Frauensport

Fussballerinnen gleiche Chancen geben

Noch haben Mädchen nicht überall dieselben Möglichkeiten, Fussball zu spielen, wie Knaben. Eine Frauenfussball-Kommission in der Region Winterthur/Schaffhausen will das ändern.

Der FC Winterthur ist ein Aushängeschild für den Frauenfussball in der Region. Aber es braucht Basisarbeit.

Der FC Winterthur ist ein Aushängeschild für den Frauenfussball in der Region. Aber es braucht Basisarbeit. Bild: Urs Kindhauser

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Am Dienstag tritt die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft auf der Schützenwiese zu einem Testspiel gegen die Slowakei an. Ein Frauen-Länderspiel hat es in Winterthur noch nie gegeben. Aber die Premiere passt ganz gut ins Bild. Denn in der Region Winterthur und Schaffhausen wird seit letztem Jahr schweizweite Pionierarbeit geleistet, was die Förderung von Mädchenfussball betrifft. Seit August 2018 gibt es die «Sportkommission zur Förderung des Frauenfussballs Winterthur/Schaffhausen. Das Präsidium der Kommission teilen sich Jeanine Okle vom FC Phönix Seen und Carmen Keller vom FC Wiesendangen.

Alle Clubs involviert

«Es ist nicht so, dass im Frauenfussball in der Region bisher nichts passiert ist», erklärt Okle. «Aber die meisten Clubs haben es auf eigene Faust probiert. Neu ist die Erkenntnis, dass es alleine nicht funktioniert. Es braucht alle gemeinsam.» Und tatsächlich: Mittlerweile sind alle Teams aus der Region an den Kommissionssitzungen vertreten, von Neunkirch über Rafzerfeld und Winterthur bis Effretikon. In der Kommission Einsitz hat auch Adrienne Krysl, die Trainerin der FCW-Frauen, die in der 1. Liga spielen. Sie erklärt, was das Fernziel ist: «Bisher läuft es so, dass talentierte Spielerinnen zu GC oder zum FCZ gehen müssen, wenn sie optimal gefördert werden sollen. Wir wollen erreichen, dass das direkt in unserer Region möglich ist.»

An der Basis arbeiten

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Vorerst will die Sportkommission deshalb Basisarbeit leisten. Das heisst: «Es sollen alle Mädchen Fussball spielen können, die das wollen. Es soll keine Hindernisse geben», fordert Co-Präsidentin Keller. «Sobald das der Fall ist, haben wir auch die nötigen Ressourcen, um die Talente zu fördern.»

Was simpel tönt und eine Selbstverständlichkeit sein müsste, ist offenbar nicht immer der Fall. Keller erklärt es an einem Beispiel: «In vielen Clubs gibt es bei den Juniorenteams für die Jüngsten Wartelisten. Auf dieser Stufe gibt es noch keine Juniorinnen-Teams. Also wird den nachfragenden Eltern von Mädchen oft gesagt: ‹Kommt in ein paar Jahren wieder.›» Meist stecke da keine böse Absicht dahinter, aber: «Wir wollen aber, dass Mädchen und Knaben gleich behandelt werden», so Keller. «Wichtig wäre, dass auf die vorhandenen Angebote hingewiesen wird.» Beispielsweise gebe es in Oberwinterthur noch keine Juniorinnen. «Aber nach Wiesendangen ist es von Oberi nicht weit.» Das müsse man bekannt machen.

Ein zweites Projekt ist die Schaffung von Angeboten für Mädchen im Schulsport. Da haben die engagierten Frauenförderinnen allerdings bereits etwas Lehrgeld zahlen müssen. Für die Frühjahrsferien hatten sie einen Fussballkurs für Mädchen im Angebot. Gemeldet haben sich aber nur vier Mädchen. Acht hätte es für das Zustandekommen gebraucht. «Dabei wurde der Kurs im Programm gut präsentiert», sagt Okle. «Das Problem ist wahrscheinlich, dass die Lehrpersonen zu wenig darauf hingewiesen haben. In den Herbstferien wollen wir es nochmals versuchen.»

Angebote bekannt machen

Einer der wichtigsten Ansatzpunkte der Frauenfussball-Kommission ist also, die bereits vorhandenen Angebote für fussballinteressierte Mädchen bekannt zu machen. Dazu bietet das Frauen-Länderspiel vom Dienstag eine ideale Plattform. Bei der Sirupkurve betreiben die beteiligten Clubs einen Stand mit allen Informationen aus allen Vereinen in der Region. Für ein Pausengespräch steht Tatjana Haenni zur Verfügung. Die ehemalige Nationalspielerin ist seit letztem Jahr Ressortleiterin Frauenfussball im Schweizer Verband. Befragt wird sie von der Journalistin Susy Schär.

Erstellt: 05.04.2019, 22:22 Uhr

Zahlen zum Frauenfussball

Im Schweizer Fussballverband waren im Herbst 2018 über 24500 Frauen und Mädchen lizenziert. Über 5000 von ihnen sind im Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) organisiert. In der Region Winterthur sind über 650 Spielerinnen in total 40 Teams im Einsatz. An der Sportkommission «Förderung Frauenfussball Region Winterthur/Schaffhausen sind die folgenden Clubs beteiligt: FC Effretikon, FC Ellikon/Marthalen, FC Neftenbach, FC Phönix Seen, FC Rafzerfeld, FC Thayngen/Neunkirch, FC Töss, FC Wiesendangen, FC Winterthur, SC Veltheim, SV Schaffhausen. (uk)

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