FCW

Gute Reaktion, gute Leistung, gutes Resultat

Auf das 0:2 und eine schwache zweite Halbzeit in Wil folgte ein 3:1 gegen den FC Aarau mit drei sauber herausgespielten Toren in der zweiten Halbzeit. Der Mann des Tages; Davide Callà mit dem Assist zu Karim Gazzettas 1:0 und den Toren zum 2:0 und 3:0.

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Der Fehlstart, was null Punkte aus zwei Spielen gewesen wäre, ist fürs Erste vermieden. Den muss nun der FC Aarau verarbeiten, der auch in der eigenen Wahrnehmung zu den Anwärtern auf einen Spitzenplatz gehört, nun aber mit fünf Gegentoren und zwei Niederlagen dasteht. Und vier dieser fünf Gegentore waren Weitschüsse, gewiss nicht alle unhaltbar für Torhüter Steven Deana.

Der FCW aber hat eine gute Reaktion gezeigt auf den Auftritt in Wil. Er hat sich allmählich auch zu einer guten Leistung gesteigert und was schliesslich herausschaute, war ein gutes Resultat, das die trotz Ferien immerhin 3400 Zuschauer absolut zufriedenstellte.

Man kann sagen, Davide Callà habe in seinem ersten Heimspiel als Nationalligafussballer auf der Schützenwiese diesen Wandel vom Verlierer in Wil zum Sieger daheim personifiziert. Er war in der Tat ein anderer Callà als auf dem Bergholz.

Dort hatte er selbst in der ersten Halbzeit, die von seiner Mannschaft eigentlich dominiert worden war, mehrere bedenkliche Fehlpässe gespielt. Und er war nach der Pause, als der FCW nicht nur wegen des Platzverweises für Ousmane Doumbia geradezu auseinanderfiel, überhaupt nicht fähig gewesen, als Leader Gegensteuer zu geben. Gestern bot er, mehrheitlich auf der linken Flanke eingesetzt, von Anfang an eine gute Leistung.

Callà, Gazzetta und Sliskovic

Und dann arbeitete er im grossräumigen Doppelpass mit Karim Gazzetta das wegweisende 1:0 nach gut einer Stunde heraus. Gazzetta entschied sich nach Callàs Zuspiel und kurzem Dribbling dazu, aus 22 Metern zum Schuss anzusetzen – und er hatte Erfolg damit.

Einem Torhüter vom Ruf Deanas wäre zuzutrauen gewesen, dass er diesen Ball gehalten hätte. Ein paar Minuten später spielte Callà Jordan Gele frei, der über den rechten Flügel stürmte, dann aber am diesmal stark reagierenden Deana scheiterte.

Der spielerische Höhepunkt war dann das entscheidende 2:0 in der 77. Minute, als Taulant Seferi, kaum eingewechselt, und Luka Sliskovic Callà so gut zuarbeiteten, dass dieser alleine vor Deana zum Abschluss kam.

Es war die Ruhe des Routiniers, mit der Callà diesmal abschloss – anders als noch in Wil, damals beim Stande von 0:0. Und schliesslich liess Callà in der 86. Minute auch noch das 3:0 folgen. Diesmal schoss er praktisch vom selben Quadratmeter aus wie Gazzetta zum 1:0; er schoss genauso flach in Deanas linke Ecke.

So klar wie verdient

Das Gegentor der Aarauer fiel erst tief in der Nachspielzeit. Es wurde kaum mehr wahrgenommen. Und es war eindeutig, dass der FCW diesen Match genauso verdient gewann wie das Resultat, mit dem 3:0 bis Sekunden vor Schluss, zumindest zwischendurch war.

Der FCW hatte über die gesamte Spielzeit eindeutig mehr Aktionen, die zu mehr oder minder klaren Torszenen führten. Das galt schon für die erste Halbzeit, als Sliskovic zweimal in bester Position stand, aber knapp scheiterte.

Die Winterthurer befanden sich spätestens dann auf dem Weg zum sicheren Sieg, als sie die einzige Schwäche des Tages abgestellt hatten: In der Anfangsphase leisteten sie sich zwei Patzer in der Defensive, die zu einer Aarauer Führung hätten führen können – aus Sicht der Aarauer hätten führen müssen.

Aber in der 4. Minute lupfte Norman Peyretti den Ball über Raphael Spiegel hinweg an die Latte und köpfelte Varol Tasar im Nachgang daneben. Und in der 24. Minute flog ein 20-m-Freistoss Gianluca Frontinos an die Latte. Vorausgegangen war ein grober Patzer Gabriel Isiks, der einzige eines Winterthurer Verteidigers an diesem Abend.

Doch als diese beiden Szenen vorbei war, geriet das Winterthurer Tor bis in die 93. Minute nicht mehr ernsthaft in Gefahr. Je länger das Spiel dauerte umso sicherer wurde es vom FCW beherrscht, war nur noch eine Frage der Zeit, ob er das auch mal in ein Tor umsetzen könne.

Lohnenswerte Umstellungen

Der FCW ist also für eine kämpferisch gute, wiederholt auch mit spielerischen Einlagen ergänzte Vorstellung zu loben. Es war aber auch eine Leistung, die von einer Mannschaft mit so viel Routine erwartet werden darf. Oder wie es Luca Radice formulierte: «Heute war die Laufbereitschaft da.»

Und Trainer Ralf Loose sagte, seine Mannschaft habe anfangs bei zwei Gelegenheiten «ein bisschen Glück» gehabt. Insgesamt aber habe «sehr diszipliniert und mit guten Zweikampfverhalten gearbeitet.» In der zweiten Halbzeit habe sie auch «den Warnschuss von Wil» beherzigt; also habe sich nicht annähernd wiederholt, dass sie dermassen nachliess – im Gegenteil.

Loose hatte die Mannschaft auf vier Positionen umgestellt: Für den gesperrten Doumbia stand Gazzetta im zentralen Mittelfeld – und bot, nicht nur wegen seines Tores, seine beste Leistung über ein gesamtes Spiel seit langem. Als linker Innenverteidiger spielte nicht der nach seinen Hochzeitsfeierlichkeiten erst kurzfristig zurückgekehrte Granit Lekaj, sondern Isik – und auch er war, mit einer Ausnahme, gut.

Linksverteidiger war nicht Tobias Schättin, sondern der 19-jährige Debütant Enrique Wild, der sich im Frühjahr als Newcomer vom FC Tobel-Affeltrangen in der U21 festgespielt hat und nun ein höchst bemerkenswertes Debüt in der Challenge League gab. Er ist schnell, und er beging so gut wie keinen Fehler.

Und schliesslich ersetzte in der Offensive Sliskovic den zuletzt wieder angeschlagenen Manuel Sutter – und auch Sliskovic war gut. Allerdings gilt wieder mal, der Luzerner hätte ein Tor schiessen müssen. Begonnen hat er den Match wegen seines Jochbeinbruchs übrigens mit einer Maske. Aber die warf er schon bald weg.

Rahmen und die Gegentore

Loose lobte seine Mannschaft, seiner Art gemäss, nur zurückhaltend. Er weiss, wie wenig nur ein Sieg ist. Aber einer fürs Selbstvertrauen war dieses 3:1 allemal.

Die Mannschaft muss nun mit ganz anderer Stilsicherheit nach Rapperswil-Jona fahren als sie es hätte tun können, wäre sie wie vor einem Jahr mir null Punkten aus den ersten zwei Spielen herausgegangen.

Diese Zahlen muss nun Patrick Rahmen mit seinem FCA verarbeiten. Aus seiner Sicht hatte in seiner Mannschaft nur Defensivspieler Elsad Zverotic die geforderte «Leistung gebracht». Er enpfand «das Umschaltspiel als unser Problem, für das wir vor allem Lösungen finden müssen.» Und: «Nach fünf Gegentoren in zwei Spielen weiss man, wo man den Hebel ansetzen muss. Es braucht mehr Bereitschaft und Bewusstsein nach hinten zu arbeiten,» fügte er bei.

Was beispielsweise zu sehen war: Der Deutsche Innenverteidiger Giuseppe Leo war schwach; Marco Schneuwly fiel höchstens mit Fouls auf; Captain Gialuva Frontino gab wieder mal den Schönwetterspieler. Wozu Rahmen allerdings «keinen Kommentar» abgab, wie er gleich mehrmals sagte: Zu seiner möglichen, da und dort kolportierten Zukunft beim FC Basel.

Erstellt: 27.07.2018, 23:49 Uhr

Challenge League

FC Winterthur – FC Aarau 3:1 (0:0)

Schützenwiese. – 3400 Zuschauer. – SR Gut. – Tore: 63. Gazzetta 1:0. 77. Callà 2:0. 86. Callà 3:0. 93. Almeida 3:1. – FCW: Spiegel; Markaj, Isik, Hajrovic, Wild; Arnold; Callà, Sliskovic (83. Roberto Alves). Gazzetta (89. Nikola Milosavljevic), Radice (93. Sutter); Gele (76. Seferi). – Aarau: Deana; Giger, Zverotic, Leo (68. Almeida), Schindelholz, Perrier (78. Pepsi); Hammerich; Peyretti (28. Liechti), Frontino; Tasar, Schneuwly. – Bemerkungen: FCW ohne Roth, Schmid (verletzt), Doumbia (gesperrt) und Lekaj (nach ausgedehnten Hochzeitsfeierlichkeiten Ersatz); erster Challenge-League-Einsatz von Enrique Wild (19); erster Einsatz von Taulant Seferi für den FCW; Radice mit Krämpfen ausgeschieden. – Aarau ohne Thaler, Rossini (verletzt), Peralta, Mehidic, Misic und Ramadani (rekonvaleszent); Peyretti verletzt ausgeschieden; danach mit Viererabwehr und Zverotic im Mittelfeld; nach Leos Auswechslung Almeida zusätzlicher Offensivspieler, Zverotic wieder Innenverteidiger. – 4. Heber Peyrettis an die Latte. 24. Freistoss Frontinos an die Latte. – Verwarnungen: 23. Isik (Foul). 71. Zverotic (Foul). 75. Schindelholz (Foul). 85. Radice und Tasar (Unsportlichkeiten). – Schlechte Leistung des Schiedsrichters.

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