FCW

In letzter Sekunde erlöst

Skorer Silvio ist zurück im Team, und er bewahrt den FCW nach 93 Minuten und 50 Sekunden mit dem 1:1 gegen Aarau vor der dritten Niederlage im dritten Saisonspiel.

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Man musste schon ein sehr optimistischer Mensch sein, um noch an einen Punktgewinn des FCW zu glauben. Die Hoffnungen sanken immer schneller gegen null, als die Mannschaft zwar einen Angriff nach dem andern gegen die nur noch verteidigenden Aarauer vortrug, sich aber kaum Torszenen und so gut wie keine klare Torchance herausspielte.

Als die 90 normalen Minuten vorbei waren, schienen die Aarauer auf bestem Weg zu ihrem ersten Saisonsieg. Schliesslich lagen sie seit dem Freistosstor des Koraten Petar Misic in der 36. Minute in Führung.

Die Schützi raste. Vergessen waren die zähen, manchmal langatmigen, fehlerreichen Minuten dieses Spiels.

Aber dann flog nochmals ein weiter hoher Ball Richtung Aarauer Strafraum, getreten tief aus der eigenen Platzhälfte von Matthias Minder, dem Torhüter. Etwa 25 Meter vor dem Tor duellierten sich im Kopfballduell der kleine Aarauer Michael Perrier und der Winterthurer Innenverteidiger Guillaume Katz, der wie alle Teamkollegen weit in der gegnerischen Platzhälfte stand.

Katz gewann das Duell; er gewann es so glücklich, dass der Ball in den Strafraum weiterflog und dort genau in den Lauf Silvios. Der hatte Klasse und Nerven, diese einmalige Chance zu nutzen. Zehn Sekunden vor Ablauf der vierminütigen Nachspielzeit. Angespielt wurde dann zwar noch, aber eine Sekunde danach pfiff der Schiedsrichter ab.

Die Schützi raste. Vergessen waren die zähen, manchmal langatmigen, zwar spannenden, aber auch fehlerreichen Minuten dieses Spiels. Geprägt war es nämlich durch die Verkrampfung beider Teams, denn es waren ja nicht nur die Winterthurer – mit ihren zwei 1:3-Niederlagen – schlecht gestartet, sondern auch die Aarauer mit nur einem Punkt. Das entsprach nicht den Ansprüchen eines Teams, das mindestens in der Spitzengruppe mitmachen will.

Die Aarauer hatten dann nach 36 Minuten den Vorteil der Führung. Misics Freistoss aus 20 Metern war über die Mauer getreten, aus der nicht alle aufsprangen. Und es mag auch schon den einen oder andern Torhüter gegeben haben, der einen solchen Ball hielt. Das 1:0 war den Aarauern in einer ausgeglichenen ersten Halbzeit also mit einem Standard gelungen, die zwei klarsten Chancen aus dem Spiel, ja die einzigen, hatte allerdings der FCW.

Nur nutzte er sie nicht: Nicolas Stettler köpfelte den Ball nach einer Flanke Luca Radices aus allerbester Position übers Tor. Das war schwach. Da stands noch 0:0. Kurz nach dem Gegentor hob Gianluca Frontino einen Freistossball über die Abwehr, ganz hinten stand Karim Gazzetta frei. Aber es war weder Fisch noch Vogel, was er dann tat, weder Flankenball noch, was richtig gewesen wäre, Torschuss.

Jurendics «Knackpunkt»

Anfang zweiter Halbzeit hatte Patrick Rossini, eigentlich der sicherste Torschütze der Aarauer, die erste herausgespielte Chance seiner Mannschaft. Sie war gut, aber Minder machte seine Sache auch gut. Fortan nahmen sich die Aarauer so zurück, dass zwar korrekt war, wie ihr Trainer Marino Jurendic festzustellen, «dass wir nichts mehr zuliessen.»

Aber man konnte mit mindestens so viel Recht auch sagen, die Aarauer hätten in der ganzen zweiten Halbzeit nichts mehr unternommen, sie seien passiver und passiver geworden. Für Jurendic war Rossinis Chance «der Knackpunkt». Wie seine Mannschaft nachher aufgetreten sei, fand er nicht zu passiv. «Unser Ziel war, unbedingt die Null zu halten – und das ist uns auch bis in die 94. Minute gelungen.» Dann sei eben einem Gegner der «Ball auf den Fuss» gefallen.

Man muss es nicht so sehen wie Jurendic. Denn die Aarauer hatten die zwar sehr bemüht, aber auch mühevoll und zäh angreifenden Winterthurer zwar in der Tat meist im Griff. Aber sie setzten sich der Gefahr aus, dass ihnen doch noch irgendetwas widerfuhr, das ihnen den Sieg raubte – auch wenn es eine auch vom Zufall begünstigte Aktion wie dieses 1:1 war.

Die Lockerheit nicht verlieren

Die Aarauer waren eben auch keine selbstbewusste Mannschaft, die das 1:0 als Vorlage zu einem sicheren Sieg genutzt hätte. Sie exisitierten nach Rossinis Chance offensiv nicht mehr, auch Jurendics Wechsel verstärkten die Defensive. Und weil die Winterthurer nie aufgaben, wurden sie belohnt. Keiner kann sagen, dieser Ausgleich sei nicht verdient gewesen, so wenig man auch noch daran geglaubt haben mag.

«Ein hochverdienter Punkt, nach einer kämpferischen Leistung. Wir haben wieder sehr viel investiert.»Umberto Romano, 
FCW-Trainer

Trainer Romano sagte also, dass es «ein hochverdienter Punkt war, nach einer kämpferischen Leistung bis zum Schluss. Wir haben wieder sehr viel investiert.» Das sind die positiven Apsekte, und die hob Romano zu Recht hervor. Aber auch er hatte natürlich «die Verkrampfung» festgestellt, unter der seine Mannschaft nach dem Fehlstart litt. Da half alleine nicht, dass er seinen Spielern vor dem Match nochmals gesagt hatte, «sie dürften die Lockerheit nicht verlieren.» Aber gesagt ist das leicht, dass es der Mannschaft schwer fiel bis unmöglich war, locker zu bleiben, wurde offensichtlicher je länger das Spiel dauerte.

Es gab einige Dinge, die einen weiterhin an dieser Mannschaft zweifeln lassen. Das fehlende Selbstvertrauen beispielsweise, aber das hat sich die Mannschaft mit den beiden 1:3 selbst eingebrockt. Die Problematik, dass das Mittelfeld zurzeit nicht so besetzt ist, um von einem Team sprechen zu können, das in dieser Saison zu einer Überraschung fähig ist.

Romanos System mit drei Innenverteidigern und zwei Aussenläufer benötigt auf den Flanken Spieler, die mehr einbringen als Nicolas Stettler zurzeit tun kann. Er wirkt von allen am meisten durch den Fehlstart gezeichnet, also zu zögerlich, zu wenig selbstbewusst. Aber auch Ljubicic und Yang Ming-Yang im Zentrum müssen mehr bringen.

Der Neue und der Rückkehrer

Positiv war, neben dem Willen, nie aufzugeben, dass der Neue und der Rückkehrer zumindest erste der erwünschten Akzente setzten. Jordi Lopez machte einen wirklich guten ersten Match; noch ein bisschen Zeit und er kann der gewünschte Abwehrchef werden. Neben ihm spielte aber auch Guillaume Katz mehrheitlich gut. Und Silvio schoss, mit seinem einzigen Torschuss, das so wichtige Tor. Er zeigte aber auch schon wieder, dass er besser als jeder Teamkollege im Sturm den Ball halten kann.

Sein Tor war eine Erlösung in letzter Sekunde. Und sein Trainer hofft jetzt, dass dieses Tor, dieser Punkt hilft, den Knoten zu lösen. Aber spielen muss die Mannschaft schon selbstbewusster, soll diese Hoffnung auch war werden.

Aus diesem Tief, das nach diesem Punkt nicht mehr ganz so tief ist wie es nach einer neuerlichen Niederlage gewesen wäre, muss sich die Mannschaft schon selbst befreien. Was die Vereinsführung nicht davon befreit, sich Gedanken zu machen, wer auch noch Abhilfe schaffen könnte.

(Der Landbote)

Erstellt: 08.08.2017, 09:25 Uhr

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