Fussball

Nach einem Gegentor von der Rolle

Die kleine positive Serie des FCW ist schon wieder zu Ende. Er verlor gegen den FC Aarau nach ausgeglichener erster Halbzeit 0:2. Danach ist nur noch Platz 5 realistisches Ziel.

Der FCW hatte keine Chance gegen den FC Aarau.

Der FCW hatte keine Chance gegen den FC Aarau. Bild: Heinz Diener

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Drei Wochen nach dem 0:3 auf dem Brügglifeld verlor der FCW auch auf der Schützenwiese gegen den FC Aarau. In mancher Beziehung wars dasselbe Spiel, anders als zuletzt in Schaffhausen (2:2 nach 0:2) oder gegen den FC Le Mont (2:1 nach 0:1): Nach einer ausgeglichenen, an Strafraumszenen sehr armen und entsprechend torlosen ersten Halbzeit kassierten die Winterthurer nach rund einer Stunde das 0:1 – und fortan war der Gegner überzeugender, spielte er sich einen Sieg heraus, über den nicht gross zu diskutieren war. Gewiss, damals auf dem Brügglifeld hatte der FCW keine Chance zum 1:0 wie diesmal gleich nach der Pause durch Patrick Bengondo nach Vorarbeit Marco Mangolds. Und er hatte damals auch nicht die Möglichkeiten, wieder ins Spiel zu kommen, wie diesmal, als zuerst Bengondo einen Ball Tunahan Ciceks, den Torhüter Steven Deana nicht hatte festhalten können, nicht verwerten konnte. Oder als Stefano Milan aus idealer Position das Tor ganz knapp verfehlte. Aber grundsätzlich war es wieder so, dass Aarau nach dem 1:0 die bessere Mannschaft war. Zweimal traf Ridge Mobulu eine Torstange, ehe das zweite Tor fiel. Hätte der FCW seine grosse Chance zur Führung genutzt, hätte er wahrscheinlich nicht verloren. Hätte er eine seiner zwei, drei Möglichkeiten zum Ausgleich genutzt, hätte er wohl auch nicht verloren. Aber über die 90 Minuten gesehen, war der FC Aarau solider, stabiler – eine Mannschaft eben, die sich nicht umsonst zu einer Serie von mittlerweile 15 Ligaspielen ohne Niederlage gefunden hat. Die also Platz 2 hinter Lausanne angreifen kann, während dem FCW bestenfalls Platz 5 bleibt. Jener Rang, den die Spieler brauchen, um wenigstens die Hälfte ihrer Frühjahrsprämien zu erhalten. Das massgebliche Duell Matchentscheidend war schliesslich das Duell zwischen Ridge Mobulu und dem jungen Winterthurer Rechtsverteidiger Jan Elvedi. Kaum hatte dessen Zwillingsbruder Nico als rechter Innenverteidiger in einer Dreierkette Borussia Mönchengladbachs die Münchner Arena mit einem 1:1 gegen den FC Bayern verlassen, liess Jan den 25-jährigen Kongolesen Ridge Mobulu die entscheidenden Lücken in die FCW-Abwehr reissen. Schon in der ersten Halbzeit hatte Elvedi zwei-, dreimal nicht eben vorteilhaft ausgesehen; in der 60. Minute konnte er den schnellen Gegenspieler in einem längeren Duell nicht daran hindern, eine präzise Flanke zur Mitte zu schlagen. Und dort war Zoran Josipovic bereit, das 1:0 zu schiessen. Es folgte eine halbe Stunde, in der Mobulu Elvedi wiederholt ausspielte; mal traf der Aarauer mit dem Kopf die Latte, mal mit dem Fuss den Pfosten. Der FCW hatte also nach dem ersten Gegentor nicht mehr die für ein gedeihliches Wirken erforderliche Stabilität. Er strebte zwar durch Wechsel – wie von Mangold zu Gianluca D'Angelo – nach mehr offensivem Wirken. Das glückte teils, aber die Stabilität war nicht mehr gegeben, zumal die Offensive