FCW

«Es wären fremde Herren gewesen, ohne Bezug zu Winterthur»

Mike Keller (54) und Tobias Keller (52) führen in der Keller AG für Druckmesstechnik das Lebenswerk ihres Vaters Hannes W. weiter. Jetzt übernehmen sie, mit Mike in der Rolle des Präsidenten, ganz offiziell auch dessen Nachfolge beim FCW.

Hannes W. Keller und seine Söhne Tobias (links) und Mike.

Hannes W. Keller und seine Söhne Tobias (links) und Mike. Bild: PD

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Mike Keller, Tobias Keller, Ende Juni 2015 trat Ihr Vater Hannes W. nach vierzehn Jahren als FCW-Präsident zurück. Jetzt erst fällt die Entscheidung über seine Nachfolge – warum jetzt, nach viereinhalb Jahren?

Mike Keller: Es ist schon so, dass damals ein Raum für Unsicherheiten aufgemacht wurde. Aber wir haben in der Zeit seither rund dreissig Gespräche geführt mit möglichen Investoren, teils vielversprechende. Aber wir haben uns auch immer überlegt: Wollen wir nicht im Verein bleiben? Und aus diesen Diskussionen entstand nun der Entscheid: Wir machen weiter. Zuletzt ist Tobias auf mich zugekommen, und wir haben uns gesagt: Wir sehen das Potenzial, das in diesem Verein steckt, wir können so auch der Stadt etwas zurückgeben, in der unsere Firma steht. Es ist doch auch so: Es wären fremde Herren gewesen ohne Bezug zu Winterthur, und denen wäre es nur ums Geld gegangen.

Haben zuletzt auch Spiele wie gegen St. Gallen, Thun und GC den letzten Ausschlag gegeben?

Tobias Keller: Was für meinen positiven Zuschlag schon auch eine Rolle spielte: Als ich gegen GC auf der Tribüne sass, wurde ich von der Atmosphäre berührt. Unser Vater war vierzehn Jahre Präsident des FCW, ich weiss, was ihm das bedeutete. Er hatte auch immer das Gefühl, der Reichtum sei zu teilen mit weniger Begüterten. Da fühlte ich mit ihm mit – und da ist uns beiden der Entscheid wie Schuppen von den Augen gefallen. Der Vater hat was angefangen. Wir stellen heute mit 450 Mitarbeitenden in Winterthur Produkte her, deren Absatz uns einen soliden Geschäftsgang ermöglicht und so die Grundlage bietet für unser Engagement beim FCW. Wichtig ist uns auch die Freude daran. Und ich sehe eine Mannschaft mit Führungspersönlichkeiten wie Davide Callà und einen Club mit Charakter.

Aber was war die ursprüngliche Absicht, als sich Ihr Vater 2015 zurückzog?

Tobias Keller: Wir wollten uns lösen, aber den Club keinesfalls wie eine heisse Kartoffel fallen lassen. Und wenn dann in den Gesprächen mit Interessenten die Rede auf die Defizitgarantie kam, die zu leisten wäre – also um etwa 4 Millionen Franken für drei Jahre –, dann waren die Gespräche in der Regel vorbei.

Und unter den Interessenten waren eben mehr Ausländer?

Mike Keller: Es waren mehr Ausländer – bis nach Aserbeidschan.

Mike Keller, wie muss man sich Ihren neuen präsidialen Alltag vorstellen? Welchen Einfluss aufs tägliche Vereinsleben gedenken Sie da zu nehmen?

Mike Keller: Ich werde nicht im Mittelpunkt stehen wollen. Der Vater war eher der Autokrat, ich sehe mich eher als Teil eines Teams. Es soll also Teamentscheide geben, eine Demokratisierung. Ich sehe mich eher als Coach.

Aber es wird schon mehr Führung geben…

Mike Keller: Es ist schon so. Wir haben bis anhin eher verwaltet. Wir suchten eben die Nachfolgelösung. Deshalb war ich auch nicht Präsident, jetzt aber gehen wir in den aktiven Gestaltungsmodus.

Mit welchen finanziellen Grössenordnungen darf die operative Führung bei aktuellem Stand der Dinge rechnen? Bleibt es beim zuletzt üblichen Budget in Grössenordnung von 4 Millionen Franken?

Mike Keller: Es ist klar, es wird keinen Ausbau des finanziellen Engagements geben. Ohne zusätzliche Geldgeber bleibt das Budget unverändert.

Tobias Keller: Fakt ist: Ohne Transfereinnahmen ist der Club 1,6 Millionen Franken defizitär. Und aus Erfahrung lässt sich sagen, dass mit rund einer Million Franken von uns zu deckendem Defizit zu rechnen ist.

Als Ihr Vater nach vierzehn Jahren abtrat, sagte er, in all der Zeit rund 15 Millionen Franken in den FCW gesteckt zu haben. Es ist doch aber auch so, dass der Verein seither etwa dank der Transfers von Manuel Akanji nach Basel und weiter nach Dortmund grosse Einnahmen hatte.

Tobias Keller: Man kann sagen, dass wir dank Akanji etwa zwei Jahre eine schwarze Null schreiben konnten. Aber es ist eben auch das Ziel, die finanzielle Basis nachhaltig zu erweitern. Wir können uns auch vorstellen, dass ein Interessent zehn Prozent der Aktien kauft – und dann bei gutem Geschäftsgang auch profitiert. Aber was ich schon auch noch sagen möchte: Es wurde in all den Jahren eben auch zu selbstverständlich, dass die Finanzen aufgehen. Man sagte sich einfach: Der Keller zahlt es ja doch. Und das hat mich doch auch etwas gestört.

Zurück zum täglichen Geschäft: Mit dem langjährigen Geschäftsführer Andreas Mösli und dem Leiter Sport Oliver Kaiser läuft es weiter wie bisher?

Mike Keller: Jawohl, mit den beiden läuft es wie bisher. Hinzu kommt als Vorstandsmitglied und Vizepräsident Roland Gnägi, im Alltag gleichsam als Delegierter des Verwaltungsrats. Er wird Arbeit im Hintergrund leisten, Verwaltungsratssitzungen vorbereiten, er ist mein Stellvertreter. Er hat ja auch einschlägige Erfahrung. Er ist bereit, fünfzig bis sechzig Prozent seiner Zeit für den Club einzusetzen.

Was ist der zeitliche Horizont der künftigen Art des Engagements der Firma, der Familie Keller?

Tobias Keller: Das steht und fällt auch mit dem Erfolg des Geschäfts, also der Keller AG. Und damit, dass die Sache weiterhin «stimmig» ist, wir also Freude haben. Der Horizont ist offen – aber natürlich ist der Ansatz positiv.

Und die sportliche Zielsetzung – zuerst mal in dieser Saison?

Mike Keller: Wir wollen vorne mitspielen…

Und mittelfristig? Will der FCW den Pfad des «Unaufsteigbaren» verlassen? Was kommt Ihnen also zum Thema Super League in den Sinn?

Mike Keller: Wir wollen in den kommenden Jahren die Basis schaffen, dass der Sprung in die Super League realisierbar wäre.

Und was gefällt dem neuen Präsidenten an «seinem» FCW?

Mike Keller: Er ist der Club des Herzens. Er ist seiner Linie treu geblieben, er hat also die Nähe zu den Menschen nicht verloren. Und wir können doch den Club und seine Seele nicht verkaufen an einen Investor ohne emotionale Verbundenheit mit dem Club und der Stadt.

Erstellt: 19.11.2019, 22:41 Uhr

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