Fussball

Eine Niederlage ist noch kein Einbruch

Der FCW verlor vor 4500 Zuschauern gegen Servette 1:3 – er ist gestolpert beim Anlauf, erstmals seit sechs Jahren alleiniger Leader der Challenge League zu werden. Dem FCW ist eine Reaktion zuzutrauen – wenn er in zehn Tagen als neuer Tabellendritter nach Lausanne fährt.

Abwehrchef Sead Hajrovic (Mitte) fällt wegen einer Knieoperation vorerst aus. Bild: Heinz Diener

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Warum Servette dieses Spitzenspiel gewonnen hat, in der zweiten Halbzeit sogar souverän, war offensichtlich: Zwei grobe individuelle Fehler in der Winterthurer Defensive, von Enrique Wild der eine, von Remo Arnold der andere, ebneten den starken Genfern binnen weniger Minuten den Weg vom 1:1 zum 1:3.

Das war das Ende der bisher erfolgreichsten Phase des FCW mit fünf Siegen und nur einer Niederlage aus den vorangegangenen sieben Spielen. Das ist ein erster Nachweis steigender Konstanz gewesen. Eine Niederlage ist noch nicht annähernd ein Einbruch. Einen solchen zu verhindern ist nun der Charaktertest für die Mannschaft.

Den zu bestehen, ist ihr zuzutrauen. Denn am Charakter, an der mannschaftlichen Geschlossenheit, hat es dem FCW in dieser Saison nicht gefehlt. Das 1:3 gegen Servette, die aktuell unbestrittene Nummer 1, war die vierte Niederlage. Und wie hat er auf die ersten drei reagiert? In der Startrunde verlor er nach eigentümlich schwacher zweiter Halbzeit in Wil 0:2 – die zwei nächsten Spiele gewann er (gegen Aarau und in Rapperswil); in der 5. Runde verlor er das Hinspiel gegen Servette nach einem ungewohnt blutarmen Auftritt 0:2 – danach gabs ein Unentschieden gegen Schaffhausen und zwei Siege (in Vaduz und gegen Lausanne); in der 9. Runde verlor er daheim gegen Chiasso 0:1; es war ein «Klassiker» gegen einen in 90 Minuten einmal erfolgreich konternden Aussenseiter – es folgten zwei Siege (in Aarau und gegen Vaduz), ein Unentschieden und nochmals ein Sieg.

Der FCW hat also noch nie unter Trainer Ralf Loose zweimal in Folge verloren. Das ist ein Nachweis von guter Mentalität, von Beständigkeit, wie sie in den vergangenen Jahren nicht vorhanden waren. Bemerkenswert ist überdies, dass es bisher gegen alle Klubs, denen der FCW schon zweimal begegnete, Doubletten gab: zwei Siege gegen Aarau, Vaduz und Rapperswil-Jona, zwei Unentschieden gegen Schaffhausen, zwei Niederlagen gegen Servette. Geht es so weiter, gewinnt der FCW zwar nach der Länderspielpause in Lausanne, aber danach gibt es nur noch einen Punkt aus den drei Spielen in Kriens, gegen Wil und in Chiasso.

FCW will Super-League-Lizenz

Das aber wäre dann eindeutig zu wenig, auch wenn man sich mit einem zweiten Meisterschaftsviertel mit 14 Punkten und damit 28 aus der Vorrunde im Soll befände. Zumindest was zurückhaltende Prognosen betrifft. Es entspräche nicht dem Optimismus, der sich in den vergangenen Wochen breitgemacht hat – auf den Tribünen, aber auch in der Mannschaft. Dort denken doch manche, der Barrageplatz brauche keine Utopie zu sein – wenn man denn so weitermacht.

