Fussball

Servette im Stil der Nummer 1

Ein Punktgewinn des FCW im Spitzenspiel gegen Servette schien nicht unmöglich. Der FCW führte früh 1:0. Aber schliesslich verlor er doch verdientermassen 1:3.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Servette ist grundsätzlich die bessere, die ausgeglichener und breiter besetzte Mannschaft als der FCW. Die Genfer spielen zurzeit auch mit dem Selbstvertrauen des Seriensiegers, der nun fünf Dreier in Folge auf dem Konto hat. Und es ist auch ihr Auftritt auf der mit 4500 Zuschauern gut besetzten Schützenwiese als Bestätigung zu sehen, sie seien zurzeit die Nummer 1 der Liga.

Der FCW ging zwar punktgleich in dieses erste veritable Spitzenspiel auf der Schützenwiese seit sechs Jahren. Aber es war von vorneherein klar, dass er seine - eben bescheideneren – Möglichkeiten besser ausnutzen musste als Servette, um punkten zu können. Eine Halbzeit lang lieferte er eine Leistung, die ihm dies in Aussicht stellte. Nach einem – allerdings haltbaren – Freistoss Luka Sliskovics aus 20 m, den er in kurzem Doppelpass mit Davide Callà spielte, führte er bereits nach sechs Minuten.

Zwar glichen die Genfer nach einem Eckball schon in der 18. Minute aus. Sie hatten grundsätzlich auch mehr Volumen in ihrem Spiel, sie waren mehr am Ball und öfter im Strafraum. Aber der FCW griff, wenn er es denn tat, effizienter an. Und er hätte eigentlich nochmals in Führung gehen müssen, aber Sliskovic traf nach einem Konterlauf über mehr als das halbe Feld alleine vor Goalie Jérémy Frick ins Aussennetz.

Das 1:2 – der Knackpunkt

Servette mag – zumal optisch – eine Spur stärker wirken, aber das Spiel kann auf beide Seiten kippen. Das dachte man sich bei Halbzeit. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff wars vorbei mit solchen Rechenspielen oder, aus Winterthurer Sicht, Hoffnungen. Denn nun begaben sich die beiden entscheidenden Szenen, die individuelle Abwehrfehler des FCW waren, wie sie dem Gegner nicht unterliefen.

Ganz abgesehen davon, dass Servette in der Offensive wie erwartet die Qualität hatte, diese auch auszunützen. Das 2:1 folgte auf einen verheerenden Ballverlust des Linksverteidigers Enrique Wild. Mirosvlav Stevanovic, ausgerechnet einer der spielstärksten Genfer, kam ins Spiel, passte zum mitgelaufenen FCZ-Veteranen Alexandre Alphonse, und der verfehlte das Tor nicht.

Dieses Gegentor versetzte den Winterthurern einen offensichtlichen Knacks. Nun wurden sie klar beherrscht, ging es nur noch um Schadensbegrenzung. Aber auch damit wars fünf Minuten später vorbei: Diesmal verlor Remo Arnold Mitte der eigenen Platzhälfte den Ball; Alphonse spielte ihn schnell in die Spitze und Sébastien Wüthrich verwertete ihn genauso fix zum 1:3. Realistisch gesehen, war das Spiel damit entschieden.

So war es auch, obwohl sich die Winterthurer auch von ihrem Trainer Ralf Loose dafür rühmen lassen durften, «dass die Mannschaft nie aufgegeben hat.» Aber es war natürlich auch so, dass das Kader nach der langwierigen Verletzuung Jordan Geles und der Sperre Taulant Seferi fürs Spiel gestern in der Offensive doch ziemlich ausgedünnt wirkt. Der FCW war in der letzten halben Stunde zwar wieder ordentlich im Spiel, aber zu einer Wende auch nur in Andeutungen war er nicht mehr fähig.

Die Fehler der Jungen

Loose sprach in seiner Analyse davon, «dass wir gut angefangen, allerdings den Ausgleich durch eine Standardsituation etwas gar früh erhielten.» Und er sprach das Wort «Standardsituation» so missfällig aus, als wären solche Tore weniger wert oder leichter vermeidbar. Aber das hätte dann auch – siehe Sliskovics Flachschuss – Servettes Coach Alain Geiger sagen können.

Wichtigster Punkt in Looses Betrachtungen waren aber natürlich, «die leichten Fehler, die wir machten und die der Gegner ausnutzte.» Wer solche Patzer begehe, war auch Loose klar, kann ein solches Spiel gegen einen solchen Gegner nicht erfolgreich bestehen. Und dann sagte er noch: «Unsere jungen Spieler, die grosse Ziele haben, müssen erkennen, dass Fussballer ein harter Beruf ist und 90 Minuten Konzentration verlangt.» Das gilt eben für Wild, aber auch für Isik, diesmal auch für Arnold.

So ist es. Und man muss einfach feststellen, dass in den letzten Wochen der Linksverteidiger ein Schwachpunkt des FCW ist – heisst er nun, wie öfter, Wild, aber auch Schättin. Auf jeden Fall brachten es die Winterthurer trotz des guten Beginns und wie üblich viel Laufbereitschaft nicht aufs Durchschnittsniveau, das für einen Sieg, ja nur schon ein Unentschieden gegen dieses Servette Bedingung gewesen wäre.

Nicht einmal die beiden zuletzt so überzeugenden Sechser Ousmane Doumbia und Arnold waren frei von Fehlern. In der Offensive war die Leistung des Alt-Servettiens Karim Gazzetta nicht schlecht, aber auch schwankend. Sliskovic machte einen starken Match, den beiden Altmeistern Luca Radice und Callà glückten die entscheidenden Aktionen auch nicht.

Eine gute Leistung bot Torhüter Raphael Spiegel, auch jene Granit Lekajs war weitgehend in Ordnung und die Sead Hajrovics. Der allerdings verliess eine Viertelstunde vor Schluss den Platz. Ihn plagt seit geraumer Zeit eine Meniskusverletzung, und die soll nun am kommenden Dienstag operativ angegangen werden. Der Termin ist natürlich wegen der Länderspielpause so gewählt. Es trifft sich auch nicht schlecht, dass er vor seiner Auswechslung noch die vierte Verwarnung einhandelte.

Die erstaunliche Serie

Für den FCW war dies die erste Niederlage in einem Spiel, in dem er das 1:0 geschossen hatte. Aber es war eben auch der eindeutig stärkste Gegner auf den er traf. Und bemerkenswert ist auch dies: Im vierten Spiel des zweiten Saisonviertels wiederholte sich der Ausgang des ersten Treffens.

Gegen Aarau gabs den zweiten Sieg, gegen Schaffhausen das zweite Unentschieden, gegen Rapperswil-Jona den zweiten Sieg – und nun gegen Servette die zweite Niederlage. Allerdings brauchten die Genfer dafür eine weit bessere Leistung als bei ihrem 2:0 im Spätsommer im heimischen Stade de Genève.

Sie haben sich seither, wie sie gestern bestätigten, erheblich entwickelt. Sie sind zu einer auf allen Ebenen guten Mannschaft geworden, kein Vergleich beispielsweise mit dem Léman-Rivalen Lausanne-Sport, der eigentlich als Favorit Nummer 1 in die Saison ging. Lausanne ist nach der Länderspielpause der nächste Gegner des FCW. Und geht’s auch dort weiter mit der «Wiederholung» des ersten Viertels, dann stehen die Winterthurer wieder vor einem Erfolgserlebnis. Das Spiel gestern war eine verdiente Niederlage, aber nicht annähernd das Ende der Hoffnungen des FCW auf eine gute Saison. Denn die wird auch gut sein, wenn eine oder zwei Mannschaften besser sind …

Erstellt: 09.11.2018, 23:43 Uhr

Infobox

FC Winterthur – Servette 1:3 (1:1)

Schützenwiese. – 4500 Zuschauer. – SR San. – Tore: 6. Sliskovic 1:0. 18. Schalk 1:1. 49. Alphonse 1:2. 55. Wüthrich 1:3. – FCW: Spiegel; Lekaj, Isik (62. Markaj), Hajrovic (77. Schättin), Wild; Arnold, Doumbia; Callà, Gazzetta (79. Sutter), Radice (74. Roberto Alves); Sliskovic. – Servette: Frick; Sauthier, Routis, Rouiller, Severin; Cespedes; Stevanovic, Wüthrich (79. Follonier), Cognat (77. Imeri); Schalk (87. Mychell Da Silva), Alphonse (82. Duah). – Bemerkungen: FCW ohne Seferi (gesperrt), Roth, Schmid, Gele (verletzt) und Nikola Milosavljevic (nicht im Aufgebot); Markaj nach seiner Einwechslung Rechtsverteidiger, Lekaj Innenverteidiger; Sutter nach seiner Einwechslung Sturmspitze, Sliskovic zurückhängend. – Servette ohne Mfuyi, Busset, Maccoppi, Lang (verletzt) und Koné (nicht qualifiziert). – 10. Flanke Sauthiers an die Latte. – Verwarnungen: 30. Cognat (Foul). 45. Sauthier (Foul). 57. Isik (Foul). 67. Hajrovic (Foul; fürs nächste Spiel gesperrt). 87. Sliskovic (Foul).

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!