einfädler: Davide Callà (rechts) hatte in seiner ersten Halbzeit auf der Schützi als FCW-Spieler eine gute Bilanz. Bild: Marc Dahinden

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Der FCW besiegt einen prominenten Gast aus der grossen Welt des Fussballs. Ganz neu ist das nicht. Mancher auf der Schützenwiese erinnerte sich gestern an die Meisterschafts-Hauptrobe vor einem Jahr, als die Winterthurer den VfL Wolfsburg mit einer starken Vorstellung 2:1 besiegten und reichlich optimistisch in die Saison gingen. Die begann dann allerdings mit Niederlagen gegen Wohlen und Rapperswil-Jona und war bis zum Schluss eine Enttäuschung. Jetzt also hat der FCW wieder gewonnen.

Der Gegner kam nicht aus der Bundesliga, aber aus der Premier League, die zurzeit noch höher eingestuft wird. Und die Abergläubischen aus dem Umfeld hätten lieber gesehen, es wäre am Ende wenigstens «nur» ein Unentschieden und nicht wieder ein Sieg gewesen. Denen wäre zur Beruhigung zu sagen, es sei – immerhin zwei Wochen vor dem Ligastart in Wil – ja auch nicht der letzte Test gewesen, es gebe noch zwei Gelegenheiten, überbordende Zuversicht einzudämmen. Die erste am kommenden Freitag in Manchester gegen den nächsten Widersacher von der Insel. Der ist allerdings nur sechstklassig, es sind die alten Freunde vom FC United of Manchester, die auf der Schützi schon zweimal verloren. Später reist noch der SC Brühl aus der Promotion League an.

Loose betont zurückhaltend

Es war dann auch so, dass selbst Ralf Loose, der neue FCW-Trainer ohne Erinnerung an die «Wölfe», alles tat, Resultat und Leistung gegen die «Hammers» nicht zu hoch zu hängen. Er habe schon einiges gesehen, das gut gewesen sei, sagte er zwar, «aber wir haben auch wieder zwei Gegentore kassiert, vorher drei gegen Aarau.» Jedenfalls wolle er, «Vorbereitung ist Vorbereitung und Meisterschaft ist Meisterschaft sehr vorsichtig sein im Urteil.» Eingesetzt hat er 19 Kaderspieler und in den letzten paar Minuten auch noch Ambre Nsumbu, der im Frühjahr vorwiegend in der U21 spielte und noch keinen neuen Vertrag hat.

Er habe «allen Einsatzzeit gegeben», sagte Loose noch und begonnen hätten jene, welche die ganze Vorbereitung mitmachen konnten. Das heisst zum einen, dass die Startelf von gestern zu einem grossen Teil auch jene in zwei Wochen in Wil sein wird. Aber natürlich wäre beispielsweise keine Überraschung, begänne im Bergholz Tobias Schättin und nicht der Youngster Enrique Wild als Linksverteidiger, stünde nicht Manuel Sutter sondern Jordan Gele im Sturmzentrum. Oder spielte Karim Gazzetta statt Luka Sliskovic. Aber zu sagen ist auch: Der FCW hat gestern offensiv eher mehr gebracht, mehr Torchancen herausgespielt als erwartet. Und er kassierte zwar zwei Gegentore und verschuldete auch noch einen (zweiten) Elfmeter, der nicht verwertet wurde. Aber er müsste in der neuen Besetzung defensiv doch stabiler sein als in der vergangenen Saison.

Zu den individuellen Auftritten ist zu sagen: Wild verschuldete zwar etwas leichtfertig einen Penalty, bereitete aber mit einem seiner schnellen Flügelläufe eine sichere Chance für Sutter vor. Der wiederum hätte daraus ein Tor und nicht nur einen Lattenschuss machen müssen, aber er traf doch wieder einmal – zum 2:1. Callà schoss in seiner ersten Halbzeit als FCW-Spieler auf der Schützi gleich ein Kopftor, dazu trat er als Einfädler auf, ehe er leicht angeschlagen in der Kabine blieb. Der Franzose Gele beeindruckte zwar (noch) weniger mit seiner physischen Präsenz, dafür damit, seine erste Chance gleich zu einem Tor genutzt zu haben, zu einer Art Abstauber gegen den zögerlichen Italiener Angelo Ogbonna. Und Luca Radice lupfte Callà den Ball zum Tor auf den Kopf und schlug zu Geles Tor den weiten Pass.

