Winterthur

Steigerung zu vernünftig

Nach drei Niederlagen in nur vier Spielen doch schon etwas unter Druck, war der FCW zu einer guten Reaktion fähig. Die Leistung gegen den FC Wohlen war vernünftig, der Sieg verdient, aber mit 1:0 gefährlich knapp.

Erleichterung in den Reihen des FCW nach dem ersten Sieg im eigenen Stadion.

Erleichterung in den Reihen des FCW nach dem ersten Sieg im eigenen Stadion. Bild: Heinz Diener

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Die Niederlagen gegen den FCZ und daheim gegen den FC Aarau und Neuchâtel Xamax waren ­welche gegen höher eingestufte Teams; die Dreier von Anwärtern auf einen Spitzenplatz gegen einen FCW, der das in dieser Saison nicht ist. Im ersten Duell gegen einen schwächeren Gegner, in Chiasso, erfüllte er immerhin mit einem 1:0 seine Pflicht. Nun kam der FC Wohlen, auch er einer jener Klubs, die vor allem zu Hause schlagen muss, wer keine pro­blembeladene Saison haben will.

Das hat der FCW geschafft. Die Mannschaft hat, wie es Trainer Sven Christ formulierte, «dem Druck standgehalten, den sie sich auch selbst gemacht hat». Sie hat also ihren «Auftrag erfüllt», wie der ob des Ergebnisses begreiflicherweise erleichterte Trainer beifügte. «Erleichtert», sagte er noch, «weil der Sieg verdient war.» Weil der Coach also zur Leistung seines Teams stehen konnte, weil das Ergebnis nicht dem Zufall oder dem gemeinen Spielglück verdankt wurde.

Wohlens Hoffen bis zum Schluss

Es war der Sieg bei einem Anlass, der für ein Duell zweier Teams aus der unteren Tabellenhälfte unterhaltsam und abwechslungsreich war. Dass der Match allerdings bis zur letzten Sekunde spannend war, weil die Aargauer bis zum Schlusspfiff auf einen Punkt hoffen konnten, das musste dann doch erstaunen. Nimmt man das Chancenplus der Winterthurer, so hätten sie diesen zweiten Dreier der Saison sicher und mit mindestens zwei, drei Toren Differenz heimbringen müssen. Es wäre ein bedeutendes Ärgernis gewesen, in der Geschichte des Fussballs aber natürlich keine Neuheit, hätte der FC Winterthur diesen Match nicht gewonnen.

Aus der Sicht der Freiämter und ihres Trainers Martin Rueda war ärgerlich, «dass wir dieses Spiel verloren, obwohl der Gegner nur ein Tor schoss». Denn die Chancen, die sich auch seiner Mannschaft geboten hätten, fügte Rueda bei, hätten zu mindestens einem Tor führen müssen. Seine Wohler, sagte Rueda noch, seien «vorne zu wenig effizient und hinten zu fehlerhaft» gewesen. Aber wenn der Gegner davon nicht mit mehr als einem Tor profitiere ... Immerhin brachten die Aargauer eine Druckphase gegen Schluss zustande, nachdem Rueda nach und nach drei offensive für drei defensive Spieler aufs Feld geschickt hatte. Die beste Ausgleichschance bot sich Nico Abegglen, der mit seinem Schuss Richtung hintere Ecke aber nur den Aussenpfosten anvisierte.

Ein halbes Dutzend klare Chancen

Natürlich wäre jedem in den Sinn gekommen, dass oft bestraft wird, wer seine Chancen nicht nutzt, wenn die Winterthurer noch den Ausgleich kassiert hätten. Da hätten sie sich im Nachhinein erst recht ärgern müssen, was sie so alles versiebt hatten. Abgesehen vom Tor war es mindestens ein halbes Dutzend klarster Chancen. Das waren beispielsweise: ein Lattenschuss Luca Radices auf feinen Pass Romain Dessarzins (23.); ein Schuss Manuel Sutters aus bester Lage, den Joël ­Kiassumbua abwehrte (36.); ein Kopfball Marco Mangolds aus höchstens fünf Metern nach einem Corner (57.); ein Schuss Silvios in die Wolken unbedrängt aus zehn Metern (68.); und dann die beiden Läufe Luka Sliskovics alleine auf Kiassumbua zu (77. und 83.); mal flog der Ball daneben, mal hielt der Torhüter.

Da kam einem im Nachhinein schon fast als wundersam vor, dass dem Vorarlberger Manuel Sutter kurz vor der Pause ein erfolgreicher Torschuss gelungen war. Nach einem Ballverlust Marko Muslins lieferte Silvio den letzten Pass, Sutter schoss sein erstes Ligator für den FCW mit einem präzisen Flachschuss in die weitere Torecke. Es war die Zusammenarbeit zweier, die im Zentrum insgesamt ein gutes ­offensives Duo bildeten. Manuel Sutter (kleines Bild) scheint zurzeit der zupackendste Angreifer zu sein. Silvios Einsatzbereitschaft ist gut; er hat das Tor vorbereitet, aber er muss zwingend häufiger einen direkteren Weg aufs Tor gehen.

Darüber hi­n­aus hatte Christ so auf­gestellt: Die Abwehr bildete nach der Rückkehr Michel Avanzinis als Rechtsverteidiger das nominell beste Quartett; auf den Flügeln standen Dessarzin und Radice, dazwischen als «Sechser» Patrik Schuler und Mangold. Nicola Sutter musste also nach seiner mageren Vorstellung in Yverdon erstmals auf die Bank. Die wesentlichsten Aussagen dazu: Der FCW hat das 1:0 auch deshalb gehalten, weil gut gekämpft wurde, weil einer wie der zuletzt fehlerhafte Katz mit letztem Engagement kämpfte. So wie er fighten muss, wer wichtige Punkte halten will.

Das Lob des Trainers für Mangold

Eine besondere Personalie ist ­natürlich Mangold. Er stand erstmals wieder in einem Ligaspiel in der Startelf, nur wenige Wochen, nachdem er in des Trainers Planungen keine Rolle mehr gespielt hatte. Und Mangolds Qualitäten als «Sechser», wie er sie an einem guten Tag hat, waren hilfreich – in dieser Lage, da mit Kreso Ljubicic und Gianluca D’Angelo die beiden erster Wahl fehlen, Nicola Sutter nicht mehr überzeugt hatte. Der Trainer lobte Mangold gar als «überragend». Selbstverständlich sei er «ein Thema», wenn er seine Pflichten so erfülle. So gut gespielt wie gestern hat Mangold nicht mehr seit fast einem Jahr, etwa seit jenem Match Anfang Oktober 2015, den der FCW in Lausanne gegen den nachmaligen Aufsteiger 2:0 gewann. Damals übrigens wirkte Mangold noch neben seinem Kumpan Sandro Foschini, den er gestern wieder mal traf – als Gegner beim FC Wohlen.

Die allgemeine Tagesbilanz ist also diese: Der FCW trat erstmals in dieser Saison als so kampf­bereite Mannschaft auf, dass sich seine Leistung nicht nur zeitweise, sondern über 90 Minuten ­sehen liess. Es kann der Anfang einer positiven Entwicklung gewesen sein. Aber es war – ganz realistisch gesehen – auch erst der zweite Sieg im zweiten Spiel gegen eine Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte. Nimmt man den Cupmatch in Yverdon dazu, sind es drei Pflichtsiege. Das nächste Spiel dieses Zuschnitts folgt am Sonntag in Baulmes gegen den FC Le Mont. Wenn man auch dort sagen kann, die Leistung sei vernünftig gewesen, dann hat der FCW einen nächsten Schritt getan.

Erstellt: 22.08.2016, 14:28 Uhr

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