Challenge League

FCW rutscht und rutscht – bis auf Platz 10

Der FCW rutscht immer weiter ab. Er verlor auch sein zweites Spiel gegen den FC Wohlen. Und am Tag nach diesem sicher vermeidbaren 2:3 war er am Tabellenende angelangt. Zuletzt so schlecht gestartet ist er 1986.

Kreso Ljubicic hätte den FCW auf 2:3 heranbringen können, scheiterte aber mit seinem Foulpenalty.

Kreso Ljubicic hätte den FCW auf 2:3 heranbringen können, scheiterte aber mit seinem Foulpenalty.

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Dieser Match, der ein klassischer Abstiegskampf gewesen wäre, hätte er im Frühjahr stattgefunden, legte wieder mal so ziemlich alle Probleme offen, die den FCW in den ersten Wochen und Monaten zu einem Sorgenkind machen: Er geriet, weil er anfangs wieder mal zu wenig «bereit» war, wies der Jargon sagt, früh in Rückstand. Er reagierte darauf sehr wohl kämpferisch, teilweise auch mit spielerisch ordentlichen Aktionen. Aber er war im gegnerischen Strafraum einfach zu wenig durchschlagskräftig, er vergab zum zweiten Mal binnen zehn Tagen selbst einen Elfmeter. Und schliesslich kassierte er noch zwei weitere Tore, was mindestens eines zu viel war. Die Winterthurer hatten in Schaffhausen einen Match – nach einem verschossenen Penalty notabene – verloren, den zu verlieren in Anbetracht des Verlaufs ziemlich schwierig bis unmöglich war. Er hatte gegen Neuchâtel Xamax in zweitletzter Minute noch verloren, als ein Punkt schon fast gewonnen schien. Aber das waren, zumindest gemäss Tabelle, die beiden Spitzenklubs; verlieren war mitten im Bereich der Vorstellungen. Aber nun dieses Spiel in Wohlen, gegen eine Mannschaft, die nun wirklich nicht zu den Grössen der Liga zählt, die zwar gut kämpfte, einen starken Start hinlegte, aber danach so wenig zeigte, dass einen eigentlich ausgeschlossen dünkte, gegen sie zu verlieren.

Nur die falschen Statistiken …

Aber genau das hat der FCW geschafft. Es sprachen, nicht zum ersten Mal, so gut wie alle Statistiken für ihn, aber das war nicht relevant. Weder der Ballbesitz (im Verhältnis von 2:1), die Schüsse Richtung Tor (18:10) oder gar aufs Tor (7:4); die Eckbälle sowieso (9:4). Gegen die Winterthurer sprach nur eine Zahl, dummerweise die einzige, die im Fussball wirklich zählt: 2:3 Tore!

Als man, eben gegen Schaffhausen und Xamax, den spielerischen Wert noch hervorheben konnte, so war in der Direktbegegnung zweier schwach klassierter Teams das Resultat absolut vordringlich. Der FCW aber spielte nicht entsprechend, obwohl ihm kämpferisch «kein Vorwurf» zu machen ist, wie es Trainer Umberto Romano formulierte. «Nur die ersten zehn Minuten und dann wieder die ersten fünf nach der Pause waren nicht gut, aber eben …» Er und seine Mannschaft sind zurzeit eine Sportgemeinschaft ohne Fortune, allerdings auch ohne Cleverness und Effizienz. Teilweise auch ohne ausreichende Klasse. Deshalb ist der FCW so schlecht in eine Meisterschaft gestartet wie nie mehr seit 1986, als die Challenge League noch ganz traditionell Nationalliga B hiess. Damals hatte er nach zehn Spielen (mit Zweipunkteregel) nur drei Pünktchen auf dem Konto, Trainer Hans Kodric musste gehen. Für ihn kam Ernst Rutschmann, der den Verein dann nach hartem Kampf oben hielt – und dennoch durch Otto Luttrop ersetzt wurde …

Silvio – die letzte Hoffnung?

So weit ist es mit Romano nicht, sein Kredit ist nicht aufgebraucht. Aber Niederlagen wie diese zwei gegen den FC Wohlen, vor dem 2:3 auf Niedermatten das nicht minder schmerzliche 1:3 im Startspiel auf der Schützenwiese, sind natürlich höchst bedenklich. Es sind Resultate, wie sie die Statistik von Abstiegskandidaten, wenn nicht kommenden Absteigern prägen. Wer die Mannschaft an diesem Regentag im Freiamt sah, wie sie kämpfte, aber doch nicht reüssierte¸ wie sie «dumme» Gegentore kassierte und viel zu viel Aufwand treiben musste, der hat für den Moment fast nur eine Hoffnung auf schnelle Besserung: Dass in zwei Wochen, wenn es daheim gegen den FC Rapperswil-Jona geht, Silvio zurück ist. Zuerst zwei Spiele ohne Silvio, der nach Wil gehen wollte, zuletzt drei, in denen er gesperrt war, das verdaut die Mannschaft offensichtlich nicht. Egal, ob sie nun mit einer Dreierabwehr spielt oder, wie zuletzt dreimal, mit einer Viererkette. Die Zahlen dazu: sechs Punkte aus fünfeinhalb Spielen mit, null Punkte aus vier Spielen ohne ihn!

In Wohlen stellte Romano auf wie erwartet: Die Abwehr blieb unverändert; als «Achter» kehrte Captain Luca Radice zurück; als Linksaussen stand Neuerwerbung Veljko Simic erstmals in der Startelf. Das war nachvollziehbar, auch wenn Simic noch deutlich vom Status einer Verstärkung entfernt war. Nicht gerade Glück hatte Romano, anders als noch in den ersten Wochen seines Wirkens, mit seinen Einwechslungen, mit Kwadwo Duah, vor allem aber Luka Sliskovic, die nach einer Stunde erschienen. Der eine für Manuel Sutter, der Sekunden vorher den Elfmeter zum 2:1 verwertet hatte. Gewiss, Sutter war bis dahin wieder mal nicht sonderlich durchschlagskräftig gewesen, aber er hatte sich in einer schwierigen Situation bewährt. «Wenn es morgen einen Penalty gibt, greif ich mir den Ball und hau ihn rein,» hatte er am Freitag nach dem Training gesagt – in Erinnerung an den so folgenschwer von Silvio verschossenen Elfmeter in Schaffhausen.

Auch Ljubicic trifft nicht

Als es also nach einer Stunde und Sutters Elfmeter nur noch 1:2 stand und der FCW den Match doch seit der 20. Minute klar beherrschte, waren die Aussichten wieder besser – trotz der beiden Weitschusstore, welche die Wohler auf den Weg zum Sieg geführt hatte. Der erste war, nach gut zehn Minuten, ein fulminanter 28-m-Ball, wie ihn in dieser Liga wohl nur Wohlens Captain Alain Schultz fertigbringt. Das 2:0 fiel kurz nach der Pause, als Schultz‘ Freistoss aus 30 Metern am Winterthurer Jordi Lopez abprallte, aber auf den Fuss des serbischen Innenverteidigers Alex Cvetkovic. Und der traf aus 18 Metern genau in die tiefe linke Ecke. Es war in seinem fünften Match sein erstes Tor für die Freiämter.

Nach ihrem ersten Tor hatten fast nur noch Winterthurer den Ball, die Wohler hatten ein auch nur halbwegs konstruktives Spiel längst eingestellt. Und doch schossen sie noch ein drittes Tor: Nicolas Stettler passte zurück zu Torhüter Matthias Minder. Der schlug den Ball weg und traf den Fuss des Gegners Kilian Pagliuca, der sich vor ihm aufgebaut hatte. Im leeren Tor landete dieser Abpraller. Aber selbst damit war der Match noch nicht verloren, denn in der 86. Minute konnte der FCW nochmals einen Foulelfmeter antreten. Aber Ljubicic, nun wirklich kein typischer (Penalty-)Schütze, scheiterte an Flamur Tahiraj, der in die selbe Ecke flog, in der er vorher den Ball Sutters schon fast erreicht hätte. Definitiv zu spät kam dann, tief in der Nachspielzeit, das Kopftor Tobias Schättins zum 2:3.

Lopez‘ schwacher Tag

Aber ein bisschen unterstrich das doch, dass Schättin an diesem Tag einer der besten Winterthurer war, neben Ljubicic, der einen zweiten starken Match in Folge machte, und Radice. Andere waren in Ordnung, wieder anderen unterliefen doch zu viele Patzer, wie Minder beim dritten Gegentor oder Dennis Markaj vor dem Freistoss zum 0:2. Das galt für einmal aber vor allem für Jordi Lopez, der zu viele Fehlpässe spielte, als es darum ging, gegen die Wohler Mauer anzuspielen. Er stand – zusammen mit Simic – auch am Ursprung des 1:0. Es war eindeutig Lopez‘ schwächster Match bisher.

Überdies krankte das Spiel des FCW ohne Silvio an der mangelnden Durchschlagskraft am und im gegnerischen Strafraum. Es war kein guter Weitschuss zu sehen, auch nicht von Dario Ulrich, der dazu doch am befähigtsten wäre und gleich nach dem 2:0 die erste klare Chance vergab. «Offensiv brachten wir einfach zu wenig,» urteilte auch Romano. Aber wie alle andern hatte er vor allem Mal Mühe zu verstehen, was ihm und seiner Mannschaft da widerfahren war. Nämlich ein Spiel zu verlieren, das man nicht verlieren «konnte». Eigentlich wenigstens. (Der Landbote)

Erstellt: 01.10.2017, 19:33 Uhr

Kofi Schulz' Unterschrift

Am Tag nach dem Absturz ans Tabellenende beschloss der FCW die Transferzeit mit der Unterschrift des Deutschen Kofi Schulz (27) vom FC St. Gallen. Das ist ein dunkelhäutiger, sehr athletischer Mann von 1,88 m Grösse. Er ist ein Linksfuss, also einer für die linke Flanke. Er löste seinen Vertrag mit dem FCSG auf und unterschrieb dann bis Ende Saison beim FCW.

Er ist Berliner. Am längsten spielte er beim KFC Uerdingen 05 in der Regionalliga. In der Schweiz ist er seit 2015. Für den FC Biel machte er – mit Kreso Ljubicic und bis zum Konkurs – 24 Ligaspiele, für St. Gallen 2016/17 20 Matches in der Super League und zwei im Cup. Zuletzt berücksichtigte ihn Giorgio Contini nicht mehr. Wenn überhaupt, spielte er in der U21. Sein erstes Spiel für den FCW: am Freitag bei Austria Lustenau.

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