Fussball

«Nur» noch Dritter – und doch zufrieden

Am Samstag siegte Lausanne, am Sonntag der FC Wil – danach ist der FCW nach 24 Stunden an der Spitze der Challenge League «nur» noch Dritter. Dennoch ist das eine gute Zwischenbilanz – nach elf Runden und dem 2:1 gegen Vaduz am (Freitag-)Abend, als der Wurststand brannte.

FCW-Jubel unter rauchgeschwängertem Nachthimmel: Taulant Seferi nach seinem Tor zum 2:0 gegen Vaduz.

FCW-Jubel unter rauchgeschwängertem Nachthimmel: Taulant Seferi nach seinem Tor zum 2:0 gegen Vaduz. Bild: Heinz Diener

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Der Sprung an die Tabellenspitze, erstmals seit dem 13. Oktober 2012, war das sportliche Ereignis eines Abends, an dem der FCW weit über die Liga hinaus Aufmerksamkeit erhielt, weil ein Wurststand vor der Haupttribüne abbrannte. Der prominenteste Gast, Marcel Koller, sass deshalb nicht auf der Haupttribüne, sondern kam auf der Gegentribüne unter. Der Trainer und «Spion» des FC Basel wird mit seiner Mannschaft in zehn Tagen der nächste Gast auf der Schützenwiese sein – mit dem Ziel, den FCB auch in dessen sechsten Match der Cupgeschichte gegen den FCW zum Sieg zu führen. Es wird ein Achtelfinal sein, aber FCB – FCW war 1975 auch schon ein Final, 2012 und 2017 ein Halbfinal. Fürs Spiel in zehn Tagen sind übrigens noch ein paar hundert Stehplatztickets zu haben.

Wie seit 2007 nicht mehr

Wie die Leistung des FCW einzustufen ist, zeigt dies: Er ist nicht nur viel besser als in den drei vergangenen Saisons, als er deshalb jeweils im Winter den Trainer wechselte – er ist so gut wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Nie mehr seit dem Herbst 2007 hatte er nach elf Runden nur einen Punkt Rückstand auf den Leader, auf den FC Wohlen. Gewiss, es waren nur einmal 21 Punkte wie vor einem Jahr hinter dem FC Schaffhausen, aber es waren in all diesen elf Jahren immer mindestens fünf Punkte, oft noch deutlich mehr. Sieben Punkte hinter dem Ersten waren es selbst im Herbst 2014, als der FCW unter Jürgen Seeberger ebenfalls mit 20 Punkten aus elf Spielen begann und zu jenem Zeitpunkt gar Zweiter war. Und es waren auch 2012 schon sieben Punkte, als der FCW im August vorher letztmals Leader war.

Damals war er eine Woche später entthront. Diesmal dauerte es nur bis am Samstagabend, bis er Zweiter war, und bis am Sonntagnachmittag, bis er Dritter war. Zuerst setzte sich Lausanne-Sport, der Aufstiegsfavorit Nummer 1, mit einem sehr sicheren 2:0 gegen einen enttäuschenden FC Schaffhausen um zwei Tore vor den FCW. Und dann machte der FC Wil im Heimspiel gegen Chiasso in den letzten zehn Minuten aus einem 1:1 ein 3:1. Danach sind die Wiler wieder, eben einen Punkt voraus Leader. Aber es war kein Zufall, dass Wil daheim siegte und Schaffhausen auswärts verlor. Die beiden Klubs zeigen die Einheiten der Kunstrasenteams: Sie sind daheim sehr viel erfolgreicher als auswärts; Wil steht in der Heimtabelle (6 Spiele/16 Punkte) obenauf, Schaffhausen folgt dahinter (5/11). Auswärts ist Schaffhausen (6/4) Zweitletzter, Wil (5/5) nicht viel besser. Die Zahlen des FCW: Vierter mit 6/11 zuhause, Zweiter mit 5/9 auswärts. Ein Sieg am Samstag in … Schaffhausen – und er führt die Auswärtstabelle an.

So sahs Mario Frick

Während an diesem denkwürdigen Freitagabend auf der Schützenwiese der – wenn auch noch kurze – Sprung an die Tabellenspitze gefeiert wurde, fuhren die Vaduzer heim in der Meinung, zu schlecht belohnt worden zu sein. Also sagte ihr neuer Trainer Mario Frick: «In der zweiten Halbzeit haben wir aufgezeigt, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt und spielten sie (wohl die Winterthurer. Die Red.) an eine Wand.» Und: «Hätte Wieser statt die Torlatte das Tor getroffen, wären wir mit 4:2 Toren vom Platz gegangen.» Da wäre nur anzumerken: Hätte Taulant Seferi kurz nach dem 2:0 nicht die Lattenunterkante getroffen, hätte der FCW 3:0 geführt. Und beim «potentiellen» vierten Tor dachte Frick wohl an die späte Chance seines Teenagers Ferhat Saglam. Allein, dafür hätte der junge Mann zumindest das Tor treffen müssen. «Zumindest einen Punkt hätten wir verdient oder sogar drei», sagte Frick noch.

Fakt war, dass die Vaduzer in der Tat gute Momente hatten und in den ersten 20 Minuten nach der Pause allzu sehr aufs Verteidigen ausgerichteten Winterthurer gar überlegen waren. In diese Zeit fielen das Tor und Wiesers Lattenschuss. Fakt ist aber auch, dass der FCW vor der Pause aus seinen Möglichkeiten zwei Tore machte und später den Match nach den zwei Wechseln Ralf Looses in der 65. Minute wieder in den Griff bekamen. Danach hätte eher das 3:1 fallen können.

Fricks Jargon war eben jener des Verlierers. Und den Winterthurern war klar, dass sie zeitweise knapp an einem Punktverlust vorbeigeschrammt waren. Aber die solidarische Art, wie sie auftreten, ist eben auch ein Fakt. Und der steht vor allem für die Entwicklung der Mannschaft von einer, die zumal enge Spiele immer verliert (wie nun Vaduz und eine Woche vorher der FC Aarau), hin zu einer, die sie gewinnt. Es ist, im Fall des FCW, die Entwicklung eines Teams, das 2017 mit jämmerlichen sechs Pünktchen aus elf Spielen und 21 Längen hinter dem Leader Letzter war – und einem, das mit 20 Punkten dem Ersten im Nacken sitzt. Vor einem Jahr übrigens hiess der Leader nicht schon Neuchâtel Xamax, das später dominierte, sondern FC Schaffhausen. Und selbst der Dritte hatte 20 Punkte mehr als der FCW.

Im Derby einiges zu erledigen

Oder dann gibt es noch dies: Der FCW hat jetzt schon sechs Siege auf dem Konto, in der vergangenen Saison waren es sieben – nach 36 Runden! Das wohl aussergewöhnlichste aller Details ist dieses: Der FCW hat fünfmal so viele Punkte gewonnen wie der FC Aarau, der mit neun Niederlagen in elf Spielen am Tabellenende festsitzende «Mitfavorit». In Genf gingen die Aarauer zwar aus heiterem Himmel in Führung, aber dann erzwangen die offensiv klar stärkeren Genfer noch die Wende zum 3:1. Als nächster Gegner kommt am Freitag der Leader aus Wil aufs Aarauer Brügglifeld. Und dort werden sie sich, ob sie wollen oder nicht, mit der Personalie Rahmen auseinandersetzen müssen. Mit der Frage also, wie lange sie dem Trainer Patrick Rahmen zutrauen wollen, sie aus dem Abgrund führen zu können.

Der FCW fährt am Samstag nach Schaffhausen. Dort hätte er eigentlich einiges zu erledigen: Von den letzten zehn Derbys hat er keines gewonnen, aber sieben verloren. Im neuen Stadion im Herblingertal ist er bisher bei drei Auftritten stets geschlagen worden. Immerhin, Rechtsverteidiger Denis Markaj dürfte nach seiner Knöchelverletzung wieder zum Kader gehören. Innenverteidiger Gabriel Isik, gegen Vaduz kurz vor Halbzeit nach einem Zusammenstoss mit erschüttertem Kopf ausgeschieden, wird heute schon wieder zum Training erwartet – in alter Frische.

Erstellt: 21.10.2018, 21:03 Uhr

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