FC Winterthur

Ein Heimsieg wäre mal was Neues

Gegen Vaduz macht der FCW morgen sein siebtes Heimspiel der Saison. Es wäre eine grössere Erleichterung, brächte es ihm den ersten Sieg vor eigenem Publikum.

Eine Leistungsexplosion gelang Kwadwo Duah (links) gegen Aarau. Daran wird er künftig gemessen.

Eine Leistungsexplosion gelang Kwadwo Duah (links) gegen Aarau. Daran wird er künftig gemessen. Bild: Heinz Diener

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Die Stimmung beim Training auf der Schützi ist eigentlich nie schlecht. Es ist da keine Mannschaft am Werk, die im täglichen Leben Syndrome eines Abstiegskandidaten zeigt. Auf derlei weist auch nicht hin, was der FCW am Montag in Aarau zeigte. Wie er auf einen frühen Rückstand reagierte, zweimal in Führung ging und dann über eine halbe Stunde in Unterzahl das 3:2 hielt. Schon eher vom Zuschnitt eines Teams vom Tabellenende war allerdings dies: Dass der FCW nach 94 Minuten und 53 Sekunden das 3:3 kassierte und zwei Punkte verlor. Und dass er den wenig ruhmreichen Schnitt hielt, in dieser Saison bisher so viele Platzverweise wie Punkte gesammelt zu haben – sieben an der Zahl.

Das Lob der Mentalität

Den Trainer Umberto Romano ärgerte dieser Ausgleich masslos. Die Zeit minderte dies zwar und Romano sagt mittlerweile, von diesem Spiel sei ihm vor allem dieser Eindruck geblieben: «Von der Mentalität der Mannschaft, wie sie zurückkam.» Dann fügt er doch bei: «Aber eben auch dieses letzte Tor – und deshalb ist die Erinnerung zwiespältig.»

So muss man es sehen: Der FCW hat sicher weit besser gespielt als ein Tabellenletzter, als der er aufs Brügglifeld gefahren war. Aber er hat nicht seinen Möglichkeiten entsprechend gepunktet. Das sind, bei allem Respekt, schlechte Zeichen, die müssen über kurz oder lang verschwinden. Verschwinden muss vor allem einmal die rote Null, die in den FCW-Statistiken steht: Noch immer hat kein Heimspiel gewonnen. Aus sechs Matches auf der Schützenwiese gabs nur zwei Punkte, nur in jedem zweiten Spiel wenigstens ein Tor!

Das beginnt einen bald einmal ans Kalenderjahr 2011 zu erinnern, als Boro Kuzmanovics Mannschaft einen veritablen Heimkomplex entwickelte. Zuerst geriet sie in der Rückrunde 2010/11 in ernsthafteste Abstiegsgefahr, weil sie sechs Heimspiele in Folge nicht gewann – bis zum rettenden 1:0 gegen Biel dank Rainer Bielis legendärem Fallrückzieher. Es kam ein Herbst 2011 mit fünf Heimniederlagen, die Kuzmanovic an den Rand der Entlassung brachten – gegen die dann Präsident Hannes W. Keller nach einem Trainingsbesuch höchstselbst entschied. Es folgten drei 0:0 in den letzten Heimspielen 2011 und dann, im Frühjahr 2012, der Höhenflug mit Abwehrchef Savvas Exouzidis bis in den Cup-Halbfinal gegen den FCB. 15 Ligaspiele, der Sieg gegen Biel, 6 Unentschieden und 8 Niederlagen – das war 2011 auf der Schützenwiese.

Lanza und Duah

So weit ist Romanos FCW noch längst nicht. Aber es wäre schon gut, die positiven Anzeichen von Aarau umzusetzen – auch ohne den gesperrten Guillaume Katz und den «Sechser» Kreso Ljubicic, dessen Kreuzband-Teilriss ärgerlichstes Ereignis des Tages war. Ihn dürfte Tiziano Lanza ersetzen, der mit seinen 22 Jahren allmählich dem Alter des Nachwuchsspielers entwächst. Zwei Kurzeinsätze 2014/15, zwei 2015/16 standen am Anfang; 2016/17 waren es 14 «Eins»-Spiele, davon sieben Starts und fünf über 90 Minuten; 2017/18 waren es bisher drei über zusammen nur 87 Minuten. Es ist also Zeit, schlüssig erkennen zu können, wie tauglich Lanza für eine Karriere in der Challenge League ist. Nun hat er die Chance dazu.

Was aus Aarau aber vor allem in Erinnerung ist: Die Leistungsexplosion – ja, man kann es nicht anders nennen – Kwadwo Duahs (20), der Berner Leihgabe der Young Boys. In der Vorbereitung hatte er beim 2:1 in der Hauptprobe gegen den VfL Wolfsburg überzeugt, mit einem Tor auch. Doch diese Hoffnungen erfüllte er seither sehr beschränkt, wenn überhaupt – bis er in Aarau gross aufspielte, als linker Flügelmann in einem Fünfermittelfeld. Vier hervorragende Schüsse markierten diese Leistung: Den ersten aus 20 Metern, ganz unvermutet abgegeben und so etwas wie die Initialzündung, wehrte Torhüter Steven Deana stark ab. Der zweite, ein Freistoss aus 17 Metern, war das 1:1. Der dritte, ein Freistoss aus 24 Metern, knallte über dem geschlagenen Deana an die Latte. Und der vierte, nach einem Dribbling à la Robben, liess Deana chancenlos – in die weitere Ecke flog der Ball. Zwei Tore in einem Spiel hat Duah als Aktivspieler erst einmal zustande gebracht. Da war er noch 17 und traf zu einem 5:0 der U21 der Young Boys gegen Grenchen in der 1. Liga doppelt.

Einer wie YB-Trainer Adi Hütter sieht bei Duah das Potenzial für eine grosse Karriere. Leistungen wie in Aarau lassen einen daran glauben. Aber sie bedürfen der Bestätigung. Er habe Duah, sagt Romano, «erklärt, dass er nun an diesem Spiel gemessen wird.» Das setzt Arbeit voraus, auch im Training – wie sie der Berner bisher nicht mit der gewünschten Konstanz lieferte. Aber klar ist, dass er wieder in der Startelf steht, erstmals ein drittes Mal in Folge. Zurück kehrt nach verbüsster Sperre Abwehrchef Jordi Lopez, wieder verfügbar sind Nicolas Stettler und Dario Ulrich – auch sie nach dem Dreifach-Platzverweis gegen Rapperswil-Jona.

Vaduzer Enttäuschungen

Der FC Vaduz kommt als Tabellensechster mit sechs Punkten mehr. Aber das ist längst nicht das, was sich der Absteiger von dieser Saison vorgestellt hat. Sage und schreibe 17 Punkte Rückstand auf Leader Neuchâtel Xamax sind viel zu viel für einen Verein, der sich den direkten Wiederaufstieg zum Ziel setzte. Bedenklich war, wie sich die Vaduzer geradezu gehen liessen, als sie in der letzten Runde daheim gegen Xamax 0:5 verloren.

Allzu viele negative Ereignisse darf sich Trainer Roland Vrabec nicht mehr leisten. In den letzten fünf Ligaspielen schoss seine Mannschaft nur ein Tor, in den letzten drei gar keines. Das wird auch nicht durchs jüngste Ergebnis aufgewertet: Am Dienstag gewann der FCV den Viertelfinal des liechtensteinischen Cups gleich 9:0. Aber der Gegner, das „Zwei“ des USV Eschen/Mauren, kam aus der 4. Liga. Vrabec liess seine erste Wahl auftreten. Aldin Turkes schoss fünf Tore, der ukrainische Altinternationale Marko Devic (34) drei, der Winterthurer Diego Ciccone das erste.

Erstellt: 27.10.2017, 19:33 Uhr

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