Favres Schicksal heisst Klopp

«Echte Liebe», ein neues Buch von Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Es ist auch die Geschichte einer Männerfreundschaft.

Bei der Präsentation von Watzkes Buch wurde Jürgen Klopp gefeiert.

Bei der Präsentation von Watzkes Buch wurde Jürgen Klopp gefeiert.

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Das Buch heisst «Echte Liebe» und wurde von einem Journalisten der FAZ und Hans-Joachim Watzke geschrieben, dem Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Es ist ein Buch über Watzkes Leben mit dem BVB, seinem Club, der ihm und dem er so viel verdankt. Ein breites Thema darin: Watzke und Jürgen Klopp, der Trainer, die Geschichte dieser Männerfreundschaft.

Ich lese auf Seite 147, Watzke schreibt: «Klopp kommt in einen Raum, und der Raum ist voll. Er schafft das überall, weil er eine hohe Suggestivkraft hat, eine physische Präsenz.»

Ich sehe Watzke am TV auf den Tribünen in den Stadien sitzend. Er scheint besorgt, wirkt angespannt. Ich sehe Lucien Favre auf der Trainerbank: Er kritzelt immer wieder etwas auf einen Zettel, vielleicht, wie ein Spieler besser einen Meter weiter links zu stehen hat.

Ich lese, wie Watzke von der Leidenschaft schwärmt, die Klopp zeigt, er sei ein Ereignis und die ganze Familie Watzke grosse Klopp-Fans.

Ich sehe Favre bei den Interviews, sein sanftes Lächeln und seine weiche Stimme, er hat immer etwas Scheues, manchmal Verlegenes, obschon er 61 ist, etwas Bubenhaftes.

Ich lese, wie Watzke im Frühjahr 2018 versucht hat, Klopp aus Liverpool zurückzuholen, obschon er wusste, dass dies nicht möglich ist. «Ich hätte, wenn ich es nicht versucht hätte, mir das nie verziehen», schreibt Watzke. Er rief dann Favre an.

Im Namenregister des Buches steht, dass von Klopp auf 69, von Favre auf 12 Seiten die Rede ist. Es ist nicht nur ein Watzke-Buch, es ist auch ein Klopp-Buch.

Ich habe gehört, dass am Ende der vergangenen Saison, als Dortmund einmal neun Punkte Vorsprung auf die Bayern hatte und doch nicht Meister wurde, die Trennung von Favre schon fast beschlossen war. Er durfte bleiben, Dortmund investierte, Watzke sagte, jetzt wollten sie Meister werden, auch Favre sagte zögerlich: «Ja, ja, man kann viel erzählen, aber es wird, sehr, sehr, sehr schwer.»

Ich denke, was denkt Lucien Favre, als er davon hört, wie Jürgen Klopp kürzlich zur Vorstellung des Buches einige Stunden in Dortmund war und die 400 Zuhörer an seinen Lippen hingen und ihn mit Sprechchören feierten, ganz verklärt und hingerissen von seiner Aura?

«So einen Trainer werden wir nie mehr haben», sagt Watzke. Die Liebe sei mächtiger als das Schicksal, sagte einer einmal.

Auch Favres Schicksal ist, dass Klopp vor ihm in Dortmund war.

Erstellt: 28.10.2019, 18:56 Uhr

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