FC Winterthur

Eine triste Aufführung

Nach einer vernünftigen, allerdings trotz Chancen torlosen ersten Halbzeit verlor der FCW gegen den FC Wil noch 0:3. Nach einer tristen, ja unerklärlichen Aufführung in den zweiten 45 Minuten. Er kommt in dieser Saison einfach nicht mehr vom Fleck.

Der Anfang vom Ende für den FCW: Goalie Bojan Milosavljevic (links) ist geschlagen, der Ball schlägt zum 1:0 für Wil ein

Der Anfang vom Ende für den FCW: Goalie Bojan Milosavljevic (links) ist geschlagen, der Ball schlägt zum 1:0 für Wil ein Bild: Heinz Diener

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An diesem Gesamteindruck vom FCW im Fussballjahr 2017/18 wird sich auch in den letzten sechs Runden nichts mehr ändern, auf jeden Fall nicht nennenswert: Die Mannschaft bringt es, auch nach dem Trainerwechsel, einfach nicht fertig, eine gewisse Konstanz zu zeigen. Das Wechselspiel von guten Ansätzen und Rückschlägen wie nun vom 2:0 gegen den FC Wohlen zum 0:3 gegen Wil ist einfach nur ermüdend. Und einen klareren statistischen Beweis dafür als diesen kann es auch nicht geben: Fünfmal haben die Winterthurer bisher gewonnen, was in mittlerweile 30 Runden schon für sich miserabel ist; und nicht einmal haben sie es geschafft, einem ersten Sieg einen zweiten folgen zu lassen.

Zweimal in diesem Frühjahr war es der FC Wil, bei Halbzeit der Meisterschaft immerhin noch Tabellenletzter, der die Hoffnungen der Winterthurer auf den Start zu einer wenigstens ganz kleinen Serie zerstörte. Mitte Februar war dies, nach einem 4:1 des FCW in Wohlen, noch so abgelaufen: Zuerst verschoss er im Bergholz einen Elfmeter, dann hatte er nach dem 0:1-Rückstand mindestens vier «sichere» Torchancen; in der Nachspielzeit kassierte er noch das 0:2. Es war gleichsam ein Spiel der verpassten Chancen.

Nichts als «unerklärlich»

Gestern konnte man das für die erste Halbzeit auch noch halbwegs sagen. Denn der FCW hatte den Gegner sicher im Griff, «wir liessen doch nichts zu», wie Mittelfeld-Routinier Kreso Ljubicic später sagte. Und es gab mindestens drei sauber herausgespielte, gute Chancen. Aber zweimal scheiterte Luka Sliskovic, einmal Karim Gazzetta. Sliskovic, gegen Wohlen noch zweimal Torschütze, zögerte zuerst, immerhin alleine vor Torhüter Zivko Kostadinovic, den Schuss zu lange hinaus, dann köpfelte er aus günstigster Position drüber. Immerhin, es waren Chancen.

Was folgte war, wieder in den Worten Ljubicics, «unerklärlich. Dabei wollten wir doch genauso weiterspielen wie vorher». Livio Bordoli, der Trainer, fand auch kaum Worte: «Es standen zwei verschiedene Mannschaften auf dem Platz. Warum das so war? Unerklärlich.» Aufgestellt hatte er ja weitgehend wie am Donnerstag, einzig Nikola Milosavljevic begann im Mittelfeld für Rijad Saliji und Ambre Nsumbu auf der rechten Flanke für Dario Ulrich. Nsumbu war dann, übers Ganze gesehen, vor allem aber in der ersten Hälfte, noch auffallendster Spieler. In seinem ersten Spiel von Beginn weg in der Challenge League seit Mitte Februar 2016 (für den FC Biel in … Winterthur) düpierte er seinen Gegenspieler wiederholt mit Schnelligkeit und guter Ballführung. Für mehr als eine gute Stunde reichen seine Kräfte allerdings noch nicht.

Wils «Winterthurer» Tore

Das war in seinem Fall also eine Erklärung, für anderes hatte man sie nicht. Dafür, dass die Wiler sofort besser im Spiel waren, sich nach ein paar Minuten durch einen Kopfball Nick von Niederhäuserns eine erste Chance herausspielten und nach knapp einer Stunde durch Nias Hefti, den jüngeren Bruder des St. Galler Verteidigers Silvan Hefti, in Führung gingen. Hefti, linker Aussenläufer und mit seinen noch nicht mal 19 Jahren jüngster Spieler auf dem Platz, kam zu seinem ersten Tor in der Challenge League, weil Kofi Schulz, der linke Abwehrmann auf der Gegenseite, wieder mal miserabel verteidigte.

Die beiden andern Wiler Tore waren welche ehemaliger FCW-Spieler: Zuerst hatte Sandro Lombardi, ehedem Captain auf der Schützi, mittlerweile 32-jährig, mit einem Flachschuss aus 18 Metern Erfolg. Dann traf Nick von Niederhäusern, in seinem achten Match für die St. Galler, erstmals. Lombardis Treffer war die Entscheidung, vor allem aber war er haltbar. Bojan Milosavljevic hätte ihn mit nur halbwegs korrektem Stellungsspiel mühelos abgewehrt. Aber Goaliefehler gehören in diesen Tagen, auch am Samstag bei der U21, zu den Merkmalen des FCW. Auf der andern Seite hielt in dieser entscheidenden Phase des Spiels Kostadinovic einen ähnlichen, aber schärferen und überraschenderen Flachschuss Kwadwo Duahs. Es war die einzige Gefahr fürs Wiler Tor in diesen ganzen, für den FCW-Anhang so tristen zweiten 45 Minuten.

«Nächst mal gömer id Badi.»Plakat in der Fankurve

Es erübrigt sich danach eine Einzelkritik. Wenn Oliver Kaiser, der Leiter Sport, aus dieser englischen Woche mit dem 2:0 gegen den Tabellenletzten aus Wohlen zwischen dürftigen Gesamtleistungen in Rapperswil-Jona und nun gegen Wil Schlussfolgerungen zieht, dann sind sie vorwiegend negativ. Wie gerne hätte man, um nur ein Beispiel zu nennen, eine Bestätigung Sliskovics als «Knipser» gesehen. Er blieb sie ein weiteres Mal schuldig.

So verabschiedete selbst die betont geduldige Fankurve die Mannschaft mit diesem Transparent: «Nächst mal gömer id Badi.» Diesmal 3300 Zuschauer enttäuscht zu haben war genauso ein Ärgernis wie jüngst das 1:2 gegen den FC Schaffhausen vor 3400.

(Der Landbote)

Erstellt: 22.04.2018, 22:22 Uhr

FCW-Trainer

Die Heimat lockt Bordoli

Ein Punkt pro Spiel – das ist nach zwölf Ligamatches auf der Bank des FCW die Bilanz Livio Bordolis. Eine Aufbruchstimmung wird durch andere Zahlen erzeugt. Das ist klar. Dennoch ist der Eindruck, den Bor­doli bisher auf der Schützi hinterliess, gut. Es ist, nicht zuletzt, die Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Leiter Sport, Oliver Kaiser, vertrauensvoll.

Also sah vieles danach aus, als bliebe Bordoli über diese Saison hinaus Trainer des FCW. Die Zeichen, die der Verein aussandte, waren jedenfalls eindeutig. Kaiser sagt auch jetzt noch, er habe im Prinzip mit Bordoli verlängern wollen. Aber mittlerweile ist dazu eben die Vergangenheitsform angebracht, denn aus dem Tessin kommt die Kunde (und wird von Bordoli nicht mehr dementiert), dass der Trainer im Sommer in die Heimat zurückkehren soll. Er ist dort vorgesehen als neuer Technischer Direktor des kantonalen Fussballverbandes. Zurzeit versieht noch Davide Morandi (53), ehemaliger Nationalliga-Trainer auch er, diesen Job. Aber seit geraumer Zeit ist bekannt, dass er Ende Juni ausscheidet.

Bordoli fühlt sich offensichtlich wohl in Winterthur. Allein, im Tessin hat er seine Familie mit zwei kleinen Kindern, und eine Vereinbarung mit einem Verband ist für einen doch schon 55-jährigen Familienvater auch eine sicherere Sache. Für den FCW heisst das aber: Es ist gegen Ende einer verkorksten Saison nicht nur manches offen in der Kaderplanung, es muss auch ein neuer Trainer gesucht werden. Was eine Personalie ist, die Priorität haben müsste.

Die Heimat lockt Bordoli

Ein Punkt pro Spiel – das ist nach zwölf Ligamatches auf der Bank des FCW die Bilanz Livio Bordolis. Eine Aufbruchstimmung wird durch andere Zahlen erzeugt. Das ist klar. Dennoch ist der Eindruck, den Bordoli bisher auf der Schützi hinterliess, gut. Es ist, nicht zuletzt, die Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Leiter Sport, Oliver Kaiser, vertrauensvoll.

Also sah vieles danach aus, als bliebe Bordoli über diese Saison hinaus Trainer des FCW. Die Zeichen, die der Verein aussandte, waren jedenfalls eindeutig. Kaiser sagt auch jetzt noch, er habe im Prinzip mit Bordoli verlängern wollen. Aber mittlerweile ist dazu eben die Vergangenheitsform angebracht, denn aus dem Tessin kommt die Kunde (und wird von Bordoli nicht mehr dementiert), dass der Trainer im Sommer in die Heimat zurückkehren soll. Er ist dort vorgesehen als neuer Technischer Direktor des Kantonalen Fussballverbandes. Zurzeit versieht noch Davide Morandi (53), ehemaliger Nationalliga-Trainer auch er, diesen Job. Aber seit geraumer Zeit ist bekannt, dass er Ende Juni ausscheidet.

Bordoli fühlt sich offensichtlich wohl in Winterthur. Allein, im Tessin hat er seine Familie mit zwei kleinen Kindern, und eine Vereinbarung mit einem Verband ist für einen doch schon 55-jährigen Familienvater auch eine sicherere Sache. Für den FCW heisst das aber: Es ist gegen Ende einer verkorksten Saison nicht nur manches offen in der Kaderplanung, es muss auch ein neuer Trainer gesucht werden. Was eine Personalie ist, die Priorität haben müsste. hjs

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