nicht die massgebliche Hilfe leistete, ein Tor zu erzielen. Das lag nicht zuletzt daran, dass Bengondo einen – wohlwollend gesagt – unglücklichen Tag einzog. Oder dass Christian Fassnacht zu wenige Momente der Durchsetzungsfähigkeit hatte. Und dass kein Plus war, Cicek auszuwechseln, der auf dem in der zweiten Halbzeit regennassen Platz mit seinen Schüssen torgefährlich sein konnte. Der Patzer des Captains Entschieden war dann der Match mit dem 2:0, das der Holländer Mart Lieder in der 87. Minute schiessen durfte. Es war ein «klassisches» Tor: Ballverlust in der Vorwärtsbewegung einer Mannschaft, die den Ausgleich anstrebte, schnelles Umschalten und guter Abschluss des Gegners. Der Ballverlust unterlief, Mitte der eigenen Platzhälfte, dem FCW-Captain Patrik Schuler; Salvatore Romano lieferte den Assist für Lieder. Es patzte schliesslich also auch noch Schuler, der bis dahin – zusammen mit Sead Hajrovic – solidester Pfeiler des FCW gewesen war. Aber in der Angriffsauslösung hat Schuler halt seine Mängel. Trainer Sven Christ sprach hinterher von einer «ersten Halbzeit, in der wir das Spiel im Griff hatten.» Allerdings seien sie «zu wenig in der gefährlichen Zone» aufgetaucht. «In der zweiten Halbzeit hatten wir unsere Chance zum 1:0,» dann sei das 0:1 gefallen – und die Fortsetzung sei durchaus als «Lehrstück» zu sehen gewesen. Die Mannschaft war nicht fähig, offensiv zu reagieren, ohne defensiv allzu grosse Lücken zu bieten. Das lag natürlich auch an individuellen Mängeln wie jenen Elvedis, die Christ zum Hinweis veranlassten, «dass wir zurzeit doch einige Absenzen haben.» Jene von Aussenverteidigern, aber auch des routinierten Angreifers João Paiva oder von Musa Araz. Die Aarauer «Sorgen» Ein «Lehrstück» war das Spiel schliesslich auch als zusätzliche Hilfe für die Zukunftsplanung. «Wir brauchen Leader», hat Wolfgang Vöge ja gesagt. Die Mannschaft muss mehr Persönlichkeit haben, vor allem in Mittelfeld und Offensive. Immerhin, es gab auch positive Bestätigungen wie den Linksverteidiger Gianluca Calbucci. Der spielte in seinem dritten Match wieder gut. Auch er wurde zwar mal, von Romano, gefährlich düpiert, aber er zeigte sich darob unbeeindruckt. Ordentlich spielte erneut Stefano Milani, allerdings – gegen einen stärkeren Gegner – nicht ganz so gut wie vorher in Wohlen. Thema das Tages bei den Aarauern schien weniger zu sein, was sich auf dem Platz abspielte, als einer ihrer Fussballer, der wegen einer Sperre auf der Tribüne sass: Verteidiger Igor Nganga wird den FC Aarau wohl verlassen und einem Angebot des FC Wil folgen, dotiert mit – wie es heisst – einem Monatssalär von 20 000 Franken. Mit 15 Ligaspielen in Folge ohne Niederlage sind die Aarauer zwar dabei, die Basis zu legen für eine Mannschaft, die in der kommenden Saison ein Aufstiegsaspirant sein kann. Allein, dann werden sie es mit den neureichen Wilern zu tun bekommen – und mutmasslich eben Nganga. Aber die Aarauer sind zurzeit – wie der FCW – interessiert an Kreso Ljubicic, bisher Captain des FC Biel. Und in diesem Fall müssen die Winterthurer feststellen, der FC Aarau könne dem in Deutschland aufgewachsenen Kroaten eben ein «Super-League-Angebot» machen.

Erstellt: 01.05.2016, 17:04 Uhr

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