FC Winterthur

Gazzetta lässt die Schützi feiern

3400 kamen auch zum – bedeutungslosen – letzten Heimspiel des FCW. Und sie wurden wenigstens durch den fünften Heimsieg einer grundsätzlich missratenen Saison belohnt. Die Tore zum 2:0 gegen den FC Aarau schoss Karim Gazzetta in der 74. und 83. Minute.

Luka Sliskovic brachte diesen Ball nicht an Aaraus Goalie Steven Deana vorbei.

Luka Sliskovic brachte diesen Ball nicht an Aaraus Goalie Steven Deana vorbei. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist schon erstaunlich und lässt die Gegner aus der Challenge League immer wieder die Augen reiben. Da spielt der FCW eine enttäuschende Saison, er gewinnt – beispielsweise – von seinen ersten 17 Heimspielen nur drei. Darüber hinaus geht es in dieser Liga seit langem um so gut wie nichts mehr. Zuerst wurde, schon im Winter, der Abstiegskampf durch den angekündigten Rückzug des FC Wohlen erledigt; dann steht Neuchâtel Xamax Wochen vor Saisonende als Aufsteiger fest.Und zu jenen Mannschaften, die deutlich hinter den Wünschen oder auch nur den Erwartungen zurückbleiben, gehört der FCW. Das hindert seine Fans nicht, auch in dieser Rückrunde erstaunlich zahlreich zu kommen – und die Mannschaft durchgehend zu unterstützen. Mit guten Leistungen oder gar Siegen wurde die FCW-Gemeinde relativ selten belohnt. Doch an diesem letzten Abend des Fussballjahres auf der Schützenwiese verdiente sich der FCW seinen ersten Saisonsieg gegen den FC Aarau, eine andere enttäuschende Grösse in dieser Liga. Er bot immerhin eine von Eifer geprägte Leistung und er bot seinen Zuschauern in der letzten Viertelstunde endlich auch noch, was er in der ersten Halbzeit trotz mindestens drei klaren Chancen noch verpasst hatte: Er schoss Tore.

Gazzetta verdoppelt die Quote

Eine Viertelstunde vor Schluss arbeiteten sich die erst gut zehn Minuten zuvor eingewechselten Silvio und Karim Gazzetta zum 1:0. Silvio legte auf, Gazzetta erwischte mit seinem Flachschuss Torhüter Steven Deana zwischen den Beinen. Und in der 83. Minute flankte Leandro Di Gregorio, der Ball landete wieder auf dem Fuss Gazzettas – und wieder nutzte er die Gelegenheit zu einem Direktschuss mit unüblicher Entschlossenheit. Binnen weniger Minuten verdoppelte der Genfer, der auch individuell eine enttäuschende Saison hinter sich, seine Torquote. Auf der Tribüne erhob sich Ralf Loose – er hatte genug gesehen.

Zwischen den beiden Toren hatte sich eine andere bemerkenswerte Szene ergeben: Silvio setzte sich auf der Grundlinie dezidiert durch, seine Hereingabe stoppte der Aarauer Pascal Thrier gerade noch vor einem Winterthurer. Aber was machte er da auf der Torlinie: Er überliess den Ball mit vollster Absicht seinem Torhüter Steven Deana. Das musste als Rückpass gewertet und als indirekter Freistoss praktisch auf der Torlinie gewertet werden. Schiedsrichterin Esther Staubli tats nicht, eine krasse Fehlleistung. Ein anderes Mal hatten die Winterthurer mit ihr etwas mehr Glück gehabt. Als Gabriel Isik Gegner Nikola Gjorgjev an der Strafraumgrenze gefoult hatte, war er mit Freistoss und Gelb (statt Rot für eine Notbremse) gut bedient gewesen. Das war nach einer Stunde und noch beim Stande von 0:0 gewesen.

Minders letzte Parade

Herauszuheben war dann, in der 87. Minute, noch die letzte Parade Matthias Minders für den FCW. Er, der vor dem Match als einziger offiziell verabschiedet worden war, lenkte einen Schlenzer Gianluca Frontinos aus der hohen Ecke über die Latte. Es war eine sehr starke Parade. Aber Abbild von Minders Saison waren auch die drei Patzer mit dem Fuss in der ersten Halbzeit gewesen, die sehr wohl zu mindestens einem Gegentor hätten führen können.

