Fussball

Kein Spektakel, aber ein guter Sieg

Der FCW setzte die Reihe seiner Vorträge solider Arbeit fort und wurde mit einem 1:0 gegen den FC Vaduz belohnt. Das Tor fiel früh, der Sieg entsprach dem Plus an klaren Torchancen.

Mit einem energischen Antritt leitete Roman Buess (links) den einzigen Treffer des Spiels ein. Nuno Da Silva erzielte dabei sein erstes Ligator für den FCW.

Mit einem energischen Antritt leitete Roman Buess (links) den einzigen Treffer des Spiels ein. Nuno Da Silva erzielte dabei sein erstes Ligator für den FCW. Bild: Nathalie Guinand

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Es war ein Jahrestag. Auf den Tag genau ein Jahr nach dem Brand des Wurststandes bei der Haupttribüne, der den Beginn des Spiels gegen … Vaduz um eine Stunde hinauszögerte. Der FCW gewann dann nach zähem Kampf 2:1 und war danach erstmals seit sechs Jahren wieder Leader, wenn auch nur für 24 Stunden. Dazu reichte das samstägliche 1:0 zwar nicht, und der FCW hat nach elf Runden auch zwei Punkte weniger als vor einem Jahr. Aber insgesamt ist manches wieder in Ordnung: Der Wurststand ist mittlerweile ersetzt, durch einen allerdings auch mehrere zehntausend Franken teuren Bau, der an ein Chalet gemahnt. Und sportlich scheint die Mannschaft allmählich zu gewünschter Konstanz zu finden.

Es war, wie sich Trainer Ralf Loose, der «Vaduzer» des FCW, ausdrückte, «das erwartet schwere Spiel gegen eine gute Vaduzer Mannschaft.» Es war ein nächster Hinweis, dass Looses Winterthurer auf dem Weg sind, nicht nur an Festtagen wie einem Spiel gegen die Grasshoppers oder einem Cupmatch vor 8000 gegen St. Gallen zu starken Leistungen fähig zu sein. Sie treten neuerdings so auf, als könnten sie gleichsam auch den Alltag meistern. Und das mit guter Arbeitseinstellung und Laufbereitschaft. Ein Spektakelstück war der Auftritt gegen Vaduz gewiss nicht, aber eben eine kämpferisch gute, taktisch disziplinierte Darbietung. Mehr nicht, aber immerhin.

Ein Stück Resultatfussball

Auf dem Weg, eine auf Dauer gute Saison zu bieten und das auszuspielen, was man dieser offensiv vorteilhaft besetzten Mannschaft eigentlich zutraut, ist es sehr wohl erlaubt, über Resultatfussball die richtige Richtung zu finden. Denn Resultatfussball ist, was der FCW in diesem Heimspiel bot und vor der Länderspielpause in Lausanne. Die Ergebnisse lassen sich sehen, als Schritte Richtung Konstanz sind jedenfalls diese Fakten zu werten:

Der FCW ist nun zweimal in Folge ohne Gegentor geblieben – erstmals wieder seit über einem halben Jahr, seit einer Heim-Doublette gegen Vaduz und Rapperswil-Jona im Februar. Er hat aus den letzten vier Spielen zehn Punkte geholt, was die beste Serie ist seit einem Jahr. Und er hat in dieser Zeit nur ein Gegentor kassiert, was gar die beste Quote ist seit fast sechs Jahren, seit der Zeit, als der Trainer noch Boro Kuzmanovic hiess. In Lausanne war eine ausgesprochen defensive Ausrichtung naheliegend, schliesslich war der Gegner der Aufstiegsfavorit und die offensiv stärkste Mannschaft, die überdies den FCW mit einem 6:0 Anfang August auf der Schützenwiese ziemlich verwundet hatte. Auch gegen den FC Vaduz «passten wir uns dem Gegner an», wie Loose sagte. Also wurde weitgehend auf «frühes Anlaufen» oder ein «Pressing» verzichtet, gegen einen Gegner, mit drei Innenverteidigern und zahlenmässig starkem Mittelfeld.

In den ersten Minuten wirkte der FCW zwar nicht, als verstehe er die taktischen Absichten seines Trainers. Aber das änderte sich schon bald, mit dem 1:0 in der 11. Minute. Nach einem Ballgewinn Ousmane Doumbias nahe des eigenen Strafraums setzten die Winterthurer zu einem erstklassigen Angriff an – über Roman Buess, der energisch antrat, manchen Meter hinter sich brachte und dann seinen schnellen Teamkollegen Nuno Da Silva auf den Weg Richtung Tor schickte. Den machte der Vaduzer Abwehrspieler Pius Dorn frei, denn er schlug neben den Ball. Nuno Da Silva nutzte seine Chance souverän. Es war sein erstes Ligator für den FCW, im Cup hatte er schon zum 1:0 gegen YF Juventus und, besonders wertvoll, zum 2:0 gegen St. Gallen getroffen. Gegen Vaduz hätte er allerdings nicht in der Startelf gestanden, wäre Captain Davide Callà einsatzbereit gewesen. Diese entscheidende Szene war ein perfekter Konter, im modernen Sprachgebrauch heisst das «Umschaltspiel»…

Die «vielen» Vaduz-Chancen

Damit hatte der FCW sehr viele Vorteile für sich, und je länger das Spiel dauerte, desto besser spielte er sie aus – mal abgesehen davon, dass er seinem Publikum das beruhigende 2:0 bis zum Schluss vorenthielt. Die Vaduzer griffen fortan mehrheitlich an. Sie fuhren hinterher ins «Ländle» zurück in der weit verbreiteten Meinung, eigentlich die «bessere Mannschaft» gewesen zu sein und viele Torchancen besessen zu haben. Dorn sagte gar: «Wir hatten doch Chancen für drei Spiele.»

