Challenge League

FCW: So geht’s direkt ins Niemandsland

Ein Kontertor in der 90. Minute kostete den FCW im Derby in Schaffhausen auch noch den Punkt für ein 0:0, der sein Minimalziel gewesen wäre. Der Schütze: Danilo Del Toro, einst U21-Spieler auf der Schützenwiese.

Jubelnde Schaffhauser hier, konsternierte Winterthurer da: Das 1:0 fiel in der 90. Minute.

Jubelnde Schaffhauser hier, konsternierte Winterthurer da: Das 1:0 fiel in der 90. Minute. Bild: Heinz Diener

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Nach drei Runden im Frühjahr 2020 ist das die Bilanz des FCW: ein 0:0 in Kriens, ein 3:2 daheim gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Chiasso, ein 0:1 beim Zweitletzten Schaffhausen, bis an diesem Samstag schwächste Heimmannschaft der Liga. Vier Punkte aus drei Spielen gegen bestenfalls mittelmässige Gegner zeigen: Der FCW ist zurzeit nicht mehr als biederes Mittelmass in dieser Challenge League. Das ist enttäuschend. Es ist auch eindeutig weniger, als die Mannschaft während langen Phasen der Herbstrunde, eigentlich bis zu den zwei Niederlagen gegen Stade Lausanne-Ouchy im Dezember, versprochen hatte.

Nur Halbchancen, kein Tor

«Uns gelingt es einfach nicht, vorne anzudocken», beschrieb Leiter Sport Oliver Kaiser, was nach dem entscheidenden Gegentor der Schaffhauser in fast letzter Sekunde allgemeines Empfinden war. Bis auf drei Punkte wäre der FCW mit einem Sieg im Herblingertal an den kriselnden (Noch-)Tabellenzweiten GC herangerückt. Aber er schaffte es nicht einmal, wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Er schaffte es nicht, die Fortschritte, die er eine Woche zuvor gegen Chiasso gezeigt hatte, weiter zu entwickeln oder auch nur zu bestätigen. Damals hatte der FCW mit seiner Körpersprache und läuferisch überzeugt, zupackend angegriffen – diesmal bot er eine unzureichende erste Halbzeit. «Da war Schaffhausen klar präsenter», gestand Trainer Ralf Loose. Dazu gehörte, dass FCS-Skorer Helios Sessolo kurz vor der Pause zwei klare Chancen erhielt. Mal scheiterte er mit dem Kopf an Raphael Spiegel, mal mit dem Fuss, nachdem ihm der Winterthurer Goalie die Gelegenheit mit einem schlecht abgewehrten Weitschuss Gjelbrim Taipis selbst offeriert hatte. Es war neben einem Verwarnungsfoul Taipis nennenswerteste Szene bei seinem Comeback in Schaffhausen – zwei Wochen nach seinem Abgang in Winterthur.

Nach der Pause hatte der FCW die Dinge zwar weitgehend im Griff, ähnlich wie im letzten Kunstrasenspiel in Kriens, als er sich nach der Pause so verbessert war, dass er das 0:0 hielt und ein Sieg gar möglich wurde. Doch diesmal blieb es «bei der einen oder andern Halbchance», wie Loose urteilte. Die beste, die schon ein bisschen mehr war, hatte Julian Roth nach 50 Minuten. Seinen mässigen Kopfball aus fünf Metern konnte Amir Saipi aber abwehren. Insgesamt war der FCW auch in seiner besseren Zeit offensiv eindeutig zu wenig zwingend.

Der kleine Del Toro enteilt

Also lief das Spiel auf ein torloses Ende hinaus, was auch Schaffhausens Trainer Murat nicht zu stören schien. Er wechselte eher defensiv. Loose wiederum brachte etwa Nuno Da Silva anstelle Davide Callàs für die Offensive. Da Silvas Bemühen war, eher das 1:0 zu suchen als das 0:0 zu halten. Und ihm unterlief dann nach einer Standardsituation vor dem gegnerischen Tor jener Ballverlust, der den Schaffhausern den entscheidenden Konter erlaubte. Aly Coulibaly und Zé Turbo, beide ebenfalls erst kurz auf dem Feld, spielten Danilo Del Toro frei. Der entwischte zwischen Granit Lekaj und Mario Bühler, den beiden starken Innenverteidigern, und hob den Ball über Spiegel hinweg. Bis im Mai 2016 hat der 1,65 m kleine Del Toro für die U21 des FCW gespielt, in seinem letzten Match – gegen Kosova – trug er nochmals ein Tor zu einem Sieg bei. Tobias Schättin und Julian Roth waren seine Teamkollegen. Dann ging er als 19-Jähriger nach Schaffhausen. Dort wird er bald sein 100. Pflichtspiel fürs «Eins» machen, nun hat er auch gegen den FCW ein erstes Mal getroffen.

Wenn sein Team, sagte Loose danach, «schon kein Tor schiesst, dann müssen wir wenigstens lernen, einen Punkt mitzunehmen.» Auch das glückte nicht. Also verlor Loose – im zehnten Anlauf mit St. Gallen und dem FCW – erstmals ein Spiel gegen den FCS. Yakins Schaffhauser aber haben nun zehn Punkte Distanz zum Tabellenletzten Chiasso, das ist fürs Erste beruhigend. Der FCW liegt seit gestern zwar «erst» sieben Punkte hinter dem neuen Zweiten aus Vaduz, und das lange 15 Runden vor Schluss. Aber der aktuelle Eindruck ist ein anderer. Der besagt: Machen die Winterthurer so weiter im Mittelmass, sind sie auf direktem Weg ins Niemandsland. Das sie dann nur noch mit einem Sieg im Cup-Viertelfinal gegen Bavois wenigstens temporär verlassen könnten.

Überraschung mit Doumbia

Für die Niederlage in Schaffhausen gibt es diverse Gründe, die einen eher gültig für den Tag, andere grundsätzlich. Für den Tag gilt: Einige konnten ihre gute Leistung, ihren Schritt nach vorne, gegen Chiasso nicht bestätigen, die beiden Rückkehrer Remo Arnold und Roberto Alves beispielsweise. «Man muss auch sehen», sagt Loose über Arnold, «dass er Zeit braucht, nachdem er so lange nicht spielte.» Es ging aber auch Looses überraschende Personalwahl nicht wirklich auf. Er hatte Ousmane Doumbia wie erwartet gleich nach dessen Transfer-Zwischenspiel wieder in die Startelf genommen, aber nicht als «Sechser», sondern als … Rechtsverteidiger. «Ich wollte damit auch etwas mehr offensive Wirkung erreichen», begründete der Trainer. Natürlich genügte Doumbia auch als Aussenverteidiger, obwohl er ja bei Servette und in seinen ersten 75 Spielen mit dem FCW zentraler Mittelfeldspieler oder auch nur ein paarmal Innenverteidiger war. Aber der Nutzen, den «Doumbi» als Verteidiger brachte, war kleiner als die Lücke, die seine Absenz im Zentrum hinterliess. Denn das Duo Arnold/Roth ist keine ideale Besetzung; sie sind sich zu ähnlich, es fehlen Schnelligkeit und – vor allem – speditive Angriffsauslösung Doumbias. Beide sind auch beide keine Kunstrasenspieler. Schwächen auf dem Plastik liess der FCW auch diesmal geraume Zeit erkennen.

Wieder Frühlingsschwächen?

Das Manko im Zentrum lässt sich schon am kommenden Sonntag mit einer Umbesetzung beheben. Grundsätzlicher aber ist die Offensivschwäche mit nur 1,1 Toren pro Spiel – und das eben mit nominell ausreichend vielen guten Angreifern. Aber von denen hat Altmeister Callà erhebliche Mühe, in diesem Frühjahr in die Gänge zu kommen. Er ist zurzeit auf dem Platz nicht der Leader, den der FCW auch dort – und nicht nur in der Kabine – bräuchte. Es spielt zurzeit, trotz seiner ordentlichen Zahlen, auch der Topskorer Luka Sliskovic nicht gut. Und wenn dann auch noch Roberto Alves und, wie diesmal, Roman Buess nicht viel beitragen, dann bleibt die Null stehen. Logischerweise.

Grundsätzlich ist aber auch – zum wiederholten Mal – die Feststellung, der FCW sei auch mental und einstellungsmässig nicht fähig, auf Dauer oben mitzuhalten. Auf Dauer mehr Aggressivität, mehr Kampfkraft müsste er schon zeigen – so «eklig» spielen, wie es beispielsweise Kriens ziemlich konstant hinbringt. Sonst müssen sich sehr bald auch die Optimisten im Verein aus dem Kopf schlagen, selbst für einen breiter angelegten Kampf um den Barrageplatz gut genug zu sein. Dem Publikum drohen ein weiteres Mal Frühlingsschwächen statt ein interessantes Meisterschafts-Frühjahr.

Erstellt: 09.02.2020, 19:59 Uhr

Pepsi – ein Neuer für den FCW?

Nach dem Abgang Gjelbrim Taipis nach Schaffhausen plant der FCW, sein Kader um einen neuen zentralen Mittelfeldspieler zu ergänzen. Gezim Pepsi (im Juli 22), ehedem Junioren-Nationalspieler Albaniens und der Schweiz, zuletzt in der U21 des Kosovo, soll schon morgen Dienstag erstmals auf der Schützenwiese trainieren. Mit einem Vertrag bis Ende Sommer, mit Option auf ein weiteres Jahr.

Pepsi spielte in den vergangenen anderthalb Jahren als Leihgabe des FC Basel in Aarau. Dort brachte er es in dieser Zeit auf gegen 30 Einsätze. Aber es gab auch Probleme, die auch mal in einer internen Suspendierung gipfelten. Im Januar nun hat er sich aus Aarau verabschiedet, wohl mit seiner Einsatzzeit nicht zufrieden. In Winterthur will er nun einen neuen Anlauf nehmen, hoffentlich durch Erfahrungen geläutert. (hjs)

Challenge League

FC Schaffhausen – FC Winterthur 1:0 (0:0)

Park. – 1800 Zuschauer. – SR Kanagasingam. – Tor: 90. Del Toro 1:0. – Schaffhausen: Saipi; Qollaku, Kaiser, Mujcic, Belometti (56. Menezes); Lika (68. Müller), Bunjaku; Taipi (81. Coulibaly); Barry (74. Zé Turbo), Sessolo, Del Toro. – FCW: Spiegel; Doumbia, Bühler, Lekaj, Schättin; Arnold (91. Hamdiu), Roth; Callà (81. Nuno Da Silva), Roberto Alves, Sliskovic (90. Mahamid); Buess. – Bemerkungen: Schaffhausen ohne Krasniqi, Vitija, Bislimi (verletzt), Mevlja, Tranquilli, Missi Mezu, Bajrami, Imeri (nicht im Aufgebot) und Nikci (nicht mehr im Kader); Menezes nach seiner Einwechslung Rechts-, Qollaku Links-Verteidiger. – FCW ohne Liechti (krank gemeldet), Bdarney, Radice (nicht im Aufgebot), Isik und Costinha (verletzt). – Verwarnungen (alle wegen Fouls): 32. Bunjaku. 33. Roberto Alves. 41. Taipi, 54. Mujcic.

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