Zum Hauptinhalt springen

Ein Punkt mehr, zwei Punkte zu wenig

Das 1:1 gegen Rapperswil-Jona war für Livio Bordoli kein Fehlstart als FCW-Trainer, sicher nicht nach Leistung. Aber es war doch ein enttäuschendes Ergebnis, denn ein Spiel dieses Zuschnitts hätten die Winterthurer gewinnen müssen.

Nach einem Eckball von Robin Huser erzielt Guillaume Katz (ganz links, Nummer 5) per Kopf die Führung für den FCW.
Nach einem Eckball von Robin Huser erzielt Guillaume Katz (ganz links, Nummer 5) per Kopf die Führung für den FCW.
Nathalie Guinand

Zum einen war das eine klare Steigerung – vom 1:3 in Rapperswil-Jona im Juli und dem 0:1 auf der Schützenwiese Mitte Oktober zum 1:1 im ersten Match der Rückrunde, dem ersten unter dem neuen «Mister» aus dem Tessin. So werden es zumal leicht zum Zynismus neigende Zeitgenossen sehen, die ja noch immer denken, der Aufsteiger aus «Rappi» sei ein Kleiner in dieser Liga.

Zum andern erinnerte der Match aber auch an die weitgehend verkorksten Herbstmonate, in denen die Doppelniederlagen zu Beginn der beiden ersten Meisterschaftsviertel gegen Rapperswil und Wohlen massgebliche Wirkung hatten – negative selbstredend. Denn gestern mochte der FCW zwar eine ordentliche, in der ersten Halbzeit gar gute Gesamtleistung abgeliefert haben. Und doch war am Ende wieder mal festzustellen, er habe nicht erreicht, was er hätte erreichen können, ja müssen.

Silvios verpasste Chancen

Die immerhin 2300 Zuschauer, die zu diesem ersten Spiel einer sportlich reduzierten Rückrunde erschienen waren, zeigten sich durchaus zufrieden mit dem Auftritt der Mannschaft. Sie spielte in Bordolis 4-3-3 in guter Ordnung; vor allem in der ersten Halbzeit war ein aggressiverer Stil in den Zweikämpfen zu erkennen; es wurde einigermassen schnell nach vorne gespielt. Aber nach diesen 45 Minuten musste man einfach sagen: Wer ein Spiel so klar beherrscht, es zu drei glasklaren Torchancen bringt und dem Gegner nur eine nennenswerte Szene zugesteht, der muss nun mal führen. Sonst bekommt er ein ernsthaftes Problem.

In diesen 45 Minuten hätte Silvio, der wie so oft eine gute Leistung zeigte, einfach mindestens ein Tor schiessen müssen. In der 12. Minute, als ihn Rapperswils Captain Carlos Da Silva mit einem Fehlpass vom Feinsten freispielte und der mausbein­allein vor Torhüter Diego Yanz scheiterte. Und in der 27. Minute, als Silvio nach einer starken Linksflanke Luca Radices aus bester Position zum Kopfball ansetzen konnte und ziemlich genau auf Yanz «zielte». Es hätte nur noch gefehlt, dass der Gast nach 20 Minuten bei seiner ersten Strafraumszene in Führung gegangen wäre. Aber da warf sich Guillaume Katz in den Ball. 0:1 statt 1:0 oder eben wenigstens 0:0 – damit hätte sich das herbstliche Szenario schon bei erster Gelegenheit wiederholt.

Ein erstes Tor nach Eckball

So weit kam es dann doch nicht. Und ein paar Minuten nach der Pause schienen die Winterthurer endgültig auf dem richtigen Pfad zu sein: Robin Huser schlug einen Eckball, der auf der Höhe des vorderen Pfostens auf dem Kopf Katz’ landete – und von dort im Tor. Es war das erste Saisontor des FCW nach einem Corner, das zweite von Katz als Winterthurer, in seinem 65. Ligaspiel für den Klub. Das erste geht auf den 15. Oktober 2016 zurück und war das 1:0 in einem Heimspiel gegen Chiasso, das dann 1:1 endete.