Bei genauerem Hinsehen aber stellte man – wie Loose – fest: «Die klaren Chancen hatten wir.» Die Vaduzer setzten zwar immer wieder zu Schüssen an, aber sie trafen das Tor nur wunderselten – nicht einmal Milan Gajic, der doch als guter Schütze vor allem bei Freistössen gilt. Torhüter Raphael Spiegel wurde jedenfalls nicht überfordert. Zur schwierigsten Parade zwang ihn, nach gut einer halben Stunde, Tunahan Cicek mit einem Flachschuss aus knapp zehn Metern. Aber einer vom Format Spiegels wehrt so einen Ball einfach ab.

Cicek übrigens erhielt von Loose das Lob, «dass er so gut spielte wie ich ihn nie sah in den Heimspielen, die ich besuchte.» Allein, auch Cicek konnte nichts erzwingen. Dennoch war erstaunlich, dass ihn Trainer Mario Frick eine Viertelstunde vor Schluss auswechselte. Als Winterthurer sah man das gerne, wie überhaupt zu sagen war, die vier Vaduzer Offensivwechsel hätten nichts gebracht, im Gegenteil.

Das 2:0 «verschenkt»

Der FCW aber verteidigte gut, von rechts bis links, dazwischen mit dem Ex-Vaduzer Mario Bühler, der bei hohen Bällen hilfreich war, sich allerdings kurz vor Schluss einen Faux-pas leistete. Es stand die Doppelsechs mit Doumbia und mit Granit Lekaj, der in dieser defensiven Ausrichtung seine Stärken besonders ausspielen kann. Loose allerdings bemängelte, «dass wir manchmal, vor allem in der ersten Halbzeit, in unserem Spiel noch zu wenig ruhig waren.» Da wäre förderlich gewesen, hätte seine Offensive wenigstens eine der zwei «sicheren» Chancen zum 2:0 genutzt – Chancen, wie sie die Vaduzer im ganzen Spiel nicht hatten.

So kam Buess eine Viertelstunde vor Schluss nach einem Ausrutscher des Verteidigers Yannick Schmid ganz alleine vor Goalie Benjamin Büchel an den Ball. Aber er schoss diesen einfach an – es war nicht die Szene eines Skorers. Buess war an diesem Tag ohnehin eher der mannschaftsdienliche Vorbereiter, beim Tor und ein paar Minuten vor Schluss mit einem weiten Diagonalpass auf Luka Sliskovic. Dessen Flanke zurück in die Mitte lenkte Luca Radice dann aus drei Metern an die Latte. Das waren die Gründe, warum die Vaduzer bis zuletzt an einen Punktgewinn glauben konnten. Und man hat ja auch schon oft gesehen, dass bestraft wird, wer es bei nur einem Tor belässt…

Klar ist auch, dass in einer Woche gegen den Tabellenletzten Chiasso eine andere taktische Ausrichtung erforderlich sein wird – es sei denn, man erzwinge wieder eine frühe Führung. Klar ist aber auch, dass das ohne den bisher besten Skorer geschehen muss. Luka Sliskovic ist, wegen Reklamierens zum vierten Mal verwarnt, gesperrt.

FC Winterthur – FC Vaduz 1:0 (1:0)

Schützenwiese. – 2800 Zuschauer. – SR Gianforte. – Tor: 11. Nuno Da Silva 1:0.

FCW: Spiegel; von Niederhäusern, Bühler, Hajrovic, Schättin; Lekaj, Doumbia; Radice (91. Mahamid), Sliskovic (93. Roth), Nuno Da Silva; Buess. – Vaduz: Büchel; Sülüngöz, Schmid, Simani; Dorn, Prokopic, Gajic, Lüchinger (55. Milinceanu), Antoniazzi (68. Schwizer); Cicek (72. Gomes); Sutter (65. Coulibaly).

Bemerkungen: FCW ohne Callà (krank), Hamdiu, Saliji und Liechti (alle U21); erster Einsatz Roths seit dem 21. August 2017. – Vaduz ohne Wieser, Drazan, Noah Frick (verletzt) und Sele (nicht im Aufgebot); Milinceanu nach seiner Einwechslung zusätzliche Sturmspitze. – 86. Kopfball Radices an die Latte. – Verwarnungen: 25. Sülüngöz (Foul). 76. Sliskovic (Reklamieren; fürs Spiel gegen Chiasso gesperrt). 90. Schmid (Foul). 92. Schwizer (Unsportlichkeit). – 76. Rote Karte für den FCW-Konditionstrainer Breitenmoser (Reklamieren). – Schiedsrichterleistung mit Sicherheit nicht der Challenge League angemessen.

Erstellt: 20.10.2019, 17:49 Uhr

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