FC Winterthur

Servette locker vom 0:2 zum 4:2

Der Servette FC hat seit dem Amtsantritt von Trainer Bojan Dimic keines von fünf Heimspielen gewonnen. Gegen den FCW geriet er in den ersten zehn Minuten 0:2 in Rückstand. Das hinderte ihn aber nicht daran, noch 4:2 zu siegen und wieder Zweiter zu werden.

Kofi Schulz vergab eine «sichere» Chance zum 0:3.

Kofi Schulz vergab eine «sichere» Chance zum 0:3. Bild: Heinz Diener/Archiv

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Die Ziele des FCW ausgangs dieser Saison sind nur noch sehr bescheiden. Beispielsweise hätte man sich vor dieser weiten Reise nach Genf ausrechnen können, bis auf einen Punkt an Chiasso heranzukommen – und dann in den letzten zwei Runden noch Platz 8 zu erreichen. Oder man hätte sich nach einem Erfolg in Genf sagen können, wenigstens einmal in dieser Saison zwei Spiele hintereinander gewonnen zu haben. Oder man hätte sich, wie Trainer Silvio Bordoli hinterher sagte, einfach auch an einem guten Spiel erfreuen können – «auf einem guten Platz und nach einem frühen 2:0.» Und er fragte dazu rhetorisch: «Was willst du mehr?»So rund 20 Minuten lang hinterliess der FCW dann auch den Eindruck einer spielfreudigen Mannschaft, die in der Tat fähig sein könnte, zwei unglaubliche «Serien» aufzustellen: Erstens eben jene, bei sechster (und letzter) Gelegenheit die Chance zu nutzen, ein zweites Spiel in Folge zu gewinnen. Oder, was auch eine Neuigkeit gewesen wäre in diesem Fussballjahr, vier Matches in Folge nicht zu verlieren.

Vom schnellen 2:0 …

Der Anfang also war vorteilhaft und wurde von den Genfern auch leicht gemacht. Schon nach einer Minute und 47 Sekunden pfiff der Schiedsrichter nach einem Strafraumfoul, wie es bei Eckbällen zwar üblich sein mag, aber eher selten geahndet wird, einen Elfmeter. Fabry Castro hatte Kofi Schulz in der Tat etwas gar intensiv umarmt. Silvio verwertete den Penalty zum 0:1. In der 10. Minute spielte sich Karim Gazzetta mit Silvio und Bojan Milosavljevic geradezu gefinkelt vertikal durch die Genfer Abwehr. Gazzetta, der «gebürtige» Servettien, kam alleine vor seinen alten Kumpan David Gonzalez zu stehen, der zum letzten Mal im Genfer Tor stand. Und tatsächlich nutzte Gazzetta diese Chance problemlos zum 0:2.

Die ersten 20 Minuten waren noch nicht vorbei, das hatte Schulz eine «sichere» Chance zum 0:3 vergeben. Und hatte Silvio nach einem weiteren Eckball tatsächlich ins Tor getroffen, der Schiedsrichter aber wieder Foul gepfiffen. Diesmal von Schulz – und relativ klar nicht berechtigt. Aber nach diesen Aktionen, die scheinbar eindeutig auf einen Auswärtssieg des FCW, den erst dritten übrigens, hinzuweisen schienen, wars ganz plötzlich vorbei mit der Winterthurer Herrlichkeit. Die Genfer spielten sich innert kürzester Zeit dreimal durch die FCW-Deckung und kehrten das Spiel zum 3:2.

… zum 2:3 in 5:33 Minuten

Das sehr gut herausgespielte 1:2 war das erste Challenge-League-Tor des 19-jährigen Nedim Omeragic, dem er Mitte zweiter Halbzeit sein zweites (zum 4:2) folgen liess. Das 2:2 war ein Tor des Brasilianers Willie, nach einer Genfer Passfolge, auf die der Reihe nach so ziemlich alle Winterthurer Verteidiger sehr schläfrig oder überhaupt nicht reagiert hatten. Gar endgültig eingestellt hatte der FCW seine Abwehrarbeit kurz darauf, als Miroslav Stevanovic ganz alleine zur Flanke und der ehemalige Winterthurer U21-Spieler Mychell Da Silva ganz alleine zum Kopfball zum 3:2 ansetzen konnte. Zwischen dem ersten und dem dritten Tor Servettes lagen genau fünf Minuten und 33 Sekunden, zwischen dem zweiten und dem dritten waren es gar nur 90 Sekunden. Es waren eindeutig die schwächsten FCW-Minuten der ganzen Saison – und das will bei dieser Jahresbilanz schon etwas heissen.

Die zweite Halbzeit war dann weniger unterhaltsam, weil auch von den Genfern defensiv besser geführt. Sie schossen nochmals ein Tor, wieder unbehelligt – und auch wieder, ohne dass Bojan Milosavljevic im Tor noch hätte eingreifen können. Die Winterthurer griffen auch nicht mehr sehr luzid an, aber mindestens ein Tor hätte noch fallen müssen. So als Luca Radice aus bester Position schiessen konnte, aber weit drüber zielte. Oder als Guillaume Katz einen Eckball aus fünf Metern freistehend nur noch aufs Tor hätte bringen müssen. Und Servettes Jung-Verteidiger Baba Souare jagte mal eine flache Hereingabe Luka Sliskovics an die Latte des eigenen Tores. So nahe kam dem Wesentlichen des Fussballs in dieser zweiten Halbzeit kein Winterthurer …

Dürftige Vorstellung

So aber schafften es die Genfer, vor der schwächsten Zuschauerzahl der Saison wenigstens das sechste Heimspiel unter Bojan Dimic zu gewinnen. Gegen den Tabellenletzten aus Wohlen hatten sie das noch nicht geschafft. Sie waren am Ende zufrieden, denn sie hatten erstmals seit dem Oktober ein zweites Mal in Folge gewonnen. Und sie hatten einen Match gekehrt, aber mit einer Leistung, die nicht dafür hätte ausreichen dürfen. Beim FCW fiel vielleicht Captain Radice mit seinem Einsatz auf; auch Silvio begann gut. Aber insgesamt war es ab der 20. Minute eine sehr dürftige Vorstellung, vor allem in der Achse von Abwehr und Mittelfeld. «Unglaublich» – entfuhr es Bordoli später wiederholt. «Unglaublich» eben wie seine Mannschaft einen scheinbar sicheren Vorsprung weggegeben, ein scheinbar sicher kontrolliertes Spiel aus der Hand gelassen hatte. Professioneller (Resultat-)Fussball sieht in der Tat ganz anders aus.

Erstellt: 14.05.2018, 23:19 Uhr

Infobox

Servette – FC Winterthur 4:2 (3:2)

Stade de Genève. – 1012 Zuschauer. – SR Bieri. – Tore: 3. Silvio (Foulpenalty) 0:1. 10. Gazzetta 0:2. 22. Omeragic 1:2. 27. Willie 2:2. 28. Mychell Da Silva 3:2. 65. Omeragic 4:2. – Servette: Gonzalez; Sarr (38. Souare), Fabry Castro, Nathan, Busset; Wüthrich, Dalibor Stevanovic; Miroslav Stevanovic, Mychell Da Silva (85. Vitkieviez), Willie; Omeragic (65. De Ceglie). – FCW: Bojan Milosavljevic; Markaj, Doumbia, Lopez, Stettler; Radice, Ljubicic (68. Katz), Nikola Milosavljevic, Schulz (66. Sutter); Karim Gazzetta (76. Sliskovic); Silvio. – Bemerkungen: Servette ohne Sauthier, Cespedes, Imeri, Lang, Alphonse (verletzt), Antunes (krank), Le Pogam und Luca Gazzetta (nicht im Aufgebot); Sarr verletzt ausgeschieden, danach Fabry Castro Rechts- und Souare Innenverteidiger; De Ceglie nach seiner Einwechslung links im Mittelfeld, Willie zweite Sturmspitze neben Mychell Da Silva; letztes Spiel des Torhüters David Gonzalez (32), der deshalb Captain sein durfte. – FCW ohne Roth, Duah, Nsumbu (verletzt), Saliji (krank), Ulrich, Lanza und Isik (am Sonntag bei der U21); nur fünf Mann auf der Bank; Katz nach seiner Einwechslung Innenverteidiger, Doumbia im Mittelfeld. – 18. Tor Silvios wegen Fouls (??) von Schulz nicht anerkannt. 78. Souare lenkt flache Hereingabe Sliskovics an die Latte des eigenen Tores. – Verwarnungen: 2. Fabry Castro (Penaltyfoul). 75. Silvio (Foul).

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