Fussball

Enttäuschte unter sich

FC Aarau – FCW ist am Ostermontag das Duell der zwei Teams in der Challenge League, die in dieser Saison am meisten enttäuschten. Beide wechselten auch den Trainer. Mit der Spitze hatten sie nie etwas zu tun, den Abstiegskampf verhinderte nur der FC Wohlen.

Wieder in der Startformation des FCW: Silvio nimmt den Platz des gesperrten Kwadwo Duah ein.

Wieder in der Startformation des FCW: Silvio nimmt den Platz des gesperrten Kwadwo Duah ein. Bild: Heinz Diener

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Die Aarauer, die sich eigentlich als Aufstiegskandidaten sahen und jedenfalls unter die ersten Drei wollten, erleben gar turbulente Zeiten, und zwar auf verschiedenen Ebenen. So siehts bei ihnen aus:

Die Stadionfrage: Am existenziell wichtigsten ist, wann – ja überhaupt: ob – das neue Stadion zustande kommt. Seit 1994, seit dem ersten Projekt für eine Nachfolge des alt-ehrwürdigen Brügglifelds noch von Meister-Präsident Ernst Lämmli, steht diese Frage im Raum. Gewonnene Volksabstimmungen, ständige Beschwerden, immer wieder neue Projekte – das ist die Geschichte. Seit ein paar Tagen sieht sie so aus, als sei sie doch endlich – im Torfeld Süd nahe des Bahnhofs. Alle beteiligten Parteien haben sich geeinigt, die Stadt Aarau, der FC, die Bauherrin HRS, ein vom ehemaligen Präsidenten Michael Hunziker angeführtes Unterstützungskomitee namens «meinstadion.ch».

Die letzte Entwicklung sieht günstigstenfalls so aus – für ein mit vier Hochhäusern querfinanziertes Stadion mit 10 000 Sitzplätzen, zu Kosten von 80 Millionen Franken fürs ganze Projekt, davon 17 Millionen fürs Stadion: Ende 2018/Anfang 2019 gibt’s nochmals eine Volksabstimmung, denn der einst bewilligte Nutzungsplan ist wegen der vier Hochhäuser abzuändern. Ende 2021 soll Baubeginn sein, bestenfalls 2023 ist das Stadion bezugsbereit. Und die Stadt wird es – gemäss einem Volksentscheid von 2008 – für 17 Millionen kaufen. Bis dann darf der FCA dank Spezialbewilligungen im Brügglifeld spielen.

Die Präsidiumsfrage. Alfred Schmid, seit über einem Jahrzehnt Vereinspräsident, hat angekündigt, 2019 zurückzutreten, wohl zusammen mit seinen fünf Verwaltungsratskollegen wie dem fürs Sportliche zuständigen Roger Geissberger. In der letzten Saison Schmids, vor allem im kommenden Herbst, soll mit möglichst guten Leistungen die Basis gelegt werden, dass der (letzten?) Volksabstimmung übers Stadion Erfolg beschieden ist. Eine Saison wie die aktuelle kann sich der FCA allein deshalb nicht leisten. Zu den Mitteln, die dafür zur Verfügung stehen, gehören auch die 250 000 Franken, die Bauherrin HRS den Verein in jedem der kommenden fünf Jahre, eben bis zum Bezug des neuen Stadions, zuschiesst.

Die Trainerfrage. Sie ist für den sportlichen Bereich die wichtigste. Im vergangenen Sommer wurde Marinko Jurendic verpflichtet, zuletzt beim SC Kriens, vorher beim Verband und als Spieler Anfang des Jahrtausends mal für ein paar Monate beim FCW. Der 40-Jährige galt als Talent, aber er kam auf dem Brügglifeld nie in die Gänge. Mindestens Platz 3 hatten sie zum Ziel, aber besser als Fünfter war Jurendic nie; im Cup schied er bei erster Gelegenheit beim viertklassigen FC Echallens aus. Eine geradezu krawallige Kampagne der lokalen Medien setzte bald einmal ein. Im Winter hielt der Verein noch an Jurendic fest, nach drei Zu-null-Niederlagen gegen die «Kleinen» FC Rapperswil-Jona (0:2 und 0:1) und Wil (0:1) musste er dann doch gehen. Sein Assistent Stephan Keller (39), ehedem beim FCZ und Neuchâtel Xamax, dreifacher Nationalspieler und später in Holland und Australien, führt die Mannschaft nun gegen den FCW.

An Sandro Burki ist es, den neuen Trainer zu suchen und das Personal, das eine bessere Saison garantiert. Er wurde Mitte August 2017, als Nachfolger des abgesetzten Raimondo Ponte, vom einen Tag auf den andern vom Captain zum Chef Jurendics. Der 32-Jährige ist eine Institution beim FCA, aber seine ersten Transfers, die er zur Stützung Jurendics tätigte, waren nicht wirklich Erfolge – nicht die Norman Peyrettis oder Gianluca Frontinos, schon gar nicht der Gilles Yapis, des Altmeisters, dessen Bilanz aktuell diese ist: 15 Spiele, acht Gelbe Karten, eine Rote. Klar ist: Es wird sich im Sommer in Aarau personell sehr viel tun.

FCW: Pizza und Nsumbu. Der FCW begann Ostern am Donnerstagabend mit einem Pizzaessen, bezahlt von Trainer Livio Bordoli als Lohn für den «Shutout» gegen Vaduz. Das 1:0 gegen die Liechtensteiner war, in sieben Spielen, der einzige unter Bordoli ohne Gegentor. Des Trainers Bilanz ist bisher zweigeteilt: Daheim vier Spiele ohne Niederlage, selbst gegen die Topteams Neuchâtel Xamax und Servette (1:1) sowie gegen die punktbeste Mannschaft 2018, Rapperswil-Jona (1:1). Auswärts aber nach dem 4:1 in Wohlen ein 0:2 in Wil und ein 0:1 in Chiasso nach unbefriedigenden Leistungen. 29 Teilnehmer übrigens labten sich auf Kosten des Trainers an einer Pizza.

Ambre Nsumbu, ein 20-jähriger Kongolese aus der Romandie, ist der Dienstjüngste unter Bordoli. Mit ihm schloss der FCW wie angekündigt einen Vertrag bis Ende Saison ab, in Aarau fehlt er allerdings noch. Es sind noch Formalitäten zu regeln. Nsumbu, vorher beim FC Biel und in Basels U21, war seit vergangenem Sommer vereinslos. Beim sommerlichen Test in Winterthur verletzte er sich für vier Monate, zuletzt machte er die Vorbereitung beim FCZ mit. Aber der konnte sich schliesslich doch nicht zu einer Verpflichtung entscheiden.

In Aarau hat Bordoli erstmals den nach Thun abgewanderten Robin Huser zu ersetzen – «der zuletzt mit Ousmane Doumbia doch ein gutes Duo im Mittelfeld bildete», wie der Trainer beifügt. Nikola Milosavljevic kann nun erste Wahl sein. Weil Kwadwo Duah gesperrt ist, kehrt Silvio in die Startelf zurück. Im Brügglifeld hatte der FCW von einem 2:1 im November 1967 bis zu einem 2:1 im August 2015 eine verheerende Bilanz, ohne Sieg bis zu jenem Jürgen Seebergers gegen… Bordoli. Zuletzt hat sich das überhaupt gekehrt: Von den letzten fünf Spielen gegen den FCA verlor der FCW keines mehr, in Aarau siegte er nochmals. Bordoli übrigens war seit jenem Donnerstag im August 2015 nicht mehr als Trainer eines Gasts im Brügglifeld.

Erstellt: 30.03.2018, 20:04 Uhr

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