FC Winterthur

Nach oben oder nach unten

Nach einem Heimsieg gegen Chiasso stünde der FCW in der oberen Tabellenhälfte. Nach einem Misserfolg würde er weiterhin unten drinhängen. Es wird auf der Schützi also eine Weiche gestellt.

Seit seiner Rückkehr ins Team ist Silvio enorm wertvoll – im eigenen und im gegnerischen Strafraum.

Seit seiner Rückkehr ins Team ist Silvio enorm wertvoll – im eigenen und im gegnerischen Strafraum. Bild: Heinz Diener

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Platz 7, hinter den eigentlich als Abstiegskandidaten betrachteten FC Chiasso und Neuling FC Rapperswil-Jona – das ist nach sechs Runden natürlich nicht, was sie sich beim FCW vom Saisonstart versprachen. Erschwerend könnte hinzukommen, dass in den letzten beiden Runden des ersten Viertels die Topteams aus Schaffhausen und Neuenburg die Gegner sind. Umso wichtiger fürs aktuelle Bild von der Mannschaft ist der Match heute gegen den FC Chiasso – obere oder untere Tabellenhälfte sind die Varianten, die geboten werden.Grund zur Kritik gab es in den ersten Meisterschaftswochen, Anlass zur Hektik musste das nicht sein. Denn es ist doch so: Der FCW verlor die ersten beiden Spiele gegen die Aussenseiter aus Wohlen und Rapperswil-Jona nicht zuletzt deshalb, weil sein Paradestürmer Silvio und sein neuer Abwehrchef Jordi Lopez fehlten. Seit die beiden wieder mittun, ist die Bilanz ordentlich. Fünf Punkte aus den vier Spielen gegen Aarau (1:1), in Vaduz (2:2), gegen Servette (0:2) und in Wil (2:0) waren dann ein passabler Ertrag. In Vaduz wäre mehr möglich, gegen Servette mehr verdient gewesen.

Silvios starke Rolle

Auffallend war vor allem, was Silvio seit seiner Rückkehr bot – nachdem das Techtelmechtel mit dem FC Wil beendet war. Drei von fünf FCW-Toren seither schoss er, allesamt entscheidend. Hinzu kam die Teamarbeit, die er leistete. Wie seine Hilfe bei gegnerischen Standardbällen im eigenen Strafraum, die in aller Regel auf seinem Kopf landen. Auch Jordi Lopez lieferte solide Arbeit, mit leicht ansteigender Tendenz. Umso ärgerlicher ist, dass er heute aussetzen muss – wegen Rückenbeschwerden.

Obwohl die Leistungskurve grundsätzlich nach oben zeigt, musste die Länderspielpause auch dazu dienen, einige Gespräche in der sportlichen Leitung zu führen, die Irritationen zu beseitigen helfen sollten. Dass das gelungen ist, ist zu hoffen. Aber so oder so ist die Personalpolitik stetig im Fluss. Seit dem Match in Wil ist Mittelfeldspieler Yang Ming-Yang zu den Wolverhampton Wanderers weitergezogen und hat sich JungverteidigerJulian Roth so schwer verletzt, dass er monatelang ausfällt. Sein Kreuzbandriss wird am 18. September operiert. Also wird nach Alternativen geforscht. Eine ist Ousmane Doumbia (25), zweifelsfrei Challenge-League-tauglicher Mittelfeldspieler von der Elfenbeinküste und jüngerer Bruder des ivorischen Nationalstürmers Seydou Doumbia. Er hat nun zwei Tage auf der Schützi trainiert, sein Vertrag mit Servette ist ausgelaufen. Die Option auf eine Verlängerung wurde nicht gezogen, nachdem er wegen einer Hüftoperation ausgefallen war. Aber er hat zuletzt mit Servette wieder trainiert. Jetzt gilt es, die Konditionen abzuklären.

Hängepartie mit Frontino

Es werden heute aber nicht nur Lopez und Roth fehlen sowie Leandro Di Gregorio, der zwar weiterhin trainiert, aber in den Planungen des Trainers Umberto Romano keine Rolle mehr spielt. Es fehlt auch Gianluca Frontino, der in den ersten vier Runden im Schnitt bester Mann war, im fünften Match – gegen Servette – nur für einen Teileinsatz fit war und danach in Wil aus disziplinarischen Gründen fehlte. Jetzt plagen ihn Kniebeschwerden. Dennoch ist zu sagen, Frontino und der FCW spielen eine Hängepartie – mit offenem Ausgang.

Doumbia ist also eine Alternative, allerdings für Yang. Für die Defensive gibts Kandidaten. Und im Kader steht heute einer, der vor zehn Tagen geholt wurde und beim Blitzturnier in Uster einen vielversprechenden Einstand gab. Es ist der 19-jährige Dario Ulrich aus der U21 des FC Luzern, ein Mann für alle Rollen auf der rechten Flanke. Es ist offen, ob er heute gar beginnt. Immerhin, Nicolas Stettler, bisher sechsmal die Nummer 1 als rechter Aussenläufer und zuletzt in Wil mit einem ersten Assist, hat eine positive Erfahrung hinter sich: In der U21-Nationalmannschaft spielte er nicht, als sie in der EM-Ausscheidung mit dem 0:3 gegen Wales enttäuschte; und er spielte, als sie in Rumänien ein 1:1 erreichte.

Der Nationalspieler im Sturm

Den FC Chiasso also muss der FCW heute schlagen, will er seine positive Tendenz fortsetzen und sich von den unbefriedigenden Rängen entfernen. Es wäre im bereits vierten Anlauf auch der erste Heimsieg. Aber die Tessiner sind insofern ein unangenehmer Gegner, als sie besser sind, als ihr Ruf als Abstiegskandidat aussagt. Sie haben nicht zufällig schon acht Punkte auf dem Konto, sieben davon aus den letzten drei Spielen gegen Rapperswil-Jona (1:0), Wil (3:0) und in Wohlen (1:1 nach einem Gegentor in letzter Sekunde). In den ersten drei Runden hatten sie gleich gegen die drei Topteams Servette (2:2), Xamax und Schaffhausen (je 0:2) antreten müssen.

Der FC Chiasso hat ein weiteres Mal einen Umbruch hinter sich. Das 18-Mann-Kader, das heute nach Winterthur kommt, besteht zu zwei Dritteln aus neuen Spielern; gespielt haben bisher jeweils gut die Hälfte neue und knapp die Hälfte bisheriger Spieler. Denn unter den Bisherigen, die vor allem die Defensive besetzen, gibt es einige Talentierte. Im Angriff steht neuerdings sogar ein maltesischer Internationaler. Jean-Paul Farrugia (25) hat in seinen ersten vier (Teil-)Einsätzen in der Liga drei von fünfToren Chiassos geschossen, dazu den Treffer zum 1:0 im Cup gegen Brühl in St. Gallen. In der jüngsten Länderspielpause war er mit Malta unterwegs: Beim 0:4 gegen England durch drei Tore in den letzten vier Minuten stand er von A bis Z auf dem Platz; drei Tage später, beim 0:2 in Schottland, war er Ersatz. Was auch zu sagen ist: Unter dem jüngsten Trainer der Liga, dem 28-jährigen Spanier Guillermo Abascal, der vorher U13-Trainer beim FC Sevilla war, spielt Chiasso einen positiven Stil.

Locker leben können sie beim FC Chiasso mit dem jüngst von der Liga wegen Verzögerungen beim Ausbau der Lichtanlage verhängten (überflüssigen) Büss­chen von 5000 Franken. Mehr schmerzen würde sie, bliebe es bei den drei Punkten Abzug, weil sie bei der Auszahlung der Maisaläre Verfehlungen begangen haben sollen. Der Rekurs gegen diesen erstinstanzlichen Entscheid der Liga läuft – und das bereits seit einem Monat . . .

Erstellt: 08.09.2017, 23:23 Uhr

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