Winterthur

Jürgen Seeberger muss gehen

Nach zwei Niederlagen in Folge, nach dem Abrutschen auf Platz 9 der Challenge League hat der FCW die Geduld verloren. Er hat Trainer Jürgen Seeberger nach knapp anderthalb Jahren und zwei Spiele vor Ende der Vorrunde entlassen.

Nach weniger als eineinhalb Saisons geht die Zeit Jürgen Seeberger als Trainer des FCW zu Ende.

Nach weniger als eineinhalb Saisons geht die Zeit Jürgen Seeberger als Trainer des FCW zu Ende. Bild: Heinz Diener

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Seeberger stand gestern Nachmittag auf dem Trainingsplatz hinter der Haupttribüne der Schützenwiese. Danach war er mit der Mannschaft pflichtschuldigst an einer Autogrammstunde an der Winterthurer Messe.

Enttäuscht, aber nicht überrascht

Aber er wusste, was ihm von der Vorstandsitzung drohen konnte, die auf frühen Abend anberaumt war. Er wusste, dass – zwei Tage nach der Niederlage in Wohlen – das Thema Trainer auf der Traktandenliste stand. Wie schon zwei Wochen zuvor, nach der Niederlage gegen den FC Schaffhausen.

Also hat ihn wohl enttäuscht, aber nicht mehr wirklich überrascht, was er – an den Sitzungsort aufgeboten – schliesslich zu hören bekam: «Ich bin entlassen, der Verein hat die Geduld verloren», sagte er danach, auf der Fahrt heim nach Konstanz. Im Verein – und vor allem beim fürs Sportliche zuständigen Wolfgang Vöge – hat sich die Meinung erhärtet, dass er Mannschaft in der aktuellen Konstellation nicht mehr zugetraut werden könne, in den letzten beiden Spielen des Jahres – am Samstag in Chiasso, eine Woche später daheim gegen den FC Biel – Punkte im Abstiegskampf zu holen.

Denn dass im Abstiegskampf stecke, wer Zweitletzter ist, das ist offenbar die Meinung. Der Trainer sieht da eher die sehr knappe Marge von zwei Punkten bis zum Vierten. Und der hiesse FC Winterthur, wenn das Spiel in Wohlen gewonnen hätte. Er wäre gar Dritter, wenn er auch gegen den FC Schaffhausen gewonnen hätte. Allein, er hat beide Matches verloren, gegen Schaffhausen schlecht gespielt, in Wohlen schlecht begonnen.

Erstes Viertel war das Beste

Seeberger hat seine Amtszeit im Juli 2014 mit einem 4:0 gegen den FC Wil begonnen. Sein erstes Meisterschaftsviertel sollte, wie man mittlerweile weiss, mit Platz 3 und 16 Punkten aus neun Spielen das beste seines Wirkens auf der Schützenweise bleiben. Obwohl er den Job doch erst zehn Tage vor Saisonstart von Boro Kuzmanovic übernommen hatte. Man kann nach fast fünf weiteren Vierteln mit 12, 11, 14, nochmals 11 und schliesslich mit 8 Punkten aus sieben Spielen sagen, die Tendenz sei grundsätzlich negativ gewesen.

Es lässt sich auch nicht abstreiten, dass Seeberger es in dieser Saison nicht schaffte, die gewünschte Konstanz in die Leistungen zu bringen. Es gab mal – ab der 3. Runde – den ersten Ansatz von drei (Auswärts-)Siegen in einer Woche, dar­un­ter im Cup in Delsberg. Und es gab – bis Mitte Oktober – nochmals eine Zeit von fünf Spielen ohne Niederlage, dar­un­ter den Cupmatch gegen Biel. Aber seither fiel die Mannschaft wieder zurück, die beiden Niederlagen gegen Schaffhausen und Wohlen liessen nun das Fass überlaufen – zumindest aus Sicht des Vorstands. Und in der Tat stellte der Trainer nicht immer klarlinig auf, wechselte er nicht immer klarlinig aus.

Zu wenig Unterstützung

Man muss das nicht sehen wie die Vereinsführung. Man kann sagen, es sei ganzheitlich keine gute Leistung des Klubs, sich im ersten Halbjahr nach dem Rücktritt des langjährigen Präsidenten Hannes W. Keller in den profanen Kreis jener Vereine einzureihen, die Trainer vorzeitig entlassen. Zu diesem Kreis hatte er ein Jahrzehnt lang nicht angehört, was grundsätzlich positiv war.

Man muss auch eindeutig feststellen, dass es dem Trainer zunehmend an klarer Unterstützung von oben fehlte. Das hat auch zur Entwicklung beigetragen, die dann zu Resultaten führte, die als Begründung für die Verabschiedung herbeigezogen wurden. 1,57 Punkte pro Spiel sind natürlich kein Spitzenwert aus diesen knapp anderthalb Meisterschaften. Aber selbst die 1,2 Punkte aus dieser Saison sind nicht der Schnitt eines künftigen Absteigers. Allein, die ihm hätten Vertrauen sollen, vertrauten Seeberger nicht mehr. Sie wollten es einfach nicht mehr.

Zuerst interne Lösung?

Was die Mannschaft betrifft, mag es Spieler gegeben haben, die sich mindestens zwischenzeitlich mit dem Trainer schwertaten – wie das allenthalben vorkommt. Für einen altgedienten Captain wie Patrick Bengondo beispielsweise war schwer verdaulich, sich auf die Ersatzbank setzen zu müssen – auch wenn das leistungsmässig sicher zu begründen war. Aber dass die Mannschaft gar gegen den Trainer gespielt hätte – das liess sich mit Sicherheit nicht sagen. Auch am Montag in Wohlen nicht. Da mag die erste halbe Stunde unzureichend gewesen sein. Aber die Reaktion dar­auf war nicht die einer Mannschaft, die nicht will.

Fakt ist aber auch, dass der FCW nach knapp der Hälfte der Saison nicht annähernd dort stand, wo er – und auch der Trainer – stehen wollte. Noch zwei Spiele bleiben, eine erste Korrektur anzubringen – ehe dann mit einem neuen Trainer das Frühjahr angegangen wird. Wer am Samstag in Chiasso auf der Bank sitzt, ist noch nicht offiziell. Es ist aber von einer internen Lösung auszugehen. (Landbote)

Erstellt: 26.11.2015, 08:44 Uhr

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