1:1 ging auch der Match gestern aus. Es war, man kann es nicht anders sagen, ein Zufallstor. Carlos Da Silva hob in seinem ersten Spiel von Beginn weg weit draussen vor der Stehplatztribüne zu einer Flanke an. Der Ball rutsche ihm über den Rist, aus einer Flanke wurde ein Schuss, der über den machtlosen Goalie Matthias Minder hinweg in der hintersten Torecke landete. «Ohne einmal aufs Tor geschossen zu haben, machten sie ein Tor», stellte Bordoli am Ende fest. Dabei hatte er doch stets den Eindruck gehabt, «dass wir alles im Griff haben. Ich hatte keine Angst vor dem Ausgleich.»

Bordoli war also «allgemein zufrieden, denn der Ball lief gut». Er dachte sich nach dem 1:0, «mit einem schnellen Mann wie Kwadwo Duah den Raum zu nutzen, der sich bieten würde». Aber der Raum bot sich schon nicht mehr, als Duah kam. Im letzten Viertel des Spiels war der FCW nicht mehr so stilsicher wie vorher, auch nicht in den letzten zehn Minuten, als der Gegner nur noch zu zehnt war. Rechtsverteidiger Mike Kleiber hatte sich unweit des Winterthurer Strafraums wie eine Schwalbe in die Luft gelegt und war ein zweites Mal verwarnt worden; ein erstes Mal schon nach vier Minuten für ein Foul an Kofi Schulz. Auch Linksverteidiger Jonas Elmer hätte das Spiel nicht beenden dürfen. Denn er hätte für ein grobes Foul an Duah schon verwarnt gehört, bevor er dann für eine Attacke gegen Robin Huser Gelb sah, das bei einem strengen Schiedsrichter Rot gewesen wäre.

Noch einmal kamen die Winterthurer einem Tor und damit dem Sieg nahe: In der 78. Minute war ein 18-m-Freistoss Duahs auf dem Weg über die Linie – aber dort stand ein Verteidiger. Und bevor Tobias Schättin zum «Abstauber» ansetzen konnte, versprang der Ball. So blieb es beim 1:1, was der Rapperswiler Coach Urs Meier so beurteilte: «Diesen Punkt nehmen wir gerne mit. Es ist einer auswärts, nach einem Rückstand, einer Roten Karte und ohne Stéphane Nater.» Der Rapperswiler Stratege fehlte erkrankt. Vielleicht auch deshalb war die wie immer solidarisch und unangenehm verteidigende Mannschaft Meiers offensiv nicht annähernd so wirkungsvoll wie in ihren besseren Spielen im Herbst. Aldin Turkes, der Nachfolger Mychell Da Silvas, war jedenfalls nicht zu sehen.

Starke Aussenverteidiger

Bordoli konnte eher mit der Leistung als dem Resultat zufrieden sein. «Mich ärgert einfach dieses S. . .tor», sagte er immer wieder. Deshalb gewann der FCW zwar einen Punkt mehr als im Herbst, aber im Verhältnis zu Leistung, Aufwand und Torchancen immer noch zwei zu wenig. Dieses Missverhältnis muss Bordoli ausmerzen, will er seine Ziele erreichen. Immerhin, es gab einiges an Positivem in einer Mannschaft, in der er die drei am längsten umstrittenen Positionen so besetzt hatte: Dennis Markaj und nicht der wieder ins engere Aufgebot gerückte Leandro Di Gregorio war Rechtsverteidiger; Nicolas Stettler rutsche gar aus dem Aufgebot. Neuling Nikola Milosavljevic war dritter Mann im Mittelfeld, allerdings weil den Genfer Karim Gazzetta wieder mal ein Muskel zwickte. In der Offensive erhielt Schulz und nicht Duah oder Manuel Sutter den dritten Platz neben Silvio und Captain Radice. Die besten Einzelleistungen zeigten die Aussenverteidiger Markaj und Schättin; vernünftig spielte das Innenduo Katz/Jordi Lopez. Im Mittelfeld liess Ousmane Doumbia, wenn auch noch nicht in Bestform, erkennen, ein verlässlicher, ballsicherer «Sechser» zu sein. Milosavljevic und Huser spielten ordentlich, zumal in der ersten Halbzeit erfreulich aggressiv. Aber sie müssen noch mehr Zug Richtung gegnerisches Tor entwickeln. Schulz und Radice begannen stark, liessen gegen Ende nach. Zu Silvio ist einfach zu sagen: Hätte er wenigstens einmal getroffen, wäre alles gut . . .

Jetzt nimmt Bordolis FCW am Samstag in Wohlen den nächsten Anlauf, in dieser Saison einen Gegner zu schlagen, der nicht aus Wil kommt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch