FCW

Schrittchen für Schrittchen zur Stabilität

Es ist zwar noch immer eine relativ beschei­dene Serie, aber doch ein Fortschritt: Mit dem 1:1 in Chiasso stellte der FCW die Saisonbestleistung auf, dreimal in Folge gepunktet zu haben. Es war auch das dritte Unentschieden hintereinander in der Fremde.

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In einem gewissen Sinn wars eine verkehrte Welt: Der FC Chiasso hatte, ungeachtet des Abzugsvon drei Zählern aus lizenztech­nischen Gründen, auf dem Feld elf Punkte mehr gewonnen, also doppelt so viele wie der FCW. Er ging mit einer Serie von zehn Punkten aus vier Spielen in diesen Match gegen die Winterthurer. Also war er Favorit, wurde von ihm auch vom heimischen Publikum ein Sieg erwartet – das übrigens so spärlich erschienen war, dass man daraus nicht auf die bisherigen Leistungen der Mannschaft schliessen konnte.

Die Zahlen werden besser

Aber dann traf der FC Chiassoauf einen FCW, dem nicht zum ersten Mal die Rolle des Aussenseiters besser passte. Der, wiees sein Trainer Umberto Romano korrekt formulierte, «giftiger war als auch schon». Und dem der Trainer, ebenso zu Recht, «das Kompliment machte, diszipliniert umgesetzt zu haben, waswir uns vorgenommen hatten». Eine spielerisch grosse Leistung schaute zwar nicht heraus, denn es wurde ein Match geboten, der zumindest einen neutralen Zuschauer nicht in seinen Bann gezogen hätte. Aber es war eine Vorstellung, die dem FCW zu einem verdienten siebten Auswärtspunkt verhalf und zu werten war als nächstes kleines Schrittchen aus dem Tief heraus, das ihn zeitweise gar am Tabellenende verschwinden liess.

Die Zahlen zur jüngsten Entwicklung, die den FCW wenigstens mal um vier Längen vom ­Tabellenende wegbrachten: 3:3 in Aarau, 1:1 in Genf und jetzt1:1 in Chiasso in den letzten drei Auswärtsspielen; zwischen den Punkten gegen Servette und im Tessin das 2:0 beim ersten Heimsieg gegen Wil. In Genf und Chiasso spielte die Mannschaft besser als zwischendurch gegen den Tabellenletzten aus Wil. Das könnte den einen Grund haben, dass der FCW auswärts auf bes­seren Plätzen spielen kann. Vor allem aber wirds so sein, dass ihm in seiner aktuellen Besetzung und wohl auch mentalen Verfassung nach dem Fehlstart die Rolle des Auswärtsteams (oder eben Aussenseiters) besser passt. Es kann kein Zufall sein, dass der FCW als einzige Mannschaft der Liga zu Hause weniger Punkte ­gewonnen hat als auswärts, fünf hier, immerhin sieben dort.

Das Spiel in Chiasso war so oder so ein nächster kleiner Fortschritt, weil die Mannschaft allmählich doch berechenbarer wird, weil sie wieder gut kämpfte und die Solidarität einer funktionierenden Gemeinschaft zeigte. Ja, weil sie auf dem Weg ist, eine gewisse Stabilität zu erreichen. Dass es noch am Selbstvertrauen der Erfolgreichen, natürlich auch an gewissen Qualitäten fehlte, liess sich daran ablesen, dass der FCW die in Ansätzen sehr wohl vorhandenen Möglichkeiten für mehr nicht ausschöpfen konnte. Immerhin, es wurde auch nicht weniger als der eine Punkt, den hinterher beide Teams als am nächsten liegend bezeichnen müssen.

Der ideale Start . . .

Für den FCW begann das Spiel ideal. Denn nach einem erstklassig schnellen Zug von Denis Markaj und Luca Radice zu Manuel Sutter und Silvio bis hin zu Kofi Schulz führte er schon nach sechseinhalb Minuten 1:0. Schulz kam nach Silvios Querpass allein vor Torhüter Francesco Russo zu stehen. Dort tat er, was Winterthurer Offensivspieler viel zu selten machen: Er schob den Ball kühl und ohne Umschweife flach ins Tor. Es war sein erstes Tor seit gut zwei Jahren, seit Anfang November 2015, als er mit einem Freistoss das 1:0 zu einem 3:1-Sieg Biels gegen Aarau beigetragen hatte.

Kurz vor Halbzeit hatte Sutter eine gute Chance. Aber er schoss eben nicht bei erster – und auch in diesem Fall richtiger – Gelegenheit, sondern setzte zu einem Haken an, der ihn scheitern liess. Nach zehn Minuten der zweiten Halbzeit konnte Silvio mal einen – allerdings ziemlich weiten – Weg allein aufs Tor gehen. Er ­zögerte dann zu lange. Am Ende konnte sich der zurückgeeilte Simone Belometti in seinen Schuss werfen. Das ist der Captain der Tessiner, der im Hinspiel Silvio zu einer Tätlichkeit provoziert hatte, die dieser mit drei Sperren büssen musste. Im Riva IV blieben derlei Zwischenfälle aus. Die Winterthurer wehrten sich, ohne sich provozieren zu lassen. Nicht mal vom Spezialisten Antoine Rey.

. . . und das Foul vor dem 1:1

Mehr wäre es für den FCW wohl auch geworden, wäre das 1:1 nach 36 Minuten nicht gefallen. Das hätte sich zum einen vermeiden lassen, wenn die Winterthurer Rey nach einem kurz gespielten Eckball nicht ungehindert hätten flanken lassen. Und es würde nicht in der Statistik erscheinen, hätte Schiedsrichter Lukas Fähndrich das kleine, aber feine Stossen gegen Markaj gepfiffen, mit dem sich Chiassos maltesischer Nationalspieler Jean-Paul Farrugia den Freiraum zum Kopfball verschaffte. Fähndrich war schon der Schiedsrichter, der vor drei Wochen in Genf einen Elfmeter gepfiffen hatte, den Silvio zum 1:1 nutzte. Und den nicht jeder gegeben hätte.

Die Winterthurer, angeführt von Markaj, reklamierten noch nach Spielschluss bei Fähndrich. Ihren Trainer, der das Foul sehr wohl gesehen hatte, aber «ärgerte in erster Linie, dass wir den Flankenball nicht verhinderten». Ihm waren seine Spieler noch immer ab und zu nicht genügend clever. Der Ausgleich fiel in die beste Phase der Tessiner, in der sich Guillaume Katz auch eine Verwarnung einhandelte, die sich zu mehr auszuwachsen drohte. Also wechselte ihn Romano zur Pause aus. Das ­Innenduo hiess nicht mehr Katz / Jordi Lopez, sondern Lopez / Tobias Schättin. Und Torschütze Schulz wurde vom linken Offensivspieler zum linken Verteidiger.

Im Mittelfeld stand mit Tiziano Lanza, Robin Huser und Luca Radice nicht, was als erste Besetzung zu identifizieren war. Aber gut ­gekämpft und defensiv ordent-lich gespielt haben die drei. Auch Schulz ist, nach fehlerhaften ersten Spielen, auf dem Weg, sichins Team zu finden. Lopez war ein Gewinn, Schättin gut und Markaj als Rechtsverteidiger deutlich stabiler als Nicolas Stettler zuletzt. Sutter und Silvio hatten ihre beste Szene beim Tor, ihre we­niger guten, als es darum ging, selbst abzuschliessen. Es fehlt dem FCW grundsätzlich an der Effizienz. Diesmal halfen auch Kwadwo Duah und Dario Ulrich trotz ihrer Schnelligkeit nicht wirklich. Duah lieferte nach seiner Einwechslung für Katz auf der Position von Schulz sogar nichts.

Die nächste Sperre

Die Chiassesi mussten – mit Blick auf die Entstehung ihres Tors und die Anzahl nennenswerter Offensivszenen – mit dem Unentschieden zufrieden sein. Das war eine Enttäuschung nach der guten Serie und nur eine Woche nach dem 4:0 gegen den FC Wohlen, der doch besser klassiert war als der FCW. Anderseits werden sich Tessiner Realisten sagen, es sei der fünfte Punktgewinn in Folge gewesen, was ebenfalls Saisonbestleistung ist und ihnen in der ganzen letzten Saison nie glückte. Trainer Guillermo Absacal müsste sich aber fragen, ob er die Spitzenkräfte Eris Abadini und Topskorer Assan Ceesay wieder mehr als eine Stunde auf der Bank lässt.

FCW-Chef Romano wusste schon nach 50 Minuten, nachder Verwarnung seines Captains Radice, dass er seine Mannschaft auch vor dem 16. Match würde umstellen müssen: Radice ist ­gesperrt, das Mittelfeldpersonal wird immer rarer. Der Gegner kommt aus Schaffhausen undhat gestern den Anschluss ans Westschweizer Spitzenduo verloren.

Erstellt: 26.11.2017, 21:17 Uhr

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