Jetzt weiss auch Mané, dass er gut ist

Der Senegalese trat aus dem Schatten von Mohamed Salah. Heute Abend kehrt er nach Salzburg zurück, wo sein Aufstieg zum Weltklassestürmer begann.

Sadio Mané (27) hat sich bei Liverpool ins Scheinwerferlicht gespielt, und er stillt auch neben dem Rasen Sehnsüchte. Foto: Alex Dodd (Getty)

Sadio Mané (27) hat sich bei Liverpool ins Scheinwerferlicht gespielt, und er stillt auch neben dem Rasen Sehnsüchte. Foto: Alex Dodd (Getty)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Aufnahmen sind verwackelt, sie zeigen zwei Männer und einen Jungen, die eine Toilette in der Al-Rahma-Moschee in ­Toxteth reinigen, einem rauen Quartier in Liverpool. Einer der Männer hat einen Wasserschlauch in der Hand und eine blonde Strähne im Haar.

Ein paar Stunden zuvor ging er an diesem 1. September vergangenen Jahres noch seiner eigentlichen Arbeit nach, er schoss für den FC Liverpool ein Tor zum 2:1 in Leicester. Ein paar Wochen später unterschrieb er einen Vertrag, der ihm bis 2023 jede Woche umgerechnet 240 000 Franken einbringt. Der Mann heisst Sadio Mané.

Mané stammt aus einem Dorf, das Bambali heisst, im Süden Senegals gelegen, nahe der Grenze zu Guinea-Bissau. Es ist ärmlich hier, und Manés Geschichte ist die eines Jungen, der nur ein paar zerrissene Fussballschuhe besitzt, als er auf einem staubigen Platz entdeckt und nach Dakar zum Probetraining in eine ­Akademie geschickt wird. Er hat so viel Talent, dass er nur ein paar Minuten vorspielen muss, um bleiben zu können.

Zwölf Jahre ist das her, jetzt sagt sein Liverpooler Trainer Jürgen Klopp über Mané: «Er ist das komplette Paket.» Bei der letzten Wahl zum Fifa-Fussballer des Jahres sehen das Lionel Messi und Eden Hazard ähnlich, sie geben Mané ihre Stimme. Schliesslich landet er auf Platz 5.

Klopp hat seinen gewichtigen Anteil am Aufstieg des 27-Jährigen zum Spieler der Sonderklasse. Seit dreieinhalb Jahren trainiert er ihn, er ist angetan von seiner Schnelligkeit und seinem Reichtum an spielerischen Tricks, seiner Arbeitsmoral und dem Willen, dem Gegner einen verlorenen Ball wieder abzujagen. Mané hat verinnerlicht, was Klopp will: dass Stürmer nicht nur zum Stürmen da sind, sondern auch zum Verteidigen.

Manés Glanzstück

Letzten Mittwoch liefert er gegen Everton wieder einmal ein Glanzstück seines Könnens. Er fängt einen gegnerischen Corner am eigenen Strafraum ab und leitet den Konter ein, den er nach einem Sprint über den ganzen Platz gleich selbst mit dem 4:1 abschliesst. Zuvor hat er zwei überragende Pässe gespielt, die es Divock Origi und Xherdan Shaqiri schon fast leicht gemacht haben, ihre Tore zu erzielen.

«Was soll ich mit zehn Ferraris, zwanzig Uhren oder zwei Flugzeugen?»Sadio Mané

Mané ist so gut, dass er sich aus dem Schatten von Mohamed Salah gearbeitet hat. Er hat zwar kein eigenes Lied wie der Ägypter, den die Fans vom Kop als ­König verehren. Aber er wird auch so von der Masse getragen.

Das hat zum einen mit seinem Auftreten zu tun. Jüngst hat er auf Twitter geschrieben: «Was soll ich mit zehn Ferraris, zwanzig Uhren oder zwei Flugzeugen? Ich überlebte harte Zeiten, spielte barfuss Fussball, hatte keine Ausbildung. Aber heute kann ich meinen Landsleuten helfen, Schulen und Stadien zu bauen, ich kann ihnen Kleider und ­Essen kaufen. Ich ziehe es vor, das zu verteilen, was mir das Leben ­gegeben hat.»

Und zum anderen lieben ihn die Menschen in Anfield, weil er für den Klopp-Fussball steht und mit seinen Toren dazu beiträgt, dass sich die Liverpooler endlich ihren Traum vom ersten Meistertitel seit 1990 erfüllen können.

Letzte Saison fehlte ihnen nur ein Punkt auf Manchester City, jetzt haben die Reds den Titel­verteidiger schon um vierzehn Punkte distanziert. Ihr erster Verfolger ist das verblüffende Leicester, das nach einer Serie mit acht ­Siegen acht Punkte zurück liegt. Seit dem Sommer 2018 haben sie nur eines von 54 Ligaspielen ­verloren, das war gleich Anfang dieses Jahres bei Manchester City. Diese Saison haben sie erst gegen Manchester United zwei Punkte abgegeben. Mané, Salah und ­Roberto Firmino, der kongeniale Sturmpartner der beiden Afrikaner, sind für sechzig Prozent aller Tore verantwortlich.

«Er brauchte mehr Selbstvertrauen, als er kam.»Jürgen Klopp, Liverpool Trainer

Mané hat einen kontinuier­lichen Aufstieg hinter sich, von Dakar ging es nach Frankreich, zum kleinen FC Metz. Red Bull holte ihn 2012 für 4 Millionen Euro nach Salzburg und bewies einmal mehr sein Gespür für ­Talente. Mané schoss so viele Tore, dass Borussia Dortmund Gefallen an ihm fand. Klopp, ­damals noch in Dortmund tätig, traf Mané zu einem Gespräch und danach einen Entscheid, den er bis heute als Fehler bezeichnet. Er lehnte einen Transfer ab, weil er von Mané nicht überzeugt war.

Mané zog im Sommer 2014 dafür weiter nach Southampton. Zwei Jahre später bekam Klopp die Chance, seinen Fehler zu korrigieren – inzwischen war er in Liverpool gelandet und damit bei einem Club, der Geld genug hat, um sich die richtig guten Spieler zu kaufen. Mané war ihm 32 Millionen Euro wert. «Er brauchte mehr Selbstvertrauen, als er kam», sagt Klopp heute. In all den Jahren, die er nun mit ihm arbeitet, hat er nur eine einzige Kritik gehabt: «Er war der Einzige, der nicht sah, wie gut er ist. Wir alle wissen, dass er Welt­klasse ist. Jetzt beginnt er das selbst zu realisieren.»

Guardiolas Polemik

Jüngst zettelte Pep Guardiola eine Polemik gegen Mané an, das sei ein Spieler, der zu leicht zu Boden gehe, sagte der Trainer von City. Das war ein paar Tage, bevor er mit seiner Mannschaft zum Spiel nach Liverpool fahren musste. Klopp konnte nicht nachvollziehen, dass so über Mané geredet wurde.

Dass er seinen Spieler schützt, ist verständlich, allerdings hat Guardiola einen Punkt getroffen. Mané hat sich dann und wann leicht fallen lassen. «Ich werde mein Spiel nicht ändern», entgegnete er Guardiola und antwortete auf dem Platz mit einem Tor beim 3:1 gegen City. Guardiola zog seine Kritik übrigens schnell wieder zurück.

57 Spiele für Club und Land hat Sadio Mané in diesem Kalenderjahr bereits bestritten. Das 58. folgt heute Dienstag, wenn er zumindest für einen Abend zurück in Salzburg ist. Für Liverpool geht es darum, sich aus eigener Kraft für die Achtelfinals der Champions League zu qualifizieren. Einen Punkt braucht es dafür. Das sollte eigentlich Formsache sein.

Erstellt: 10.12.2019, 15:23 Uhr

Artikel zum Thema

«Was soll ich mit 10 Ferraris und 20 Diamantuhren?»

Champions-League-Sieger Sadio Mané versteht den Konsumwahn der Fussball-Millionäre nicht. Er unterstützt lieber afrikanische Familien. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles