Winterthur

Kein gutes Jahr, ein «Umbruch» soll helfen

Der FCW beendet heute mit dem Heimspiel gegen Chiasso ein Fussballjahr, das kein gutes war. Das gilt, ob er nun Fünfter oder Sechster wird – so oder so mit rund 20 Punkten Rückstand auf Lausanne-Sport, den Aufsteiger.

Einer der besten Goalies der Liga: David von Ballmoos ist ein sicherer Wert im FCW-Tor.

Einer der besten Goalies der Liga: David von Ballmoos ist ein sicherer Wert im FCW-Tor. Bild: Heinz Diener

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Es ist heute nochmals Patrick Bengondo zu sehen, der langjährige Publikumsliebling, der zu allen fünf Auswärtssiegen gegen Chiasso seit seiner Rückkehr zum FCW im November 2011 das entscheidende Tor geschossen hat. Man kann auch wieder mal erwähnen, es gehe für die Winterthurer immer noch um die Prämien, die ab Platz 5 ausbezahlt werden und pro Mann doch ein paar Tausend Franken ausmachen. Die Lage ist diese: Der FCW muss gewinnen und der FC Schaffhausen in Aarau verlieren – in jedem andern Fall ist der FCW nur Sechster.

Was die sportliche Bilanz betrifft, wird sie durch diese letzte mögliche Retusche am Klassement nicht mehr beeinflusst. So oder so ist zu sagen, der FCW habe eine unbefriedigende Saison hinter sich. In der er nie die erforderliche Konstanz erreichte und in der er erstmals seit über einem Jahrzehnt während der Meisterschaft den Trainer wechselte. Unter Jürgen Seeberger waren im Herbst acht Punkte aus vier Spielen die beste Serie gewesen, unter Nachfolger Sven Christ waren es – in der zweiten Aprilhälfte – sieben Punkte aus drei Spielen. Zwischendurch gabs ja den Doppelsieg des interimistischen Duos Umberto Romano / Dario Zuffi, das den FCW auf Platz 3 überwintern liess.

Kein richtiger Zug im Verein

Es war aber, nach der Rücktrittsankündigung des langjährigen Präsidenten Hannes W. Keller im vergangenen Sommer, auch kein Jahr, in dem der Verein nennenswerten Zug entwickelte, eine neue Lösung zu finden. Neue Geldgeber zu akquirieren. Der FCW ist auch noch immer ohne Präsidenten, es hat sich aus dem bisherigen Vorstand keiner profiliert, sämtliche 100 Prozent der Aktien liegen weiterhin bei «HWK». Was allerdings nicht in Frage kommt, ist ein Verkauf des Vereins an ausländische Investoren. Was weiterhin reibungslos funktioniert: das Alltagsgeschäft, verantwortet von Geschäftsführer Andreas Mösli.

Aber es ist natürlich so, dass die von Keller im Sommer 2015 nochmals abgegebenen Finanzgarantien nur noch bis Sommer 2017 greifen. Es naht also die Zeit, spätestens wenn es Anfang 2017 um die neue Lizenz geht, da es nicht mehr im selben Stil weitergeht. Umso wichtiger wäre, käme die Vereinbarung mit dem FC Wil über die Nachwuchsarbeit einigermassen zeitnah zustande. Sie wäre finanziell interessant.

Der Trainer und die «Mentalität»

Weil die Finanzlage so ist, wird auch eher zurückhaltend geplant, wenns ums Personal geht. Trainer Christ hat sich bei Amtsantritt im Januar wohl eine erfolgreichere, eine mehr von seinem Wirken geprägte Rückrunde vorgestellt. Was aber auch er, wie seine Vorgänger, feststellen musste: Es fehlt dieser Mannschaft – ja irgendwie dem ganzen Verein – an der «Winnermentalität». Die «Mentalität» sei das Problem, das er nach Niederlagen immer wieder festgestellt habe, sagt (auch) Christ. Also habe er daraus die Erkenntnis gewonnen: «Es braucht einen Umbruch.» Den möglichst konsequent umzusetzen ist nun sein Ziel.

Er hat ja nach seinem Scheitern in Aarau analysiert, dass er seine Forderungen zu wenig durchsetzte – und dann an den Resultaten einer Mannschaft gemessen wurde, die nicht oder doch zu wenig die «seine» war. Das soll ihm in Winterthur nicht wieder passieren.

Hier ist die Lage so, dass sich Christ entschieden hat, künftig auf den langjährigen Platzhirsch Bengondo zu verzichten. Es ist auch zu hören, er habe Marco Mangold erklärt, der spiele in seinen Planungen keine bedeutende Rolle mehr. Es verlassen die Leihspieler Ramon Cecchini und Claudio Holenstein den Klub wieder, es erhält Marco Köfler nach enttäuschendem Frühjahr keinen Vertrag mehr. Wolfgang Vöge, fürs Spielerpersonal zuständig, sagt, Genc Krasniqi könne den Verein verlassen, wenn er wolle. Und dass es vielleicht auch für Jung-Verteidiger Jan Elvedi besser sei, wenn er sich anderswo versuche.

Sead Hajrovic und Tunahan Icek sollen gehalten werden, aber sie testen den Markt. Bisher einziger fixer Zugang ist Kreso Ljubicic, zuletzt Captain in Biel, im Rahmen des Umbruchs ausersehen, eine Leaderfunktion im Zentrum zu übernehmen. Für die Abwehr gilt der ehemalige FCW-Spieler Pascal Thrier als Kandidat, mit dem sie in St. Gallen offenbar nicht mehr planen.

Zwei weitere Fussballer für die Offensive müssen auf jeden Fall hinzukommen. Denn mit Bengondo ist der beste Skorer früherer Jahre, mit Christian Fassnacht der beste der Saison nicht mehr da. Immerhin, João Paiva dürfte dem Klub erhalten bleiben – möglicherweise in Kombination aus Standy-by-Profi und Juniorentrainer. Seine Leistungen rechtfertigen jedenfalls eine Weiterverpflichtung.

«Was die Stürmer anbetrifft», sagt Christ, «bin ich überhaupt nicht nervös.» Aber er weiss natürlich: Die nächste ist «seine» Saison – an deren Ergebnis wird er gemessen. (Landbote)

Erstellt: 27.05.2016, 09:27 Uhr

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