Als klar darf mittlerweile gesehen werden, dass die Vereinsführung diesen Vorstellungen entsprechen wird: Sie ist sich grundsätzlich einig, dass sie Anfang März termingerecht nicht nur die Lizenz für die Challenge League, sondern auch für die Super League beantragen wird. Das bestätigt Vizepräsident Mike Keller. Man stelle sich ja auch vor: Die Mannschaft des FCW ist nach Vorrunde und ersten Spieltagen der Rückrunde noch immer vorne dabei – und wird dann von der eigenen Klubführung ausgebremst! Man könnte sich die Reaktionen, auch der Spieler, leicht ausmalen.

Hajrovic: Knieoperation

Im Moment sind allerdings die alltäglichen Probleme wichtiger, die sich Mannschaft und Trainer stellen. So war bisher die Quote an Verletzten gering, weshalb sich kaum auswirkte, dass das Kader in der Breite knapp bemessen ist. Also spürte man am Freitag die Absenz des gesperrten Stürmers Taulant Seferi, der ja schon – zunehmend wirkungsvoller – Stellvertreter Jordan Geles war, mit dessen Wirken in diesem Jahr kaum mehr zu rechnen ist. Und jetzt fällt für einige Wochen auch Abwehrchef Sead Hajrovic aus. Bei ihm wurde schon vor einigen Wochen ein Meniskusschaden diagnostiziert, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, das Problem mit einer Operation zu lösen. Die ist auf morgen Dienstag anberaumt. Da trifft es sich gut, dass Denis Markaj nach seiner Knöchelverletzung wieder zurück ist. Aber eben: Hajrovic war bisher ein so gut wie fehlerloser Abwehrchef.

Hajrovic weiss also, was er in der Länderspielpause zu tun hat. Seine Kollegen werden trainieren. Ein Freundschaftsspiel ist nicht angesetzt, einzig am Donnerstag ein interner Testmatch.

Und das gibt es zur Liga noch zu sagen:

Gute Zeiten. Das trifft neben Servette auch auf den FC Aarau zu, der nach dem 3:0 gegen Rapperswil-Jona, dem dritten Dreier in Folge, erstmals nicht mehr Tabellenletzter oder mit dem (damals punktlosen) Letzten gleichauf ist. Das Schlussresultat stand schon nach 24 Minuten fest! Weiterhin gut läuft es auch dem FC Wil, der den FCW wieder überholte – mit der Rarität eines Auswärtssieges auf Naturrasen. Das 2:0 in Vaduz war so verdient wie ungefährdet – und ein herber Rückschlag für den neuen Chef im «Ländle», Mario Frick.

Schlechte Zeiten. Das gilt in erster Linie für den neuen Tabellenletzten Chiasso und Rapperswil-Jona. Das 2:3 auf dem Schaffhauser Kunstrasen war die vierte Niederlage in Folge der Tessiner, die seit dem Coup auf der Schützenwiese aus fünf Matches noch ein Pünktchen holten. «Rappi» ist gar schon seit sechs Ligaspielen und einem Cupmatch ohne Sieg. Das ist seine eindeutig schwierigste Situation seit dem Aufstieg. Kam hinzu, dass Skorer Aldin Turkes für Aarau verletzt ausfiel und (Ersatz-)Torhüter Andrea Guatelli vor der Pause nach einer harten Attacke des Österreichers Stefan Maierhofer vom Platz getragen werden musste. Vorher hatte er noch dessen 1:0 verschuldet.

Weiterhin zäh läuft es auch beim Favoriten Nummer 1 aus Lausanne, der in Kriens mit einem 1:1 zufrieden sein musste. Die Luzerner, die durch Dario Ulrich (ex-FCW) ausglichen, hätten die Chancen für mehr besessen. Lausannes Bilanz vor dem Rückspiel gegen den FCW: Nur ein Sieg aus acht Spielen, noch Vierter mit fünf Punkten Rückstand statt Erster mit einer Länge Vorsprung. Der Druck auf Trainer Giorgio Contini wächst. (hjs)

Erstellt: 11.11.2018, 21:12 Uhr

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