FCW

Es war wirklich an der Zeit

Im sechsten Anlauf schaffte es der FCW, die unerfreulichste Null aus der Tabelle zu entfernen. Er siegte in Wil 2:0. Fast eine Halbzeit lang konnte er in Überzahl spielen, erst in der 82. Minute fiel das erlösende 1:0 und das Tabellenende war verlassen.

FCW-Goalie Matthias Minder stoppt hier Wils Sergio Cortelezzi. Er leitete aber auch das 1:0 ein, das Silvio (links) erzielte.

FCW-Goalie Matthias Minder stoppt hier Wils Sergio Cortelezzi. Er leitete aber auch das 1:0 ein, das Silvio (links) erzielte. Bild: Michel Canonica

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Man kanns natürlich eine neckische und für den Fussball typische Pointe nennen, dass Silvio dieses 1:0 erzielte. Denn Silvio ist dieser 32-jährige Stürmer, der gerne ein langfristiges Angebot der Wiler angenommen hätte, dann aber ein Winterthurer blieb, weil dem Verein von der Schützenwiese das Angebot der Herren vom Bergholz viel zu tief war. Und seit Silvio wieder für den FCW stürmt, ist dieser wieder torgefährlich. Mit Silvio (und dem Spanier Jordi Lopez als Abwehrchef) hat der FCW in vier Spielen fünf Punkte geholt. Silvio schoss dazu drei der fünf Tore.Aber es war nicht eine Laune des Fussballgottes, Silvio an diesem Samstagabend auf dem Wiler Kunstrasen herauszuheben. Silvio war einfach der spielentscheidende Mann, weil er der Beste auf dem Platz war. Die erste bedeutende Szene spielte sich ein paar Minuten nach der Pause ab. Silvio erlief sich Mitte der Wiler Platzhälfte einen weiten Auskick des Torhüters Matthias Minder; er setzte sich gegen seinen brasilianischen Landsmann Atila durch. Der war einfach viel zu langsam, wie es auch Marko Muslin war, der deshalb seinem Kollegen nicht zu Hilfe eilen konnte. Nur noch eine Notbremse konnte Atila helfen. Er hatte Glück, dass nicht auch noch Elfmeter gepfiffen wurde, an der Roten Karte gabs keinen Zweifel.

Ängstlich in Überzahl

Das zuvor ausgeglichene Spiel setzte sich dann zwar nicht fort, wie man sich das beim FCW vorgestellt hatte. Die Winterthurer – eine noch immer sieglose Mannschaft eben – hatten nun zwar oft den Ball, aber vor lauter Angst, einen Fehler zu begehen, der sie – als Team in Überzahl eben – blamiert hätte, spielten sie zu langsam, zu vorsichtig. Kaum einmal wurde schnell und direkt gespielt. Es fehlte oft an Bewegung. Keiner traute sich mal ein Dribbling zu, schon gar nicht einen Flügellauf. Man hätte ja scheitern können.

Gewiss, Guillaume Katz schoss mal aus wenigen Metern knapp daneben. Kreso Ljubicic wurde aus bester Position wegen eines Fouls zurückgepfiffen, das keines war. Aber es war auch nicht zu übersehen: Selbst im Unterzahl konnten die kämpferischen Wiler immer wieder Eckbälle treten. Am Schluss waren es acht. Gewiss, überfordert wurde der sichere Minder dadurch nicht. Klare Chancen waren nicht darunter, aber die Gefahr war stets zumindest latent.

Radice – Stettler – Silvio

Sie war es, bis sich Luca Radice am linken Flügel den Ball von Michael Gonçalves schnappte. Seine Flanke wehrte Goalie Noam Baumann unzureichend ab – in die Füsse Nicolas Stettlers. Und dessen Flachpass drosch Silvio aus fünfeinhalb Metern unter die Latte. Die Erlösung war allenthalben gross – auch bei der FCW-Gemeinde gleich hinter jenem Tor. Silvio allerdings verzichtete auf bedeutenderen individuellen Jubel. Aber er hat in diesen Wochen, seit sein «Fall» ad acta gelegt ist, zweifelsfrei bewiesen, ein guter Profi zu sein. Und Vorarbeiter Stettler, der sein bisher ordentlichstes Spiel für den FCW machte, lieferte – nach drei vergebenen klaren Chancen in den ersten fünf Spielen – mit seinem Assist den ersten Beitrag eines Skorerpunkts.