Fakt war schliesslich aber, dass das 2:0 ein mehr als verdienter Sieg des FCW war und dass er von den zahlreichen Fans gefeiert wurde, als sei es der festliche Sieg zum Abschluss einer grossen Saison. Das war dieser Dreier in einem Liquidationsspiel natürlich nicht, aber es war ein erfreuliches Stimmungshoch. Und mit nahmen die Zuschauer auch die Hoffnung, dass ihre Mannschaft künftig vermehrt dieser in der Challenge League einmaligen Kulisse entsprechend spielen werde.

34 000 Franken zu gewinnen

Minder also war als einziger verabschiedet worden. Livio Bordoli behütete ein letztes Mal als Trainer des FCW die Bank auf der Schützenwiese. Und er lieferte doch dem einen oder andern nochmals eine Gelegenheit, sich vor dem Abgang vom FCW dem Publikum zu zeigen. Das galt für Rechtsverteidiger Di Gregorio, der nochmals eine gute Flanke schlug. Es galt für Innenverteidiger Guillaume Katz, der – in der 33. Minute – mit seinem Kopfball nach einem Corner beinahe als Torschütze abgegangen wäre; eigentlich hätte er als Skorer abgehen müssen.

Ob das mit der kleinen Aufmerksamkeit des Trainers für scheidende Spieler auch noch für andere galt, ist noch offen, denn über Kofi Schulz, diesmal Linksverteidiger, und Silvio, diesmal Joker, ist noch nicht entschieden. Aber das gilt auch für die Fälle Tiziani Lanzas, der im zentralen Mittelfeld einen ordentlichen Match machte, Dario Ulrich, die Leihgabe des FC Luzern, und Manuel Sutter. Der Vorarlberger stand nach seiner Verletzung erstmals in diesem Jahr wieder in der Startelf, kämpferisch wie üblich.

Beendet wird die Saison am Nachmittag des Pfingstmontags in Schaffhausen. Der FCW hat dort die Gelegenheit, dem ersten Saisonsieg gegen den FC Aarau den ersten gegen den FC Schaffhausen folgen zu lassen; es wäre gleichbedeutend mit dem ersten Mal in einer ganzen langen Spielzeit, dass die Mannschaft zwei Spiele hintereinander gewinnt. Und was der FCW auch noch kann: Gewinnt er in Schaffhausen mehr Punkte als der FC Chiasso daheim gegen den Absteiger aus Wohlen, dann verbessert sich der FCW im letzten Moment noch auf Platz 8. Was mit einem Plus von 34 000 Franken an Rangprämien belohnt würde.

Erstellt: 18.05.2018, 23:38 Uhr

Telegramm

FC Winterthur – FC Aarau 2:0 (0:0)

Schützenwiese. – 3400 Zuschauer. – SR Esther Staubli. – Tore: 74. Gazzetta 1:0. 83. Gazzetta 2:0. – FCW: Minder; Di Gregorio, Katz, Isik, Schulz; Radice, Doumbia, Lanza (75. Nikola Milosavljevic), Ulrich (63. Silvio); Sutter; Sliskovic (63. Gazzetta). – Aarau: Deana; Giger, Thrier, Nganga, Lujic; Cani (80. Peyretti); Tasar, Hammerich, Perrier, Gjorgjev (72. Misic); Frontino. – Bemerkungen: FCW ohne Lopez, Roth, Nsumbu, Duah (verletzt), Saliji (krank) und Ljubicic (nicht im Aufgebot). – Aarau ohne Garat, Jäckle, Ciarrocchi (allesamt gesperrt), Thaler, Mehidic, Ramadani, Lüscher-Boakye, Rossini (verletzt) und Yapi (nicht im Aufgebot). – 33. Kopfball Katz' streift die Latte. – Verwarnungen: 42. Ulrich (Foul). 59. Doumbia (Foul). 60. Isik (Foul). 66. Lanza (Foul). 76. Frontino (Unsportlichkeit).

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles