FCW

Von Alzenau bis zur Champions League

Mindestens fünf Neue standen stets in der Startelf, zwei kamen im Laufe der zweiten Halbzeit hinzu, wenn der FCW in dieser Saison zu einem Spiel in der Challenge League antrat. Wo aber ist die halbe Mannschaft aus der vergangenen Saison, die diese Neuen ersetzen?

In der Hessenliga spielt inzwischen Kreso Ljubicic, hier (rechts) im FCW-Duell gegen den FCZ im Mai 2017.

In der Hessenliga spielt inzwischen Kreso Ljubicic, hier (rechts) im FCW-Duell gegen den FCZ im Mai 2017. Bild: Heinz Diener

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Die Antwort liefert ein Blick von Deutschland bis nach Griechenland und Spanien. In einzelnen Fällen muss man allerdings nicht weit schweifen.

Ein Trio im Ausland

Jordi Lopez (26 Jahre/31 Pflichtspiele 2017/18). Der Spanier kam aus der Segunda B, der dritthöchsten Liga Spaniens, und war ein Jahr lang ein nicht ganz so stilsichererer Abwehrchef wie ihn sich Trainer Umberto Romano gewünscht hatte. Am Ende der Saison verpassten es Lopez und sein Management, die Option auf eine Vertragsverlängerung zu ziehen – also spielt er wieder in der Segunda B. Er verteidigt für die Union Adarve aus dem Grossraum Madrid. Atletico Madrid B war der erste Gegner, Real B oder Deportivo La Coruña B werden weitere sein. Zwei 1:1 sind die ersten Resultate.

Kreso Ljubicic (30/42 Pflichtspiele in zwei Jahren). Der Deutsch-Kroate mit Anfängen bei Eintracht Frankfurt in die Bundesliga war in seiner Zeit auf der Schützenwiese zu oft verletzt, um auf Dauer die gewünschte Führungskraft im Mittelfeld sein zu können. Deshalb erhielt er ­keinen neuen Vertrag. Er kehrte nach Deutschland zurück, in die Nähe Frankfurts zum FC Bayern Alzenau aus der (fünftklassigen) Hessenliga. Dort machte er bisher jeden Match. Nach sieben Liga- und zwei Cupspielen hat Alzenau neun Siege auf dem Konto. Ljubicic ist ein Leader, der ehemalige Zweit-Bundesligaspieler Angelo Barletta der Trainer. Das Saisonziel: der Aufstieg in die Regionalliga Südwest, der zuletzt knapp verpasst wurde.

Kofi Schulz (29/25 Pflichtspiele 2017/18, 4 Tore). Der Deutsch-Ghanaer war ein Mann für die ­linke Flanke, der mal besser, mal schwächer spielte. Die Trennung nach einem Jahr war in seinem Interesse, aber auch in dem des Vereins. Jetzt hat er einen Vertrag bei Apollon Smyrnis, einem Athener Klub aus der griechischen Super League. Zweimal spielte Apollon schon, beide Male verlor es 0:1; Schulz war nicht im Aufgebot. Nach dem ersten Match trat Trainer Valérien Ismaël, Franzose mit langer Bundesligaerfahrung als Spieler, zurück, weil er sich vom Präsidenten «bedroht» fühlte. Apollons neuer Torhüter Nummer 2 hat übrigens öfter für den FCW gespielt als Schulz: Vaso Vasic stand in Meisterschaft und Cup 50-mal im Goal des Winterthurer «Eins».

Sieben in der Schweiz

Matthias Minder (25/82 «Eins»-Spiele für den FCW). Mal war er die Nummer 1, dann wieder – hinter David von Ballmoos – die Nummer 2 im Tor des FCW. Nach einer weiteren, einer durchschnittlichen, Saison als Nummer 1 suchte er seine Chance in der Super League. Bei Aufsteiger Neuchâtel Xamax kam er unter. Dort ist Laurent Walthert vorderhand noch immer unbestritten erste Wahl. In der Liga sass Minder bisher stets auf der Bank, im Cup musste er auf die Tribüne, Veteran Federico Nicastro war Ersatz. Beim FCW in Erinnerung bleibt Minder als der Mann, der beim grossen Cupsieg gegen YB im Tor stand.

Leandro Di Gregorio (26/43 Pflichtspiele in zwei Jahren). Das erste Jahr des Aussenverteidigers auf der Schützi war durchzogen, zum zweiten kams nur, weil er die Option auf eine Vertragsverlängerung zog. Eingesetzt wurde er kaum noch. Jetzt nimmt er mit Stade Nyonnais einen Anlauf, in die Challenge League zurückzukehren. Nach fünf Spielen in Promotion League und Cup haben die Waadtländer sechs Siege auf dem Konto, Di Gregorio spielte stets 90 Minuten. An seiner Seite: Innenverteidiger Zlatko Hebib und Offensivmann Romain Dessarzin, 2016/17 Teamkollegen beim FCW.

Tiziano Lanza (23/37 Spiele im «Eins» des FCW). Er war ein Eigengewächs, Captain der U-21, immer im Anlauf, sich in der Challenge League durchzusetzen. Das schaffte er nicht. Er hätte beim Verein bleiben können, orientierte sich aber Richtung Zürich und spielt nun mit YF Juventus in der Promotion League. Er ist dort Stammkraft. Der Start aber missriet – ein 0:4 im Cup in Bellinzona, nur ein Punkt und letzter Platz nach fünf Meisterschaftsrunden.

Guillaume Katz (29/78 Pflichtspiele von 2015 bis 2018). Er war einst Captain und Europacupspieler bei Lausanne-Sport, dann drei Jahre eine Persönlichkeit beim FCW, allerdings mit sportlich sinkender Tendenz. Im Sommer beendete der Waadtländer seine Karriere als Profi. In Echallens mit Trainer Alexandre Comisetti ist er fortan Erstliga-Verteidiger – mit einem Höhepunkt vor der Brust: In zehn Tagen kommt Basel zum Cup-Sechzehntelfinal.

Silvio (33/70 Pflichtspiele, 30 Tore in zwei Jahren). Der jüngst eingebürgerte Brasilianer war zwei Jahre ein Skorer, wie ihn sich ein Verein wünscht. Aber er war auch immer wieder in Vertragshändel verwickelt. So ist er nun wieder ein «Wiler» und kein «Winterthurer» mehr. Gleich im ersten Spiel schoss er zwei Tore – zum 2:0 Wils gegen Winterthur. Einen wie ihn könnte der FCW noch immer brauchen, aber er muss ihn auch zahlen können.

Dario Ulric (20/19 Pflichtspiele 2017/18): Er kam vor einem Jahr als Leihgabe des FC Luzern. Er machte als Flügelmann grundsätzlich einen guten Eindruck. Er hätte sehr wohl bleiben können, zog dann aber die nächste Ausleihe zum SC Kriens vor, weil dort kein Davide Callà spielt und Ulrich auch deshalb beim Aufsteiger bessere Einsatzchancen sieht. Er spielte bisher auch regelmässig, am Sonntag lieferte er beim 2:2 in Vaduz einen ersten Assist.

Kwadwo Duah (21/26 Pflichtspiele, 6 Tore in der Saison 2017/18). Die YB-Leihgabe deutete wiederholt grosses Talent an, bot aber öfter geradezu rätselhafte Leistungen. Er wurde im Sommer zu Servette weitergereicht. Zuerst musste er sich einer Leistenoperation unterziehen, noch steht die Integration ins Genfer Kader aus.

Einer in der Champions League

Yang Ming-Yang (23/4 Pflichtspiele 2017): Als «Chinese, der Baseldeutsch spricht» kam Yang im Sommer 2017 aus Lausanne. Er begann die Saison als erste Wahl, am 31. August, dem letzten Tag der Transferzeit, wechselte er Hals über Kopf zu den Wolverhampton Wanderers. Die sind zwar in chinesischem Besitz, in die Nähe des «Eins» brachte es Yang dennoch nicht, selbst in der U-23 spielte er selten. Jetzt wirkt er – auf gleicher Höhe wie Jordi Lopez – in der spanischen Segunda B, beim FC Jumilla aus Murcia. Der wird ebenfalls chinesisch geführt. Mit den mittlerweile in die Premier League aufgestiegenen «Wolves» besteht seit kurzem eine Zusammenarbeit. Deshalb wechselten Yang und acht weitere Nachwuchsspieler aus Wolverhampton nach Murcia. Dort, das immerhin, spielt Yang Ming-Yang wenigstens. Nach zwei Spielen mit seinem Schweizer Chinesen hat Jumilla vier Punkte auf dem Konto.

Veljko Simic (23/2 Einsätze 2017): Er kam im September 2017, Trainer Umberto Romano fand keinen Platz für ihn, schon Mitte November und nach nur 95 Minuten auf dem Platz wurde Simics Vertrag wieder aufgelöst. Wer ihn jetzt sehen will, muss im TV schon Champions-League-Übertragungen einschalten: Simic spielt für Roter Stern, war in dieser Saison noch in jedem Pflichtmatch im Einsatz – auch gegen Salzburg, als sich Roter Stern für die Gruppenphase der … Champions League qualifizierte! (Der Landbote)

Erstellt: 05.09.2018, 21:55 Uhr

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