Fussball

«Ich spiele, solange ich Spass habe»

Davide Callà hat als Captain auf dem Platz, aber auch als Leader darüber hinaus seinen Anteil an der guten Vorrunde des FCW.

«Es ist ein befriedigendes Gefühl, bisher gute Arbeit geleistet zu haben», sagt FCW-Captain Davide Callà.

«Es ist ein befriedigendes Gefühl, bisher gute Arbeit geleistet zu haben», sagt FCW-Captain Davide Callà. Bild: Enzo Lopardo

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Davide Callà, Sie kamen im vergangenen Sommer zu einem Tabellenneunten und jetzt sind Sie Captain eines Zweiten. Wie ist so etwas möglich?
Durch konsequent gute Arbeit des Clubs. Er hat darauf geachtet, nicht nur gute Spieler, sondern vor allem gute Typen zu holen. Er hat damit ein wichtiges Zeichen gesetzt, und die Typen passen zum Glück auch zusammen. Diese Mischung macht es aus.

Sie wurden erklärtermassen geholt als Mann auch für die Kabine…
…ich denke, diese Aufgabe bisher anständig erfüllt zu haben.

Und Callà als der Mann fürs Feld?
Von den Skorerpunkten her ist die Bilanz ordentlich, obwohl ich denke, ein paar Tore mehr wären gut. Aber ich versuche schon, auch mit der Laufbereitschaft, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Was sehen Sie als Stärken der Mannschaft auf dem Weg auf Platz 2?
Die Fähigkeit, auch mal auf Rückschläge prompt zu reagieren. So haben wir das Startspiel in Wil verloren und mit dem Sieg gegen Aarau reagiert. Wir haben daheim gegen Chiasso verloren und mit dem Sieg in Aarau reagiert. Wir fingen in Lausanne fünf Tore ein und reagierten darauf. Das zeigt: Die Mannschaft hat eben charakterliche und nicht nur fussballerische Qualitäten. Basis dafür sind Kampfgeist und Laufbereitschaft.

Wo erkennen Sie Defizite?
Wir müssen bei gegnerischen Standards besser werden. Im Cup gegen Basel kassierten wir so das entscheidende Tor, bei der Heimniederlage gegen Servette, nachher gleich zweimal in Lausanne fielen Tore nach einem Eckball oder Freistoss. Da haben wir Luft nach oben.

Sie sind jetzt mittendrin, vorher haben sie den FCW 15 Jahre lang von aussen gesehen. Wie hat sich ihr Urteil verändert?
Ich bin völlig unvoreingenommen gekommen. Ich habe den FCW nur aus der Ferne gekannt, über die Medien, durch die Resultate. Wenn ich an den FCW dachte, kam mir als Erstes in den Sinn: Kult, cool, lässig. Und das hat sich nun bestätigt. Ich kann jetzt sagen, es macht in der Tat Spass, für den FCW zu spielen.

Das erste halbe Jahr war zweifellos mehr als okay. Die Zielsetzungen des Vereins für die Rückrunde sind zurückhaltend. Aber von aussen wird wohl an ihn herangetragen, jetzt ein Aufstiegskandidat zu sein, jetzt die grosse Chance zu haben. Wir sieht das die Mannschaft, wie sieht es ihr Captain?
Er sieht, dass wir die Leistungen der Vorrunde bestätigen wollen. Wenn das gelingt, liegen wieder Punkte drin. Aber das Wort Aufstieg wird man von mir nicht hören. Es gibt zwei, drei Mannschaften, die fussballerisch deutlich mehr PS haben als der FCW – und Servette war die klar beste Mannschaft. Wir wollen bescheiden bleiben und unseren Weg weitergehen. Denn in den eigenen Händen haben wir einzig unsere Leistung, wie viel wir rennen, wie viel wir kämpfen.

Aber was fehlt dem FCW denn zu einem Super-League-Club?
Mittelfristig mehr finanzielle Möglichkeiten, langfristig auch eine modernere und somit bessere Infrastruktur. Es gewinnt zwar nicht immer der Club mit dem dicksten Geldbeutel. Es gibt immer wieder Mannschaften, die mit bescheideneren finanziellen Mitteln mal für eine Überraschung sorgen können. Aber nur wer finanziell gut aufgestellt ist, hat eine Chance, nach einem Aufstieg auch oben zu bleiben.

Was ist denn das realistische Ziel über diese Saison hinaus, insgesamt für die anderthalb Jahre, die Sie noch einen Vertrag haben?
Das ist schwer zu sagen, weil ich ja nicht weiss, was im kommenden Sommer passiert. Wir müssen ja, zumal nach einer guten Saison, immer befürchten, dass die Besten gehen. Das ist die grosse Herausforderung für die sportliche Führung des Vereins.

Wie wahrscheinlich ist denn, dass es den Profifussballer Davide Callà über den laufenden Zweijahresvertrag hinaus gibt – wenn er dann schon auf den 36. Geburtstag zugeht?
Auch das kann ich nicht sagen. Aber es ist sicher nicht so, dass in meinem Lebensplan steht, es sei im Sommer 2020 fertig mit dem Fussball. Ich spiele, solange ich Spass habe.

Es hat jedenfalls schon mal Trainer Ralf Loose seinen Vertrag auch fürs zweite «Callà-Jahr» verlängert. Sie sind jetzt, in Ihren alten Tagen, sein Captain, Sie waren es schon in ganz jungen Jahren, mit 21, sein Captain beim FC St. Gallen. Zusammen haben Sie im Herbst 2005 jene legendäre Niederlage im Cup in Küssnacht am Rigi erlitten, die Loose schliesslich den Job kostete. Wie sehen Sie seine Entwicklung?
Wir haben beide aus jenem Spiel viel gelernt. Ich sehe ihn heute – ähnlich wie mich – natürlich als erfahrener, ein bisschen weiser, gelassener. Grundsätzlich ist er natürlich der gleiche Mensch. Und zwischen uns passt es, nicht nur wie wir den Fussball sehen. Mir passt, wie er arbeitet, mir passt beispielsweise seine Art von Humor, den er immer wieder durchblicken lässt. Und ich glaube, ich passe auch ihm.

Und was ist, zum Schluss, der Kern ihrer allgemeinen Bilanz nach einem halben Jahr FCW?
Es ist ein befriedigendes Gefühl, bisher gute Arbeit geleistet zu haben. Was mich aber überrascht: dass wir noch immer dieselbe Mannschaft sind.

Will heissen, sie hätten erwartet – oder eher befürchtet –, dass eine Mannschaft, die so spielt, schon in der Winterpause den einen oder andern Spieler verlieren würde?
So ist es. Aber es ist schön und gut für uns, dass noch alle da sind.

Nach zwei Jahren, in denen der FCW gar in den Abstiegskampf geraten und eine personelle Neuausrichtung dringendst angezeigt war, kam Davide Callà (34) nach anderthalb Jahrzehnten in der Fremde, zuletzt gar ein paar meisterlichen Saisons in Basel, als grosser Hoffnungsträger zurück zu seinem Stammclub. Inzwischen ist zu sagen, dieser Zug sei dem Verein gelungen – wie noch ein paar andere. Callà besetzt die Rolle, die ihm zugedacht wurde, die er sich selbst auch zutraute.

Er spielt vielleicht nicht immer erstklassig, aber er kämpft immer gut. Mit neun Skorerpunkten (für vier Tore und fünf Assists) ist er statistisch vor Taulant Seferi (6 Tore/2 Assists) und Luca Radice (1/7) gar die Nummer 1 einer Mannschaft, deren Captain und Leader er eben übers Sportliche hinaus ist. Und die gewiss auch deshalb funktioniert. So sieht Callà die Lage am Vorabend der Rückrunde, der Zeit der Bestätigung.

Erstellt: 01.02.2019, 22:47 Uhr

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