Fussball

Kein 1:4, aber doch eine Niederlage

Das nächste 1:4 in Neuenburg, wie es dem Gesetz der Serie entsprochen hätte, blieb dem FCW erspart. Aber auch ein 1:2 ist eine weitere Auswärtsniederlage gegen Xamax.

Das Nachsehen hatte der FCW (links Kwadwo Duah) gegen die Neuenburger (Janick Kamber).

Das Nachsehen hatte der FCW (links Kwadwo Duah) gegen die Neuenburger (Janick Kamber). Bild: Christian Galley

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Eine Niederlage mit einem Tor Differenz beim souveränen Tabellenführer, ist natürlich kein Debakel. Und man könnte auch sagen, es spreche für einen Tabellenneunten, wenn der souveräne Leader gegen ihn bis zur letzten Sekunde um den budgetierten Heimsieg zittern muss. Aber die Wahrheit um den FCW ist eine andere: Zum wiederholten Mal erreichte er auch im letzten Match eines insgesamt enttäuschenden Jahres, vor allem eines enttäuschenden Herbsts nicht, was er hätte erreichen können. Man kann gar sagen: Was er hätte erreichen müssen. Wenn dann Umberto Romano, der Trainer des FCW, all diesen Spielen, die sich oft so ähnlich sind, spricht, dann hört man immer wieder dasselbe. Gestern tönte es so: «Es ist das nächste Spiel, in dem für uns etwas drin lag – und wir packten es nicht.» Und: «Wir begehen einfach immer wieder dieselben Fehler.» Oder: «Wir schlagen uns immer wieder selbst.»

Ein Geschenk verschmäht

Gestern wählten die Winterthurer immerhin eine neue Variante: Sie verloren erstmals in dieser Saison ein Spiel, in dem ihnen das 1:0 gelungen war. Und sie setzten diese Variante fort, indem sie ein Geschenk, das ihnen der Gegner gemacht hatte, vornehmst zurückgaben. Man könnte auch sagen: einfach verschmähten. Nach gut fünf Minuten waren die Winterthurer nämlich in Führung gegangen. Janick Kamber, der U17-Weltmeister, der zurzeit bei Xamax der Linksverteidiger erster Wahl ist, spielte einen zu kurzen Pass Richtung des eigenen Torhüters; Robin Huser, wie Kamber ein ehemaliger Nachwuchsspieler des FC Basel, spritzte dazwischen, überlief den Torhüter Laurent Walthert und schob den Ball zum 1:0 über die Linie.

Aber schon ein paar Minuten später stands 1:1 – diesmal profitierten die Neuenburger von einem kapitalen Fehler des Gegners; einem Fehler vom Ausmass, das jenem Jordi Lopez‘ beim entscheidenden Tor des FC Schaffhausen vor einer Woche ziemlich nahe kam. Eine flache Hereingabe «stoppte» Denis Markaj so (oder wollte er den Ball zu Goalie Matthias Minder zurückspielen?), dass seine Aktion zur idealen Vorlage für den 18-jährigen Lirido Mulaj wurde. Der Teenager, der erstmals in der Liga in der Startelf stand, brauchte den Ball zu seinem ersten Tor in der Meisterschaft aus fünf Metern nur noch ins Tor zu schieben.

Und schon nach 24 Minuten waren die Neuenburger dort, wo sie sein wollten – in Führung. Es musste ja so sein, dass Raphael Nuzzolo zu seinem nächsten Tor kam – zum 16. in dieser Vorrunde. Vor allem aber war es sein 13. in acht Spielen. Es passte zu seiner aktuellen (Glücks-)Strähne, dass sein Weitschuss aus gut 20 Metern nie und nimmer den Weg über Minder hinweg in die weitere Torecke gefunden hätte, wenn er nicht von Tobias Schättin abgelenkt worden wäre.

Eistanz ohne Tore

Schon bald danach setzte Schneefall ein, der dem Anlass einiges an spielerischer Qualität raubte, dafür den Zufall zunehmend regieren liess. Zwischendurch wurde man an Eishockey zu Zeiten offener Eisbahnen erinnert, als der Schiedsrichter den Match zweimal – kurz vor der Pause und nach einer Stunde – unterbrach, um die Linien säubern zu lassen. Der erste Unterbruch, in der 44. Minute, war vom Zeitpunkt her allerdings eher grotesk. Dass mit einen schwarzweissen Ball begonnen und mit einem orangen ab der 35. Minute weitergespielt wurde, gehörte dazu.

Das Spiel wurde geradezu zu einem Eistanz. Aber, Zufall hin oder her, zu einem ohne Tore. Es blieb beim 2:1, weil die Neuenburger in der Endphase zwei, drei klare Torchancen nicht zur Siegsicherung nutzen konnte. Mal wehrte Minder gut ab, mal landete der Ball wie Rechtsverteidiger Mike Gomes am Pfosten des FCW-Tores; mal schoss Max Veloso aus allerbester Position daneben. Über diese Szenen hätten sich die Neuenburger zweifelsfrei erheblich geärgert, hätte der FCW in der feldmässig klar überlegen gestalteten Endphase noch ausgeglichen.

Aber diesen Ausgleich brachten die Winterthurer nicht zustande, obwohl Romano in der letzten halben Stunde nach und nach «alles aufs Feld geschickt hatte, was offensiv war». Ab der 77. Minute und bis zum Ende der achtminütigen Nachspielzeit stellte der FCW auf eine Dreierabwehr um. Mit Dario Ulrich als rechtem Aussenläufer anstelle des Verteidigers Markaj sollte das Angriffsspiel beispielsweise verstärkt werden. Es reichte eben zu einer optischen Dominanz. Es flogen insgesamt neun Eckbälle in den Neuenburger Strafraum, aber von einer klar herausgespielten Torchance war nicht zu reden. Kwadwo Duah beispielsweise, der wieder mal eine Chance in der Startelf stand, machte eben Aktionen, die vielversprechend hätten werden können, einfach nicht fertig. In dieser Verfassung kann ihn Romano im Frühjahr nicht wieder beginnen lassen. So dürfte auch YB-Chefscout Stéphane Chapuisat die Leistung der YB-Leihgabe des FCW beurteilt haben.

Keiner überzeugend

Andere waren zwar besser als Duah. Aber die Wertung «gut» oder gar «überzeugend» verdiente sich bei allem Einsatz keiner. Die Abwehr litt unter diversen Patzern, vor allem jenem Markajs. Das Mittelfeld, diesmal wieder mit Captain Luca Radice, ist nicht von der Qualität, ein Spiel bestimmen zu können. Und im Angriff bot neben Duah auch Kofi Schulz zu wenig. Silvio wurde nie in Abschlussposition gebracht.

So gesehen war es schon fast ein Zufall, dass der FCW ein Tor schoss. Es war – leider – wieder mal kein Zufall, dass er mit Eigenfehlern Gegentore provozierte. Und mag sein Spiel zwischendurch optisch auch sehenswert gewirkt haben, es war wieder mal – in den beiden Strafräumen – in jenen Momenten zu wenig effizient, die einen Match entscheiden. «Ihr habt halt einfach auch kein Glück», sagte Xamax-Trainer Michel Decastel zu seinem ehemaligen Spieler Romano vor dem Spiel. Aber von fehlendem Glück ist nicht zu reden, wenn man Tore kassiert wie vor einer Woche das 0:1 gegen Schaffhausen oder gestern dieses 1:1.

Also muss einem die grausame Bilanz von nur zwölf Punkten aus einer ganzen Vorrunde nicht wundern. Und sollte der FC Wil am Montag in Schaffhausen gar gewinnen, überwintert der FCW als Letzter. Xamax aber kann sich den Rest der Runde in Ruhe anschauen. Es geht mit mindestens acht Punkten Vorsprung in die Pause. (Der Landbote)

Erstellt: 08.12.2017, 23:40 Uhr

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