Fussball 2. Liga

In der Rückrunde stark

Der FC Wiesendangen, Veltheim, Phönix Seen und Bassersdorf haben in der Zweitliga-Gruppe 2 eine Gemeinsamkeit: Rechnet man nur die Spiele der Rückrunde, dann liegen diese Klub saus unserer Region alle in der vorderen Hälfte.

Ein merkwürdiges Derby gabs zum Schluss: Veltheim (links Celebi Umutcan) durfte gegen Wiesendangen (Fabian Meli) vor allem keine Verwarnung einfangen.

Ein merkwürdiges Derby gabs zum Schluss: Veltheim (links Celebi Umutcan) durfte gegen Wiesendangen (Fabian Meli) vor allem keine Verwarnung einfangen. Bild: Enzo Lopardo

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Für die Klubs aus unserer Region sah es im Spätherbst düster aus: Bassersdorf (10. Rang), Wiesendangen (11.) und Veltheim (13.) steckten mehr oder weniger im Abstiegskampf. Das ambitio­nierte Phönix lag zwar auf Rang 2, aber doch schon sieben Punkte hinter dem bis zum Schluss unangefochtenen Leader Uster. Dieser Rückstand wuchs bis zum Saisonende auf 15 Zähler an, aber Phönix hielt immerhin den 2. Rang, wenn auch knapp. Die anderen drei Teams haben sich alle verbessert: Wiesendangen war mit 28 Punkten aus 14 Spielen die zweitbeste Mannschaft der Rückrunde nach Uster, Bassersdorf (23 Punkte) die sechstbeste und Veltheim (20) war im Jahr 2018 die siebtbeste Mannschaft der Gruppe 2.

Wiesendangens kluge Zuzüge

Am eklatantesten ist die Verbesserung bei Wiesendangen. Die Wiesendanger sind vor zwei Jahren schon Dritte gewesen, kämpften 2017 aber bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg. Danach­ sah es auch diesmal aus, zunächst. Im neuen Jahr aber kam der wundersame Wandel: Nur zwei Spiele (gegen Phönix und Bassersdorf) gingen in der Rückrunde verloren, von den letzten acht gar keines mehr.

«Damit bin ich natürlich sehr zufrieden», bilanzierte Trainer Dogan Isik, der das Amt vor der Saison von Gianni Lavigna übernommen hatte. «Nach der Vorrunde waren wir halbtot. Danach aber haben wir uns spielerisch und taktisch enorm verbessert.» Das hatte auch mit einer Aufwertung des Kaders in der Winterpause zu tun. Zu erwähnen sind insbesondere die Zuzüge von Torhüter Ramon Frauenfelder, Verteidiger Jeton Jakupi und Stürmer Zahir Idrizi. Frauenfelder, der zum Stammklub zurückkehrte, und Jakupi gaben der Abwehr Stabilität; Idrizi schoss acht Tore, obwohl er nicht alle Spiele absolvierte. Zudem war Aufbauer Robin Oehninger nach einem Auslandaufenthalt nun in der Rückrunde wieder einsatzbereit.

«Lassen wir die Füsse auf dem Boden. Auch nächste Saison geht es zuerst darum, den Ligaerhalt zu sichern.»Dogan Isik, Trainer FC Wiesendangen

Isik warnt aber davor, seine Mannschaft fortan als Spitzenteam einzustufen. «Lassen wir die Füsse auf dem Boden», fordert er. «Auch nächste Saison geht es zunächst einmal darum, den Ligaerhalt sicherzustellen. Das wollen wir aber so schnell wie möglich realisieren.» Die Zeichen stehen gut. Denn es sieht danach­ aus, als würden die wichtigsten Spieler auch nächste Saison für Wiesendangen spielen.

Von null auf 31 in 22 Spielen

Noch mehr als Wiesendangen musste sich der SC Veltheim aus dem Sumpf ziehen. Denn die ersten sechs Spiele der Saison verlor das Team von Richard Oswald alle­samt­, dazu ein siebtes im Cup. Es sah ganz nach dem sprichwörtlich schwierigen zweiten Jahr nach dem Aufstieg aus. Aber dann resultierten aus den rest­lichen 22 Partien 31 Punkte, «wobei das letzte Spiel speziell war», betont Oswald. Denn bei diesem 0:2 in Wiesendangen am Sonntag hatte Veltheim nur ein Ziel: keine Verwarnung zu kassieren. Damit war der Ligaerhalt gesichert. Entsprechend zahm musste man zur Sache gehen. Der Zweck wurde erfüllt, was für die Disziplin der Mannschaft spricht.

«Wir hatten wohl die ­jüngste Mannschaft aller Zürcher Zweitliga-Teams.»Richard Oswald, Trainer SC Veltheim

«Es war nicht überraschend, dass wir gegen den Abstieg kämpfen mussten», erklärt Oswald. «Denn wir hatten wohl die ­jüngste Mannschaft aller Zürcher Zweitliga-Teams.». Trotz seiner Jugendlichkeit zeichnete sich Veltheim in der Endphase der Saison durch Nervenstärke aus. Gleich zweimal, gegen Greifensee und vor allem im entscheidenden Duell gegen die SV Schaff­hausen schoss Xeno Fresneda das Siegestor in der Nachspielzeit. «Das war kein Zufall, sondern eine Qualität», glaubt Oswald. «Ich führe das auf den aus­ser­gewöhnlichen Zusammenhalt zurück, der diese Mannschaft auszeichnet. Alle hätten auch in der 3. Liga weitergemacht.» Trotz des Fehlstarts in die Saison sei die Mannschaft ­ruhig geblieben. «Da haben wir viel gelernt. Wer so weit unten war, der kommt gestärkt heraus.»

Die gewonnene Erfahrung müsste Veltheim auch in Zukunft helfen. «Die Mannschaft hat Potenzial», ist Oswald überzeugt. «Wenn wir uns so weiterentwickeln, dann liegt nächste Saison ein Rang zwischen 4 und 8 drin.» Und falls das Team zusammenbleibe, «dann reden wir in ein paar Jahren über einen Spitzenplatz».

Phönix und die Konstanz

Einen Spitzenplatz hat Phönix Seen belegt, Rang 2 zum zweiten Mal hintereinander. Damit war Phönix die beste Mannschaft der Region in der 2. Liga und der drittbeste Klub nach dem FCW und dem Seuzach. Gleichwohl steht das seit Jahren von Abramo D’Aversa trainierte Team immer ein wenig in der Kritik, denn man hat stets den Eindruck, es sei mehr möglich an Plus-, dafür weniger an Strafpunkten. So sieht es auch D’Aversa selber: «Mit dem 2. Rang bin ich zufrieden. Aber 15 Punkte Rückstand auf Uster ist zu viel. Das entspricht nicht dem, was wir erreichen könnten. Das sehen auch die Spieler so.»

Die Qualität in seinem Team sei gut, «es stimmt auch die Mischung zwischen Jung und Alt. Aber es fehlt an Konstanz. Uster hatte diese Beständigkeit und ist deshalb verdientermassen auf­ge­stiegen.» Kommt hinzu: Nimmt bei Phönix der Rückstand auf die Spitze zu, so sinkt zuweilen die Motivation. «Die letzten Wochen waren schwierig», meint D’Aversa. Typisch dafür und auch für das Auf und Ab: Am vorletzten Spieltag gewann Phönix beim starken Unterstrass 5:1, davor gegen Bassersdorf 2:1, ehe die Saison mit einem 1:4 gegen das längst als Absteiger feststehende Rümlang beschlossen wurde.

 «Das sind ganz nette Kerle. Aber wenn es nicht läuft, verlieren wir zu schnell die Kontrolle.» Abramo D'Aversa, Trainer Phönix Seen

Erstaunlich ist auch, dass ein spielerisch starkes Team wie Phönix 101 Strafpunkte sammelt. Nur Schwamendingen (116) und Wetzikon (106) hatten in der Gruppe 2 mehr auf dem Kerbholz. Das sei eine «Charakter­sache», findet D’Aversa. Nicht dass seine Spieler einen schlechten Charakter hätten, im Gegenteil. «Das sind nette Kerle, ganz nette Kerle sogar.» Es gebe keine «primitiven» Fouls. «Aber wenn es nicht läuft, verlieren wir zu schnell die Kontrolle. Da sind wir noch zu labil.»

Trotzdem ist D’Aversa guter Dinge, dass es in der kommenden Saison besser läuft, dass ­seine Mannschaft näher an ihr Maximum herankommt. Anlass zu diesem Optimismus gibt ihm die gute Kameradschaft im Team. «Ich bin jetzt schon lange hier. Aber so gut wars noch nie», betont er. Trotzdem sucht er noch ein paar Ergänzungen im Kader. Keine Künstler, «sondern Spieler, die Gras fressen können. Das andere haben wir.»

Bassersdorfer Turbulenzen

Ein Spitzenteam der 2. Liga zu sein ist stets auch das Ziel des FC Bassersdorf. Diesem Selbstverständnis entsprach der 10. Rang nach der Vorrunde natürlich nicht und auch Platz 7 nicht, der es am Ende der Saison war. Wobei man im Falle Bassersdorfs eben nicht nur die Meisterschaft für sich alleine betrachten kann. Denn in Bassersdorf ist der Cup wichtiger als anderswo. Viermal in den letzten fünf Jahren stand es im Final des Zürcher Regionalcups, zweimal gewann es ihn. Das führte beide Male in einem Duell gegen den FCZ im Schweizer Cup. Im letzten Herbst war das sogar im Sechzehntelfinal der Fall, nachdem Bassersdorf in der 1. Runde das oberklassige Taverne ausgeschaltet hatte.

Im Schweizer Cup war also auch 2017/18 eine gute Saison für Bassersdorf. «Aber die Spiele gegen Taverne und den FCZ gingen an die Substanz», analysiert Präsident Serge Caminada. «Deshalb haben wir die Ziele in der Vor­runde­ nicht erreicht.» Im Frühling kam das Aus im Zürcher Re­gio­nalcup dann schon im Achtelfinal. «Emotional war die Saison damit gelaufen», so Caminada.

 «Wir wollen wieder an die Spitze. Das weiss man im Verein, und wir haben auch die Strukturen dafür.»Serge Caminada, Präsident FC Bassersdorf

Für zusätzliche Turbulenzen sorgte im Frühling die zu früh bekannt­ gewordene Verpflichtung Gianni Lavignas als Trainer für die Saison 2018/19, nachdem Marco Tanner seinen Rücktritt angekündigt hatte. Tanner zog sich infolgedessen vorzeitig zurück­. Er dürfte darauf gehofft haben, dass dadurch ein Ruck durch die Mannschaft geht. Das ist eingetroffen, denn unter Inte­rims­coach Michel Fröhlicher resul­tierten 10 Punkte aus den letzten fünf Spielen.

All das will Bassersdorf nun hinter sich lassen. «Wir wollen wieder an die Spitze», sagt Präsident Caminada mit Blick auf die kommende Saison unmissverständlich. «Das weiss man im Verein, und wir haben auch die Strukturen dafür.»

Erstellt: 21.06.2018, 14:57 Uhr

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