Fussball

Servette und FCW sind die Teams der Stunde

FCW - Servette ist am Freitag auf der Schützi das Duell der punktgleichen Spitzenklubs der Challenge League. Und der Teams der Stunde: Der FCW hat von seinen letzten sieben Spielen fünf gewonnen, Servette sich mit vier Siegen in Serie nach vorne geschoben.

Begeisterung löste die Art und Weise aus, wie Servette (links Kastriot Imeri) letzten Sonntag den FC Schaffhausen 3:0 bezwang.

Begeisterung löste die Art und Weise aus, wie Servette (links Kastriot Imeri) letzten Sonntag den FC Schaffhausen 3:0 bezwang. Bild: Keystone

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Die Genfer gingen in die Saison mit dem klaren Ziel, mindestens Zweiter und damit Barragist zu werden. Jetzt sind sie, wenn auch nur dank dem Torverhältnis vor dem FCW, gar Erster. Sie sind es nach einem Vierteljahr, in dem sie sich zusehends steigerten: Nach den ersten sechs Spielen hatten sie nur neun Punkte, aber seither verloren sie nie mehr, nach drei Unentschieden siegten sie viermal in Folge. Zusammengezählt ergibt das: Aus den letzten vier Spielen holten sie so viele Punkte wie aus den ersten neun!

Das Warten auf Koro Koné

Die Art und Weise, wie am vergangenen Sonntag Schaffhausen mit einem 0:3 heimgeschickt wurde, löste Begeisterung aus – auch in den lokalen Medien. Über das Kontertor zum 2:0, das Sébastien Wüthrich nach beeindruckendem Direktspiel über ein halbes Dutzend Stationen erzielte, liessen sich im Netz sogar Franck Ribéry und Juventus Turins Douglas Costa lobend aus. Auf jeden Fall fühlen sie sich in Genf vor der Reise nach Winterthur auf dem richtigen Weg. Sie denken, vor allem offensiv über das meiste Potenzial zu verfügen. Und das auch ohne den Mann, den sie eigentlich geholt haben, um – endlich – den Topskorer der Saison 2016/17, Jean-Pierre Nsame, zu ersetzen.

Der 29-jährige Ivorer Koro Koné ist für diese Rolle ausersehen. Er debütierte in der 5. Runde, am 24. August, und schoss gleich beide Tore zum 2:0 gegen den . . . FCW. Eine Woche später war er dabei, als das Spitzenspiel gegen Lausanne – nicht zuletzt wegen zweier Platzverweise – 0:1 verloren wurde. Aber dann wurde entdeckt, dass er gar nicht hätte spielen dürfen. Es fehlten Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung. Auf die sportlichen Ergebnisse hatte das, was man erstaunlich finden kann, keine Auswirkung. Aber spielen durfte Koné nicht mehr. Noch immer laufen – nach ersten Ablehnungen – die Verhandlungen mit den Behörden. Die Hoffnung ist nun diese: dass es bis zum Ende der Länderspielpause reicht, die Bewilligungen zu erhalten. Der Match gegen den FCW ist der letzte vor der Länderspielpause. Und schliesslich hat man auch ohne Koné in den letzten vier Spielen elf Tore geschossen.

Die Entwicklung in Winterthur wird, durchaus mit Erstaunen, natürlich auch in der Romandie registriert. Die 24 Punkte, wie sie der FCW nach 13 Runden noch nie hatte, seit Final- und Auf-/Abstiegsrunden abgeschafft wurden, also seit 15 Jahren. Mindestens so bemerkenswert ist, dass er nun Anfang November schon so viele Siege auf dem Konto hat wie in der vergangenen Saison am Ende, nach 36 Runden. Eines darf man wohl schon, selbst bei aller Vorsicht, sagen: Eine FCW-Saison wie die letzte wird sich nicht wiederholen.

Das ist auch noch zu sagen zu dieser Liga, die weiterhin vor allem eines prägt: die Ausgeglichenheit.

Lausanne – im Tief. War Servette zu Saisonbeginn der Favorit Nummer 1, so war Nachbar Lausanne die Nummer 1. Geraume Zeit wurden die Waadtländer diesem Anspruch auch gerecht, allerdings eher nach Resultat als nach Leistung. Also führten sie die Tabelle zeitweise an. Aber dann verloren sie in Winterthur ein erstes Mal, von den letzten sieben Matches wurde nur einer gewonnen. Wie Unruhe aufgekommen ist, musste Trainer Giorgio Contini am Samstag nach dem Heim-1:2 gegen Vaduz erkennen – nach einer offensiv neuerlich unbefriedigenden Leistung. «Contini raus» hallte durch die Arena. Das heisst zum einen noch nichts. Aber es gibt keinerlei Garantien, dass die neuen Besitzer mit der Mannschaft so geduldig sind wie der Trainer. Zu sehr lastet also auf den sportlich Verantwortlichen der Druck, dass von ihnen der Aufstieg erwartet wird. Schliesslich profitieren sie vom klar höchsten Budget. Das wird auch zu neuerlichen Investitionen in der Winterpause führen. Wenn Contini Pech hat, nicht nur in neue Spieler.

Die Kunstrasenteams – 29:9 Punkte. Eine sehr gute Saison macht bisher, wie der Nachbar von der Schützi, der FC Wil, als Dritter zwei Punkte hinter dem Spitzenduo. Als zumindest leicht unter den Erwartungen, jedenfalls unter den Hoffnungen sind Platz 7 und acht Punkte Rückstand des FC Schaffhausen zu sehen. Was für beide Klubs gilt: Sie spielen auf Kunstrasen und haben offensichtliche Kunstrasenbilanzen. Beide sind daheim weit erfolgreicher als auswärts. Am besten lässt sich das so erkennen: Zusammen holten sie aus 13 Heimspielen ohne Niederlage 29, aus ebenso vielen Auswärtsspielen nur 9 Punkte! Vor allem Schaffhausen hat mit seinen kleinen, leichtfüssigen Spielern eben auch ein Kunstrasenteam.

Vaduzer Fortschritte. Letzter der oberen Tabellenhälfte ist Vaduz, das als bisher einziger Klub den Trainer wechselte. Von den sieben Spielen unter Mario Frick wurden nur die zwei gegen den FCW verloren. Das (minimale) Saisonziel, ein Platz in der oberen Tabellenhälfte, müsste sich so erreichen lassen. Mehr wäre gewünscht.

Mit dem Blick nach unten. Zuerst nach unten schauen müssen auf jeden Fall die vier andern Teams der Liga – Rapperswil-Jona und Aufsteiger Kriens trotz bisher guten Leistungen, Chiasso mit seinen in jeder Beziehung dürftigen Ressourcen ohnehin. Aber vorderhand natürlich auch der FC Aarau. Er hat sich mit zwei – glückhaften – Siegen gegen Wil und in Chiasso herangekämpft. Man kann sich weiterhin nur schwer vorstellen, er könnte der Absteiger sein – aber klar besser spielen als bisher muss er schon. Und noch hat es Trainer Patrick Rahmen nicht geschafft, spielerische Fortschritte zu erkennen zu geben.

Rapperswil-Jona spielt zwar auch in seiner zweiten Saison solide. Aber nur noch zwei Punkte aus den letzten fünf Spielen griffen die Reserven an, und die sind bescheidener als an den meisten andern Orten. Ein Vorteil ist, dass am Obersee Realisten am Werk sind, welche die Gefahr genau erkennen.

Ein Gewinn für die Liga ist Kriens. Der Aufsteiger hat erst dreimal verloren. Aber wenn das nur reicht für den drittletzten Platz, dann zeigt das, wie knappes werden kann. Auffallendstes Merkmal: Es fällt den Kriensern sehr viel leichter, ein gegnerisches Spiel zu zerstören, als selbst etwas aufzubauen. Also holten sie aus sechs Heimspielen nur drei Punkte für Unentschieden. Die elf Punkte aus sieben Auswärtsspielen wären dagegen mehr als genug. Bisher war auch der Kunstrasen im neuen Kleinfeld kein Vorteil. Aber die Krienser haben eben auch weniger Spieler und die taktische Ausrichtung dafür. Dennoch ist zusammenzufassen: Am wenigsten würde überraschen, stiege Chiasso ab. (Der Landbote)

Erstellt: 07.11.2018, 15:30 Uhr

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