Wirklich zu Ende und vom FCW gewonnen war das Spiel aber erst mit der letzten Aktion: Der eingewechselte Kwadwo Duah nahm an der Mittellinie einen Auswurf Minders auf. Er überlief Gegner Valentino Pugliese und schoss den Ball ins Tor. Silvio und Luka Sliskovic waren gleichsam als Geleitschutz mitgelaufen. Zwei, die er hätte anspielen können, hatte anderthalb Minuten zuvor auch Karim Gazzetta zur Verfügung. Aber er wählte die Variante, selbst abzuschliessen, scheiterte peinlich und wäre der Verlierer des Tages gewesen, hätte der nicht ungefährliche Gegenangriff Wils zum 1:1 geführt.

So weit kan es dann nicht, das 0:2 war die letzte Aktion des Tages. Der Wiler Trainer Konrad Fünfstück rühmte, über die Enttäuschung übers Resultat hinweg, seine Mannschaft, die auch mit zehn Mann «gnadenlos gekämpft» und einen «guten Auftritt gegen eine gute Winterthurer Mannschaft» gezeigt habe. Sie müssten, fügte er bei, allerdings «kaltschnäuziger werden, dass so ein Spiel auch mal auf unsere Seite kippt.» Für seinen Altinternationalen Johan Vonlanthen wars ein gutes Zeichen, wie die Wiler nach der Roten Karte «bis zum Schluss gekämpft» hätten. Anders als zuletzt beim 0:3 in Chiasso, als sie nach dem ersten Gegentor eingebrochen seien.

Minders Offensivleistung

Es ist zu sagen, die Winterthurer hätten diesmal auch jene Spur Glück gehabt, die ihnen in dieser Saison schon mehr als einmal fehlte. Zuletzt bei der Heimniederlage gegen Servette. Es ist auch zu sagen, dass der Sieg wirklich an der Zeit war – gegen einen Gegner, der in der Tat mit zehn Mann generös gekämpft haben mag, aber spielerisch zweifelsfrei zu den schwächeren in dieser Liga gehört.

Ohne Jordi Lopez und Silvio hätte der FCW dieses Spiel mutmasslich genauso verloren wie er jene gegen Wohlen und in Rapperswil verloren hat. Zu erwähnen ist die «Offensiv»-Leistung des Torhüters Minder, denn er lieferte mit seinem starken Auskick die Einleitung zum Notbremsefoul Atilas und mit dem schnellen, weiten und präzisen Auswurf auf Duah ganz offiziell den Assist zum 2:0. Einen passablen Match als «Achter» machte der erstmals in der Liga von Beginn weg (und anstelle Gazzettas) eingesetzte Robin Huser.

Abgefallen oder als besonders fehlerhaft aufgefallen ist keiner – ausgenommen Gazzetta mit seiner schon fast frevelhaften Aktion in der 92. Minute. Und es war nicht nur an der Zeit, dass der FCW endlich mal siegte, es war auch an der Zeit, dass er wieder mal ohne Gegentor blieb. Es war das erste Mal in dieser Saison, denn er war ja nicht mal den Cupmatch in Gambarogno ohne überstanden. Es war überhaupt erst das zweite Mal in immerhin 22 Ligaspielen unter Romano, dass der FCW beim Schlusspfiff die Null an Gegentreffern noch stehen hatte. Das bisher einizige Mal hatten die Winterthurer am 17. Mai geschafft, als sie in ... Wil siegten. Und zwar 1:0.

Das Ganze sah Gianluca Frontino von der Tribüne aus – neben Leandro Di Gregorio. Der aus disziplinarischen Gründen dorthin versetzte Schaffhauser durfte erkennen, dass es auch ohne ihn geht. Allein, seine spielerischen Kapazitäten bleiben für den FCW ein eigentlich unverzichtbarer Wert. Mit etwas Schussglück Frontinos hätte er ja Servette geschlagen. Umberto Romano war an diesem Abend im Bergholz einfach mal erleichtert – wie alle andern vom FCW auch.

Erstellt: 27.08.2017, 22:13 Uhr

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