FCW

Sead Hajrovic – zum Abwehrchef gereifter Rückkehrer

Sead Hajrovic ist ein Aargauer bosnischer Herkunft – und steht wie andere Rückkehrer zum FCW ganz oben in der Teamhierarchie.

FCW-Abwehrchef Sead Hajrovic (rechts) ist auch bei Arsenal ausgebildet worden.

FCW-Abwehrchef Sead Hajrovic (rechts) ist auch bei Arsenal ausgebildet worden. Bild: Heinz Diener

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Davide Callà ging einst als U18-Junior und kam im vergangenen Sommer als Basler Meisterspieler wieder zum FCW. Granit Lekaj kehrte nach sieben Jahren in Schaffhausen und Wil auf die Schützenwiese zurück. Luca Radice, mit über 300 Pflichtspielen mit Abstand Dienstältester im aktuellen Winterthurer Kader, hatte den Rückweg aus Aarau schon zwei Jahre vorher angetreten. Und der vierte dieser Comebacker ist Sead Hajrovic. In seinem Fall sinds nur zwei Jahre in Wohlen, die er seit seinem Abgang hinter sich hat. Er ist mit seinen noch nicht mal 26 Jahren der Jüngste in diesem Kreis, den vor allem eines eint: Sie stehen oben in der Hierarchie einer bisher erfolgreichen Mannschaft und sie stehen auch für eine ganzheitlich geglückte Transferkampagne 2018.

Hajrovic ist kein Winterthurer. Er ist ein Aargauer bosnischer Herkunft mit sportlicher Vergangenheit bei den Grasshoppers und im Nachwuchs von … Arsenal. Er ist auch der zwei Jahre jüngere Bruder von Izet Hajrovic, der es beruflich ein bisschen weiter brachte. Er ist heute Stammkraft bei der kroatischen Nummer 1, Dinamo Zagreb. Mit 16 ging GC-Verteidigertalent Sead Hajrovic zu Arsenal, ein paar Monate später wurde er mit der Schweiz in Nigeria U17 Weltmeister, gleichsam als Nummer 12, in sechs von sieben Spielen wurde er zumindest eingewechselt. Zum Kader gehörte damals, als Torhüter Nummer 2, auch Raphael Spiegel. Der stand als Teenager zur selben Zeit in London unter Vertrag wie Hajrovic, allerdings bei West Ham United. Mehrmals spielten die beiden in Nachwuchsteams gegeneinander, das belegen die Fakten – in Erinnerung haben sie es nicht mehr.

Mit Gnabry und Bellerin

Mit dem «Eins» Arsenals hat Hajrovic oft trainiert, zuletzt als Mitglied des Teams der U21-Premier-League. Manager Arsène Wenger kannte ihn sehr wohl, für einen Einsatz mit den «Grossen» reichte es nie, auch nicht in einem Freundschaftsspiel. Als er im Frühjahr 2013 sein letztes Pflichtspiel für Arsenals U21 bestritt, standen Sergy Gnabry und Hector Bellerin in derselben Elf. Der eine ist heute als «Bayer» deutscher Nationalspieler, der andere als Rechtsverteidiger Stammkraft der «Gunners». Mit beiden hat Hajroviv, wie er sagt, «heute noch gelegentlich Kontakt.»

Zurück bei GC konnte er sich im Jahr unter Michael Skibbe nicht durchsetzen. An den FCW wurde er 2014 ausgeliehen, unter Jürgen Seeberger machte er ein ganz starkes Jahr, in 35 von 38 Pflichtspielen stand er 90 Minuten auf dem Platz. Dennoch wollten ihn die Zürcher nicht zurück. Vielleicht wars eine Retourkutsche, weil Bruder Izet abgewandert war. Das zweite FCW-Jahr Seads war dann weniger gediegen. Es begann mit einem lukrativen Angebot der Wiler Türken. Das schien Hajrovic doch etwas von der Rolle zu schieben. Aber als die Entscheidung, auf der Schützi zu bleiben, gefallen war, spielte er wieder gut – wenigstens eine Zeitlang.

Zu wenig «Wertschätzung»

Er war weiterhin stets erste Wahl. Aber „je länger die Saison dauerte desto holpriger wurde sie“, erinnert sich Hajrovic. Er spielte zwar weiterhin immer, aber seine Leistungen waren nicht mehr die der ersten Saison. Es habe auch die damals noch vom alternden Platzhirsch Patrick Bengondo geprägte Mannschaft allmählich den Zusammenhalt verloren. Ein neues Angebot erhielt Hajrovic zum Saisonende wohl, aber die – aus seiner Sicht gebotene – «Wertschätzung» erkannte er darin nicht.

Also ging er, zumal ihm sein Berater keine nennenswerte andere Offerte verschaffen konnte, nach Wohlen. Dort erhielt er einen sehr guten Vertrag und war er nahe von daheim – «und sportlich war Wohlen ja auch nicht schlechter als der FCW». Aber dann, vor einem Jahr, zum Trainingsstart vor der Rückrunde seiner zweiten Wohler Saison, standen plötzlich die Klubverantwortlichen da und sagten den Spielern: Wir steigen Ende Saison freiwillig ab. Also gings auch für Hajrovic darum, die Zukunft neu zu regeln – und es traf sich gut, dass das mit den Ideen des Winterthurer Sportchefs Oliver Kaiser korrespondierte, seiner Mannschaft nicht zuletzt eine neue Hierarchie zu verschaffen.

Die stimmige Hierarchie

Das hat, zumindest bisher, geklappt. Zur Führungscrew gehört Hajrovic. Er nimmt, wie Chef Callà und die andern, diese Rolle an. Er denkt, der FCW habe zurzeit nicht nur einen Sportchef, der gut transferiert habe, sondern auch einen guten Trainer, «der streng ist, aber auch Freiheiten gewährt.» Und Ralf Loose habe eben auch eine Mannschaft, die manche Dinge in der Kabine selber regle – manchmal auch einen Disziplinarfall wie im Dezember, nachdem sich in Chiasso Radice und Jungfuchs Taulant Seferi in die Haare geraten waren.

Also passts für Hajrovic. Mit seiner kleinen Familie mit Frau und Tochter in Othmarsingen, den Eltern in der nahen Aargauer Nachbarschaft. Und nach Winterthur sinds mit dem Auto im Schnitt nur 45 Minuten. Mit dem Bruder in Zagreb ist er weiterhin in regem Kontakt, die Eltern reisen – wie früher schon – zu den Spielen an, selbst nach Chiasso. Die Leistungen stimmen, auch wenn Hajrovic zugeben muss, dass nur ein Tor in mittlerweile schon 94 Pflichtspielen für den FCW für einen kopfballstarken Abwehrchef wie ihn «zu wenig» sei. Er denkt auch, «dass wir etwas zu wenige Tore schiessen, aber auch zu selten zu null spielen.» Nur fünfmal kassierte der FCW in den ersten 22 Runden kein Tor, je zweimal gegen Vaduz und Rapperswil, dazu beim Heim-0:0 gegen Wil.

Aber klar ist, dass die Spieler – wenn sie es auch nicht offen sagen – schon nach oben blinzeln, also auf Platz 2. «Oben mitspielen – das wollen wir», formuliert es Hajrovic zurückhaltend. Für einen wie ihn, den man zumindest als mittelmässiger Super-League-Klub eigentlich entdecken könnte, ist die nationale Eliteliga noch immer ein Ziel. In seinem Alter ist er noch jung genug fürs Träumen, aber auch alt genug dafür, die Erwartungen an seine Rückkehr zu erfüllen: Spielerisch so gut zu sein wie in seinem ersten FCW-Jahr und reif genug, eine Abwehr zu führen. (hjs)

Erstellt: 01.03.2019, 18:59 Uhr

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