Zum Hauptinhalt springen

GC glück- und wieder sieglos

Die Grasshoppers und der FC St. Gallen blieben mit ihrem 2:2 im Letzigrund nach Punkten und Torverhältnis gleichauf. Für GC ist das die längste negative, für den FCSG die längste positive Serie der Saison.

Aus ihrem Formtief heraus: Kim Källström (links) ist der Vorbereiter, Caio der Vollstrecker (in der Mitte St. Gallens Roman Buess).
Aus ihrem Formtief heraus: Kim Källström (links) ist der Vorbereiter, Caio der Vollstrecker (in der Mitte St. Gallens Roman Buess).
Keystone

Eine Halbzeit lang bestätigte der FC St. Gallen, der nach zwölf Runden noch Letzter, sein Trainer Joe Zinnbauer meistkritisierter Mann der Super League war, seine Fortschritte hin zu mehr Stabilität. Das 1:1 nach 45 Minuten hatten die St. Galler verdient. Es wäre nicht mal ein Skandal gewesen, wärs gar ein bisschen mehr gewesen.Aber für eine zweite Halbzeit reichte es den St. Gallern an diesem Samstagabend in Zürich nicht. Nun waren sie so deutlich unterlegen, dass sie einiges an Glück brauchten, um zum vierten Mal in Folge zu punkten. Was sie in dieser zweiten Hälfte immerhin nochmals schafften: Das Führungstor der Grasshoppers postwendend auszugleichen. Nach knapp einer halben Stunde hatte Albian Ajeti das 1:0 des GC-Dänen Lucas Andersen nach drei Minuten und sieben Sekunden wettgemacht. Eine Viertelstunde vor Schluss fiel Andreas Wittwers 2:2 gar nur 63 Sekunden nach Caios 2:1.

«Nicht nachvollziehbar»

Wittwers erstes Tor für die St. Galler war ein Beweis, dass sie in dieser zweiten Halbzeit von einigem Glück begünstigt wurden. Denn sein Weitschuss wurde von Numa Lavanchy massgeblich abgelenkt; und der Schiedsrichter und der eine seiner Assistenten verzichteten darauf, die offensichtliche Abseitsstellung Ajetis zu ahnden. Der stand so genau in der Flugbahn des Balles, dass er ihm ausweichen musste; es wäre also angemessen gewesen, auf Abseits zu entscheiden. Glück hatten die St. Galler noch in zwei weiteren Szenen: Als Caio nach einer knappen Stunde mit seinem Kopfball genauso die Latte traf wie in der letzten Aktion des Spiels mit dem Fuss aus fünfeinhalb Metern.

Diesem Spielverlauf wurde Trainer Zinnbauer mit seiner Wertung absolut gerecht. «Sehr gut» sei die erste Halbzeit seiner Mannschaft gewesen, «aber in der zweiten Halbzeit sind wir nach dem Rückstand glücklich zurückgekommen, hatten wir auch Glück, nicht zwei, drei Tore mehr zu bekommen.» Für ihn sei, sagte Zinnbauer noch, «die zweite Halbzeit nicht nachvollziehbar gewesen. Aber Hut ab vor der ersten – und jetzt setzen wir den Hut auf und verschwinden von hier.» Also würde ihnen sonst doch noch einer diesen Punkt stibitzen ...

Denn der ist wichtig für die St. Galler, vor allem für Zinnbauer, der in diesem Resultatsport Fussball nichts mehr braucht als Resultate. Ein Unentschieden, dann zwei Siege und jetzt wieder ein Unentschieden – das ist bedeutsam für eine Mannschaft und ihren Trainer, die vorher ans Tabellenende getaumelt waren. Die es nie geschafft hatten, zwei Spiele hintereinander ohne Niederlage zu bleiben. Ein bisschen mehr an positivem Selbstverständnis zeigen die St. Galler jetzt schon. Aber sie müssen nach diesem Spiel feststellen, dass die Gesamtleistung diesen Punkt eigentlich nicht gerechtfertigt hätte. Diesmal zeigte ihnen das Glück, dass es sie nicht vergessen hat.

Auf der andern Seite fühlten sich die Grasshoppers von eben dieser Gunst verlassen. Oder wie es ihr Trainer Pierluigi Tami sagte: «Wir haben im Moment auch kein Glück.» Immerhin, die Mannschaft spielt wieder besser als in den trüben Oktobertagen, als sie von einem Debakel ins nächste schlitterten. Sie ist zwar nach den vier Niederlagen jener Zeit auch in den drei Novemberspielen sieglos geblieben, aber auch ungeschlagen. Dass die Gegnerschaft in den letzten Runden (Vaduz, Thun, St. Gallen) schwächer war also vorher (Sion, zweimal YB, Basel), ist das eine. Dass sich GC allmählich doch wieder gefestigt hat, ist das andere.

Källströms Problem

Der Hauptgrund dafür: Die beiden wichtigsten Teamstützen, Kim Källström und Caio, haben sich aus ihrem Formtief wieder hochgearbeitet. Caio trifft wieder, Källström ist wieder der oft geradezu geniale Vorbereiter. Mit seinen Pässen stand er gegen St. Gallen am Ursprung beider Tore und des Lattenkopfballs Caios. Also sagte ihr Trainer: «Ich bin enttäuscht über das Resultat, nicht aber über die Leistung, die war gut.» In der zweiten Halbzeit sogar «sehr gut».

Zu erwähnen ist aber auch Källströms Problem: Er wird zu oft verwarnt, auch für Fouls im tiefsten Mittelfeld. Die «Gelbe», die ihm Pascal Erlachner am Samstag zeigte, war schon die achte. Sie war zwar nicht gerechtfertigt, aber das ändert nichts daran, dass Källström noch vor Ende der Vorrunde ein zweites Mal gesperrt ist. In Lausanne, gegen den nächsten Gegner, den die Grasshoppers hinter sich lassen müssen, wollen sie wieder zufriedener werden. Und wollen sie auf Dauer bleiben, wo sie jetzt wieder sind: in der oberen Tabellenhälfte. Zur Warnung muss allein schon dienen, dass es nur drei Punkt sind bis zum Tabellenende.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch