Fussball

Ganz einfach nicht bereit

Der FCW verlor in Kriens gegen den Tabellenletzten 0:2. Er liess sich den Schneid abkaufen und verschoss gar einen Penalty.

FCW-Stürmer Taulant Seferi (links) schob beim Penalty den Ball unpräzis, dafür ohne jegliche Schärfe in die Arme des Krienser Torhüters Simon Enzler.

FCW-Stürmer Taulant Seferi (links) schob beim Penalty den Ball unpräzis, dafür ohne jegliche Schärfe in die Arme des Krienser Torhüters Simon Enzler. Bild: Freshfocus

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Es siegte der Aufsteiger, der auch wegen eines Spielrückstands am ersten Fussball-Wochenende des Jahres auf Platz 10 abgerutscht war, gegen den Tabellenzweiten, der in der Winterpause vorwiegend Lob für seine gute Vorrunde geniessen durfte und da und dort gar mit dem Aufstieg oder zumindest der Barrage in Verbindung gebracht wurde. Wie der Match verlief, wie er nach zwei Toren rund um die erste halbe Stunde ausging, war mit Blick auf die Tabelle also eine Überraschung, zum andern aber auch ein Klassiker. Es war überraschend, dass der Aussenseiter siegte. Aber es war geradezu klassisch, wie der Favorit verlor. Klar war eines: Die einen verdienten den Sieg, die andern die Niederlage.

Die Zutaten eines Klassikers sind doch, dass man sie schon oft gesehen hat. Man kann sich leicht vorstellen, wie sich die Krienser und ihr Trainer Bruno Berner auf diesen Match einstellten, den ersten als Tabellenletzter nach dem Überraschungssieg des direkten Abstiegskonkurrenten Chiasso eine Woche zuvor. Wie sie sich kämpferisch gesammelt hatten, um im zehnten Heimspiel seit dem Aufstieg, im siebten im neuen Stadion, endlich den ersten Sieg zu erreichen. Auf dass der Match anders laufe als der letzte gegen den FCW, den sie Anfang Dezember nach einem Vorsprung verloren hatten. Und man wusste, wie der erfahrene Winterthurer Coach Ralf Loose seine Fussballer genau davor gewarnt hatte, was passieren könnte, wenn sie im Gefühl, spielerisch überlegen zu sein, mit zu wenig kämpferischer Entschlossenheit, zu wenig Arbeitswillen ins diesen Match gingen.

Begonnen haben die Winterthurer dann mit dem Selbstverständnis einer spielerisch guten Mannschaft, die den Ball laufen liess und sich wohl dachte, das zahlt sich dann schon mal aus. Aber die relativ speditive Entwicklung war diese: Die Krienser kämpften sich in den Match, weil sie in den Zweikämpfen präsenter, aggressiver waren. Sie begingen auch einige Fouls, am Ende waren es 21 gegen 12 der Winterthurer. Aber sie «holzten» nicht, sie schafften einfach, was ihr Ziel war: Sie kauften dem Gegner so, ganz schlicht und einfach, den Schneid ab.

Siegrist entscheidender Mann

Und dann hatten sie, neben einem Torhüter und neun Fightern, noch einen, der fähig war, den Unterschied auszumachen, ja der das Spiel entschied. Es war, auch das mit Ansage, Nico Siegrist, der im 4-4-1-1 der Krienser den rechten Flügelmann gab. Im Zweikampf gewieft auch er, vor allem aber der Mann für die entscheidenden Szenen. So wurde er im Herbst mit zwölf Toren nicht nur zum Topskorer der Liga. Er war mit darüber hinaus noch fünf Assists an 17 von 25 Krienser Treffern direkt beteiligt. Gegen den FCW hatte er auf dem Weg zum 1:1 auf der Schützenwiese mit einem Freistoss das Tor beigetragen und beim 1:2 im Heimspiel mit einem cleveren Zuspiel per Freistoss das 1:0 vorbereitet. Mal erwischte er so den Torhüter Raphael Spiegel, mal die ganze Winterthurer Abwehr.

Diesmal legte er gleich beide Krienser Tore auf, mit Aktionen an der Grundlinie, die eine auf der Höhe ihrer guten Tagen arbeitende Winterthurer Abwehr verhindert hätte. Aber eben, der FCW verteidigte an diesem Tag wiederholt nicht auf diesem Niveau. Vor dem 1:0 liess sich Ousmane Doumbia, in der Regel einer der besten Winterthurer Zweikämpfer, an der Grundlinie überlaufen, auf einem Raum, den er einfach nicht hätte freigeben dürfen. Danach brauchte der aus der Thuner U21 gekommene Debütant Omer Dzonlagic den Ball nur noch ins leere Tor zu schieben. Ein paar Minuten später arbeitete zuerst Granit Lekaj, dann auch Abwehrchef Sead Hajrovic zu zimperlich, als Siegrist auf dem Weg zur Grundlinie war. Diesmal erreichte dessen Pass via Tobias Schättins Fuss den Kollegen Edmond Selmani, der ebenfalls sein erstes Tor in der Challenge League schiessen durfte. Jetzt sind Siegrists Zahlen diese: 12 Tore, an 19 von 27 Krienser Treffern direkt beteiligt.

Penalty und Seferis Aussetzer

Der SC Kriens war zur Pause seinem Ziel also schon sehr nahe. Der FCW spielte sich bis dahin nicht eine nennenswerte Chance heraus, obwohl sein Ballbesitz schon höher war, am Schluss beinahe ein Verhältnis von 2 zu 1 erreichen sollte. Loose reagierte bei Halbzeit, indem er Luka Sliskovic in der Offensive für Luca Radice brachte. Später gingen mit Doumbia und Lekaj zwei weitere Routiniers. Der FCW steigerte sich kämpferisch und läuferisch, nicht aber, was Durchschlagskraft am und im gegnerischen Strafraum betraf. Als dann mal doch ein zwingender Angriff glückte, als sich Taulant Seferi und Roberto Alves‘ mit einem Doppelpass in den Strafraum spielten, gabs für ein Foul an Alves einen Elfmeter. Es war, nach einer guten Stunde, die Gelegenheit, das Spiel zu kehren. Wie sie Seferi vergab war – man kann es nur so sagen – typisch für den FCW dieses Tages. Seferi schob den Ball unpräzis, dafür ohne jegliche Schärfe in die Arme des Torhüters Simon Enzler.

Es blieben die weiteren Bemühungen erfolglos, am Ende feierte die heimschwächste Mannschaft einen Dreier gegen die auswärtsstärkste. Und Loose sagte: «Wir sind wohl in den meisten Statistiken voraus, aber das zählt nichts.» Und: «In der ersten Halbzeit haben wir zu langsam aufgebaut, wir waren zu wenig nahe an Ball und Gegner. Nach der Pause «war es dann schon etwas besser, aber man muss halt mal ein Tor machen.» Wer das nicht mal mit einem Elfmeter schafft, der hat allerdings ein Problem. «Ich bin überzeugt», sagte Loose noch, «wäre der drin gewesen, hätten wir das Spiel gekehrt.» Allein, er war nicht drin.

Die Erinnerung an Wil

Der FCW hat dieses Spiel zweifellos als Kollektiv verloren. Es war aber auch kein Feldspieler individuell gut genug. Nicht die alten Fahrensmänner auf den Flügeln, wie Radice auch Callà, der kämpferisch zwar alles unternahm, aber spielerisch eben auch wenig bot. Nicht solide wie üblich, sondern fehlerhaft waren die Innenverteidiger Hajrovic und Lekaj. Seferi hatte nicht eine gute Szene, weil er vor allem zu kompliziert spielte. Und trat der FCW im Herbst überzeugend auf, half ihm eine starke Doppelsechs mit Doumbia und Remo Arnold. Diesmal war Arnold gesperrt und spielte Doumbia, bei allem Eifer, wie einer, der nach seiner Krankheit noch nicht topfit ist. Mässig war Eris Abedinis Debüt in Arnolds Rolle.

Also stellten die Krienser klar, für den Abstiegskampf bereit zu sein. Der FCW aber hat die erste Gelegenheit verpasst, die Leistungen des Herbsts zu bestätigen, dort anzuknüpfen – und das gilt doch als erklärtes Ziel fürs Frühjahr. Die Winterthurer waren einfach nicht parat – so wenig wie sie es im Juli waren, als sie das Startspiel in Wil 0:2 verloren. An jenen Match fühlte man sich nun in Kriens jedenfalls erinnert. Aber man weiss auch: Die Reaktion auf Wil war gut, an Charakter liess es die Mannschaft nicht mehr fehlen. Allein, den Rückfall in Kriens hätte sie sich sparen können.

Erstellt: 10.02.2019, 19:40 Uhr

Telegramm

SC Kriens – FC Winterthur 2:0 (2:0)

Kleinfeld. – 1300 Zuschauer. – SR San. – Tore: 26. Donlagic 1:0. 32. Selmani 2:0. – Kriens: Enzler; Urtic, Elvedi, Berisha, Mijatovic; Siegrist, Wiget (83. Fanger), Sadrijaj, Dzonlagic (67. Costa); Selmani; Chihadeh. – FCW: Spiegel; Stettler (73. Markaj), Lekaj (66. Isik), Hajrovic, Schättin; Abedini, Doumbia (66. Gazzetta); Callà, Roberto Alves, Radice (46. Sliskovic); Seferi. – Bemerkungen: Kriens ohne Bürgisser (verletzt), Fäh, Hasanaj, Kleiner und Seferagic (nicht im Aufgebot). – FCW ohne Arnold (gesperrt), Lepik, Mulaj, Cavar (nicht im Aufgebot), Schmid und Roth (verletzt); in der 2. Halbzeit Roberto Alves rechts, Sliskovic zentral und Callà links im offensiven Mittelfeld. – Verwarnungen: 15. Sadrijaj (Foul). 16. Roberto Alves (Foul). 17. Siegrist (Foul). 63. Lekaj (Unsportlichkeit). 68. Gazzetta (Foul; fürs Spiel gegen Vaduz gesperrt). 76. Urtic (Foul; fürs Spiel gegen Lausanne gesperrt).

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