Spiegel und die alten Kameraden

Erfreulich war aber auch das Heimdebüt der neuen Nummer 1 im Tor. Raphael Spiegel hielt beispielsweise kurz vor Halbzeit einen Elfmeter Andy Carrolls. Den kennt Spiegel aus seiner Zeit bei West Ham. Wie andere auch: Als er im April 2017 letztmals für die U23 spielte, standen vier Gegner von gestern in seinem Team. Und als er im Oktober 2016 das letzte Mal in der Premier League auf der Bank der «Hammers» sass, spielten gar fünf – wie Captain Mark Noble, der Walliser Edimilson Fernandes oder Ogbonna. Fernandes bereitete übrigens Carrolls 1:1 vor und schlug auch den Pass, der Wilds Foul am vielfachen argentinischen Internationalen Pablo Zabaleta vorausging.

So fuhren die Londoner mit einer Niederlage im ersten Spiel unter ihrem chilenischen Manager Manuel Pellegrini zurück nach Bad Ragaz, wo sie noch bis Freitag trainieren werden. Sie taten es, wie sich Pellegrini äusserte, sehr zufrieden – durchaus auch mit dem «sehr nützlichen Match gegen einen Gegner von gutem technischem Niveau.» Heute soll in Bad Ragaz dreimal trainiert werden, erstmals wieder mit dem Österreicher Marko Arnautovic. Und bald kommen namhafte Neue hinzu: Jack Wilshere, der jahrelang eine Stütze des Nachbarn Arsenal war, und der Ukrainer Andrej Jarmolenko, der bei Borussia Dortmund nicht wie gewünscht reüssierte und für den West Ham nun 20 Millionen Euro aufzuwerfen bereit ist.

Erstellt: 08.07.2018, 21:34 Uhr

Telegramm

FC Winterthur – West Ham United 3:2 (2:1)

Schützenwiese. – 3500 Zuschauer. – SR Schärer. – Tore: 25. Callà 1:0. 33. Carroll 1:1. 39. Sutter 2:1. 74. Gele 3:1. 85. Noble (Foulpenalty) 3:2. – FCW: Spiegel (63. Bojan Milosavljevic); Markaj, Lekaj (46. Isik), Hajrovic, Wild (46. Schättin); Arnold (73. Nikola Milosavljevic); Callà (46. Roberto Alves), Doumbia (46. Gazzetta), Sliskovic (63. Saliji), Radice (83. Nsumbu); Sutter (46. Gele). – West Ham, 1. Halbzeit: Adrian; Zabaleta, Rice, Oxford, Masuaku; Coventry, Obiang; Holland, Edimilson Fernandes, Haksabanovic; Carroll. – 2. Halbzeit: Trott; Fredericks, Diop, Ogbonna, Byram; Noble, Cullen; Snodgrass, Browne, Samuelsen; Hugill. – Bemerkungen: FCW ohne Schmid und Roth (im Aufbau); mit Ambre Nsumbu (im Training, aber ohne Vertrag). – West Ham ohne Fabianski, Kouyaté, Chicharito (Ferien nach WM-Einsatz), Arnautovic (bis heute Ferien nach Länderspieleinsatz) und Burke (wegen bevorstehendem Transfer zu Hull aus dem Trainingscamp abgereist). – 15. Pfostenschuss Radices, 42. Schuss Sutters an die Lattenunterkante. 44. Spiegel wehrt Foulpenalty Carrolls ab. – Nächster Termin des FCW. Freitag, 13. Juli: FC United of Manchester – FCW, 21.00, Broadhurst Park.

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