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GC ohne Plan – doch Fink redet den Auftritt schön

Der Trainer sieht seinen Club vor einer grossen Zukunft. Dabei muss er froh sein, dass der Abstieg nur dank Lausanne so gut wie abgewendet ist.

Die 0:2-Niederlage von GC im Video. Quelle: Videoteam Tamedia/SRF

Die gute Nachricht dieser Runde für GC kommt am Donnerstag aus Lugano. Da verliert ein seelenloses Lausanne 0:2 und bleibt sechs Punkte hinter GC auf dem letzten Tabellenplatz. Auch wenn die Zürcher diese Saison einiges an Fehlleistungen erbracht haben: Das ist eine Reserve, die selbst sie in zwei Runden kaum mehr verspielen können.

Dank Lausanne ist der Schaden repariert, den sie am Mittwoch mit dem 0:2 gegen Sion angerichtet haben. Das lässt sie durchatmen. Nur sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, was bei ihnen grundsätzlich im Argen liegt und beim trostlosen Auftritt im Letzigrund ein weiteres Mal zu Tage getreten ist.

Ihr Trainer beurteilt zwar alles anders. Der heisst Thorsten Fink und analysiert forsch: «Die Mannschaft machte ein gutes Spiel. Der Plan ging auf. Ich bin fest überzeugt davon, dass wir eine grosse Zukunft haben.» Jeder Satz kommt wie ein Ausrufezeichen daher. Zurück bleiben trotzdem nur Fragezeichen. Ein gutes Spiel? Der Plan, der aufging? Eine grosse Zukunft?

Natürlich ist Fink in diesem Moment zu verstehen. Seine Schönwetter­ansichten sollen helfen, seine Spieler nicht weiter zu verunsichern. Unmittelbar nach Spielschluss eilt er darum mit kräftigem Schritt auf den Platz, um jeden einzelnen aufzumuntern. «Ich darf sie nicht niedermachen», erklärt er, «sie haben ein gutes Spiel gezeigt.»

Das Abbild einer Saison

Aber was sagt Fink, wenn GC wirklich einmal überzeugend auftritt? Die Leistung gegen Sion ist schlecht, ein 90 Minuten dauernder Ausdruck ihrer spielerischen Hilflosigkeit. Sie ist ein Abbild einer Saison, die nichts anderes als ein Desaster ist. Inzwischen sind es 24 von 34 Spielen, die die Grasshoppers nicht gewonnen haben. In der Rangliste der Rückrunde lassen sie nur Lausanne hinter sich. Dafür verbrauchen sie Trainer wie niemand sonst: Fink ist nach Carlos Bernegger (5 Spiele), Boro Kuzmanovic (1), Murat Yakin (22) und Mathias Walther (3) der fünfte, der an der Seitenlinie steht.

Auf drei Spiele kommt der Deutsche bislang. Zu seinem Debüt gab es das mühevolle 1:0 in Lausanne, das von unschätzbarem Wert ist, weil es GC ermöglichte, den Tabellenletzten auf Distanz zu halten. Das zweite Spiel unter Fink endete in Thun 1:2.

Und jetzt also kommt dieses 0:2 gegen Sion dazu, in einem Spiel, in dem beide Teams bestätigen, weshalb sie im Abstiegskampf stecken. Fink sieht das eben anders, er sieht zumindest ein GC, das in der ersten Halbzeit «zwei, drei riesige Chancen» hat und nach der Pause Chancen so herausspielt, wie man es angeblich besser gar nicht kann. Um bei den Tatsachen zu bleiben: GC hat genau zweieinhalb Chancen, zwei durch Kodro, eine halbe durch Sukacev.

Ein gutes Spiel? Fink muss selbst wissen, wie sehr er der Mannschaft auf Dauer hilft, wenn er ihre Leistung derart verklärt; wenn er sagt, sie habe den Plan umgesetzt, nur eben die Tore nicht gemacht; wenn er auch sagt, defensiv sei es «sehr, sehr gut» gewesen.

Nur, welchen Plan? Was seine Spieler zustande bringen, sieht planlos aus. Defensiv sehr, sehr gut? GC lädt den Gegner zum Toreschiessen ein. Das 0:1 durch Cunha kurz vor der Pause verschuldet Doumbia, als er bei einem Dribbling vor dem eigenen Strafraum den Ball verliert. Das 0:2 durch Adryan nach einer Stunde leitet Bergström mit einem Fehlpass ein.

Der schwierige Sommer

Und vor allem diese Frage noch: GC soll eine grosse Zukunft haben? Mit wem? Mit Doumbia, der konstanten Fehlerquelle? Mit Sainsbury, dem Captain, der gar nicht spürbar ist, weil er sein Pensum im Schritttempo absolviert? Mit Andersen, der keinen Zweikampf gewinnt, wenn es hart auf hart geht? Mit Jeffrén, der zwar Klasse hat, aber keine gesunden Knie? Mit Kapic, der im Winter als Zugang gefeiert wurde, aber inzwischen trotz eines Vertrages für viereinhalb Jahre zur Randfigur verkommen ist? Mit ganz vielen Spielern, von denen SRF-Experte Gürkan Sermeter am Mittwoch sagt: «Man trägt das Leibchen des Rekordmeisters. Man würdigt das nicht.»

GC steht planerisch vor einem schwierigen Sommer. Wo soll das Geld herkommen für eine gute Mannschaft? Wo die Spieler? Aber wenigstens gibt es Fink. Der redet schon einmal von einem Europa-League-Platz als Ziel für die nächste Saison.

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