Fussball

Selbst im Powerplay ohne Tor

Die beiden Spitzenspiele der Challenge League endeten unentschieden. Also ist der FCW nach dem 1:1 von Lausanne und Servette sowie seinem 0:0 gegen den FC Wil weiterhin Dritter. Mit reellen Aussichten, die Vorrunde auf Platz 2 zu beenden.

Alles Anstürmen brachte dem FCW bei garstigem Wetter auf der Schützenwiese gegen Wil nichts.

Alles Anstürmen brachte dem FCW bei garstigem Wetter auf der Schützenwiese gegen Wil nichts. Bild: Enzo Lopardo

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Vor über 8000 Zuschauern erkämpfte sich Lausanne in der zweiten Halbzeit noch ein verdientes 1:1 gegen den Leader aus Genf. Für den war es der erste Punktverlust nach sieben Siegen, aber dennoch ein gutes Resultat. Er hielt damit den grossen Rivalen auf Distanz. Tags darauf trotzten auf der Schützenwiese immerhin 2800 Zuschauer dem garstigen Wetter. Sie sahen ein Unentschieden ohne Tore, was für den Gast ebenfalls das günstigere Ergebnis war. Denn die Wiler hielten sich damit auf Platz 2 – und insgesamt hatte der FCW doch mehr geboten, das einen knappen Sieg gerechtfertigt hätte.

Der Winterthurer Trainer Ralf Loose sah das erste 0:0 seiner Mannschaft in dieser Saison, den erst dritten Match ohne Gegentor, als ein «Ergebnis, mit dem ich nicht unzufrieden war. Und schon gar nicht war ich es mit der Spielweise.» In der Tat entliess seine Mannschaft ihre Zuschauer nach dem letzten Spiel des Jahres nach Hause im Gefühl, «bei englischem Wetter insgesamt ein rassiges, kampfbetontes Spiel auf schwierigem Boden» gesehen zu haben. So jedenfalls formulierte es Loose. Sein FCW hatte eine gute Vorstellung geboten, kämpferisch gar erstklassig – und das gegen einen «Gegner, der zu Recht da oben in der Tabelle steht», wie Loose beifügte.

Die Zeit gefährlicher Patzer

Aus Perspektive der Winterthurer war der – in der Tat animierte – Spielverlauf dieser: Sie begannen das Spiel besser, selbstbewusst und offensiv. Sie erspielten sich «in der ersten Halbzeit einige gute Chancen und wir hätten eigentlich in Führung gehen können», sah es Loose. Dieses Tor hätte beispielsweise fallen können, als ein Ball Granit Lekajs nach einem frühen Corner nur knapp am hinteren Pfosten vorbeistrich. Oder als Davide Callà frontal 15 Meter vor dem Tor frei zum Schuss kam.

Anderseits fielen in die zweiten 25 Minuten dieses Matchs einige individuelle Patzer der Winterthurer, die den Wilern zu Recht das Gefühl gaben, in dieser Zeit dem Tor näher zu kommen. Jeder aus der defensiveren Hälfte des FCW beging in dieser Zeit irgendwann einen Fehler, der Gefahr heraufbeschwor. Es war eben auch so, dass die Wiler immer wieder hoch attackierten. Den Winterthurern fiel es dann auf dem sehr tiefen, holprigen Geläuf wiederholt schwer, präzis zu bleiben. So verfehlte Lekaj mal, an der Strafraumgrenze ausrutschend, einen Ball, Silvio konnte schiessen und traf nur die Latte.

Diese Patzer, begangen in schöner Einmütigkeit von Rechtsverteidiger Dennis Markaj bis hin zur «Doppelsechs» Ousmane Doumbia/Remo Arnold, waren die Minuspunkte an der FCW-Leistung. In der zweiten Halbzeit allerdings waren sie nicht mehr zu sehen, entsprechend dominant wurden die Winterthurer, phasenweise zogen sie ein Powerplay auf. Die Wiler kamen kaum mehr über die Mittellinie, schon gar nicht zu weiteren Chancen. Am Ende standen fast so viele Winterthurer Torschüsse in der Statistik und zwei Drittel an Ballbesitz. Der FCW war dem Siegestor also näher. Allein, die Wiler verbissen sich in ihre Abwehrarbeit und wiesen damit nach, in der Tat nicht zufällig Zweiter zu sein.

Überlegener als im Cup

Die Zuschauer waren sehr zufrieden damit, wie ihr FCW bei Wind und Wetter um dieses eine Tor kämpfte. Es hätte am ehesten fallen können, als Callà mal aus spitzem Winkel alleine vor Torhüter Zivko Kostadinovic stand, den Ball aber knapp am weiteren Pfosten vorbeilegte. Niemand hätte nun eine Winterthurer Führung ungerechtfertigt finden können. Am Ende waren die Wiler zweifellos zufriedener damit, die zweite Halbzeit ohne Gegentore überstanden zu haben. Anderseits ist es ihre Qualität, nun schon sieben Spiele ohne Gegentor überstanden zu haben. Für den FCW wars – nach 19 Gegentreffern in neun Spielen seit dem 1:0 Mitte September in Vaduz – eben erst der dritte «Shutout» Raphael Spiegels. Dass die Wiler bisher zehn Tore weniger kassierten als der FCW, ist ihr markantester Vorteil. Eigentlich müssten sie damit mehr als einen Punkt vor dem Nachbarn liegen.

Ihre defensive Stärke reichte, gegen einen FCW zu punkten, von dem sie praktisch eine Halbzeit lang in die eigene Platzhälfte gedrängt wurden, der in dieser Zeit dominierte, wie er das in diesem Halbjahr nicht mal im Cup gegen den FC Greifensee geschafft hatte. Allein, es mangelte ihm an der Durchschlagskraft im einen oder andern günstigen Moment im Strafraum. Es fehlte auch an einem, der mal aus Distanz gut geschossen hätte. Roberto Alves, der am ehesten den (linken) Fuss dazu hätte, nutzte zwar auch seinen zweiten Auftritt in der Startelf zu einer ordentlichen Leistung – aber nicht der eines Skorers. Das war gestern allerdings auch Taulant Seferi nicht. Auch er arbeitete gut, aber er gehörte nicht zu jenen, die mal in günstiger Position abschliessen konnten.

Auf der andern Seite stand der ehemalige FCW-Skorer Silvio. Im Startspiel im Juli hatte er noch beide Treffer zum 2:0-Sieg geschossen, den ersten nach einem Dribbling ohne jede Gegenwehr durch die ganze Abwehr. Silvio war auch diesmal ein zweikampfstarker Stürmer, sein Lattenschuss war eine gute Szene. Aber er reichte nicht, einer grundsätzlich defensiver eingestellten Mannschaft, die nach der Pause fast nur noch verteidigte, das für einen Auswärtssieg entscheidende Plus zu verleihen.

Bonuspunkte aus Chiasso?

Immerhin, die Wiler können auch nach 17 Runden mit ihren Verrichtungen zufrieden sein. Gewinnen sie ihren letzten Match vor Weihnachten, auf dem heimischen Kunstrasen gegen Lausanne, überwintern sie als Zweiter.

Der FCW hat schon jetzt für das zweite Viertel jene 14 Punkte gewonnen, die nach dem ersten als gute Zwischenbilanz galten. Also sagt Loose: «Was wir jetzt noch in Chiasso holen, ist ein Bonus.» Einen Wechsel muss er für den Auftritt im Tessin mit Sicherheit vornehmen: In die Abwehr zurückkehren wird Sead Hajrovic, denn Gabriel Isik wurde gestern zum vierten Mal verwarnt. Bereit dafür ist Hajrovic, denn er sass erstmals nach seiner Meniskusoperation wieder auf der Bank.

Mit dem Gesamttotal für viermal 14 Punkte war man seit Gründung der Zehnerliga mal Dritter, mal Sechster oder – mehrheitlich – Vierter oder Fünfter. Das wäre dann im Vergleich zu den mickrigen letzten zwei Jahren ein bedeutender Fortschritt. Aber nach den ersten 17 Runden und mit nur einem Pünktchen Rückstand auf den Barrageplatz haben sie auf der Schützenwiese nun doch etwas mehr im Kopf. Mit einem Sieg in Chiasso wären die Winterthurer jedenfalls fürs Erste Dritter – und sollte Wil gegen Lausanne nicht gewinnen, fiele für die Winterthurer gar Platz 2 ab!

Der FC Wil übrigens ist – auch – die Mannschaft, deren Trainer Konrad Fünfstück gestern einen guten Teil seiner Zeit damit verbrachte, beim vierten Schiedsrichter zu reklamieren. Das sehr oft ausserhalb der Coachingzone – und jederzeit ungestraft.

Erstellt: 09.12.2018, 22:47 Uhr

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