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Warum machen die das bloss, die Engländer?

Heute endet die Transferperiode der Premier League. Die Preise schnellen in absurde Höhen – davon profitieren könnte zum Beispiel die Bundesliga.

Kennen Sie den Torhüter auf diesem Bild? Er kostete Chelsea gerade 80 Millionen Euro, heisst Kepa und kommt von Athletic Bilbao.
Kennen Sie den Torhüter auf diesem Bild? Er kostete Chelsea gerade 80 Millionen Euro, heisst Kepa und kommt von Athletic Bilbao.
Getty Images
Weshalb? Weil Thibaut Courtois, der belgische WM-Held, Chelsea in Richtung Real Madrid verlassen hatte. Und weshalb noch? Weil Premier-League-Clubs nur bis heute Transfers tätigen dürfen – und nicht wie die meisten anderen Ligen bis zum 31. August.
Weshalb? Weil Thibaut Courtois, der belgische WM-Held, Chelsea in Richtung Real Madrid verlassen hatte. Und weshalb noch? Weil Premier-League-Clubs nur bis heute Transfers tätigen dürfen – und nicht wie die meisten anderen Ligen bis zum 31. August.
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Deshalb dürfte heute bei vielen Clubs noch etwas gehen. Wechselt zum Beispiel Englands Nationalspieler Harry Maguire von Leicester zu Manchester United?
Deshalb dürfte heute bei vielen Clubs noch etwas gehen. Wechselt zum Beispiel Englands Nationalspieler Harry Maguire von Leicester zu Manchester United?
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Dieser Donnerstag wird noch mal hart für Englands Sportärzte. Sie werden noch mal unglaublichen Stress haben, es wird unglaublich hektisch werden, und trotz aller Eile werden sie noch mal ganz genau hinschauen müssen. An diesem Donnerstag werden in Wolverhampton, Bournemouth und sowieso in London noch mal Dutzende sogenannter Medizinchecks anberaumt werden, und nach ordnungsgemässer Durchführung wird es dann auch für Vereinsmanager und Spieleragenten noch mal anstrengend.

Sie werden ebenfalls nicht viel Zeit haben, um sicher zu stellen, dass die handelsüblich obszön dotierten Verträge fehlerfrei und zur Zufriedenheit aller Parteien aufgesetzt werden und rechtzeitig die zuständigen Stellen erreichen. Nicht, dass eine Mail erst fünf Sekunden zu spät den Empfänger erreicht und der medizingecheckte Spieler doch nicht nach Wolverhampton, Bournemouth oder London wechseln darf.

Heute wird es lang und wild

Diese Art von Ladentorschlusspanik kennt man vom 31. August, jenem Datum, an dem in den relevanten Fussballligen klassischerweise die Transferperioden enden (meist gelingt es dem HSV, am 1. September um 0.07 Uhr einen Transfer zu melden, der dann leider nicht mehr gilt).

Jener 31. August war bislang auch der Tag, an dem die englischen Sportärzte, Vereinsmanager und Spieleragenten ihre Familien und Freunde vorgewarnt haben: Heute, Ihr Lieben, wird es lang und wild, heute müsst ihr nicht mit uns rechnen.

Kaufen: Nein, Verkaufen: Ja

Seit die Premier-League-Clubs aber im vergangenen Herbst eine markante Entscheidung getroffen haben, mussten sich Familien und Freunde an eine neue Frist gewöhnen: Am 17. September 2017 beschlossen Englands Erstligisten, dass der englische Transfermarkt künftig am Donnerstag vor dem Start der Premier League schliessen soll.

Das heisst konkret: Nur bis zu diesem Donnerstag, dem 9. August, dürfen die Premier-League-Clubs noch einkaufen gehen – dann greift der selbst auferlegte Einkaufsstopp. Verkäufe dagegen sind weiterhin erlaubt – solange eben, bis die anderen Ligen ihre Märkte ebenfalls dichtmachen, die meisten von ihnen an diesem berühmten 31. August.

Es stellt sich nun also eine einzige, aber schon ein bisschen wichtige Frage: Warum machen die das bloss, die Engländer?

Das Beispiel Kepa

Sie machen es vor allem, weil sie sich selbst endlich zu einer frühen und seriösen Kaderplanung zwingen wollen. Es soll keine schrägen Hängepartien mehr geben wie vor einem Jahr, als der Spieler Alex Oxlade-Chamberlain am dritten Spieltag mit dem FC Arsenal gegen den FC Liverpool unterging – um ein paar Tage später in der letzten Transfersekunde nach Liverpool zu wechseln.

So haben sich die Engländer mit der Verkürzung der Transferfrist nun sehenden Auges einen Wettbewerbsnachteil herbei organisiert, den man wunderbar mit diesem grossen Torwarttransfer bebildern kann: Der Baske Kepa ist nicht der beste Torwart der Welt, aber der teuerste.

Weil sich der FC Chelsea vom Abschied seines belgischen Keepers Thibaut Courtois (Wechsel zu Real Madrid) massiv unter Druck gesetzt fühlte, bediente sich Chelsea bei Athletic Bilbao – und bezahlte für Kepa die monstöse Ausstiegsklausel von etwa 80 Millionen Euro.

Und weil sich die Leute von Leicester City vom bevorstehenden Abschied ihres Nationalverteidigers Harry Maguire (mutmassliches Ziel Manchester United) ebenfalls massiv unter Druck gesetzt fühlen, werden sie nun wohl über 20 Millionen für den Türken Caglar Söyüncü ausgeben, der bisher beim doch sehr kleinen SC Freiburg ein begabter, aber keinesfalls fehlerfreier Verteidiger war.

Die Bundesliga im Vorteil

So geht er also, der neue Mechanismus: Weil die Engländer Anfang August unter Zugzwang geraten, sausen die Preise Anfang August in irre Höhen – zu einer Zeit, in der es sonst noch gemässigt zugeht auf dem Markt. Und wenn die Engländer dann zu viel Geld für echte und vermeintliche Wunschspieler ausgegeben haben, fällt das Preisniveau wieder – und die Clubs aus anderen grossen Ligen können geradezu genüsslich abwarten, was in den drei Wochen bis 31. August noch so passiert.

So werden auch die Bundesliga-Clubs genau beobachten, welche Profis in der Premier League demnächst unzufrieden sind, weil sie auf der Ersatzbank landen – «kann sein, dass plötzlich der ein oder andere interessante Spieler auf den Markt kommt, mit dem man jetzt noch gar nicht rechnet», sagt Frankfurts Sportchef Fredi Bobic.

«Wir selber können dann noch agieren, wissen aber gleichzeitig, dass der für uns gefährlichste Markt schon geschlossen hat. Wir können in England noch kaufen, aber die können uns nichts mehr wegkaufen.»

Deshalb haben sie auf der Tagung der Bundesliga-Manager im Frühjahr beschlossen, das deutsche Transferfenster trotz anderer Überlegungen weiterhin erst am 31. 8. zu schliessen. Diesen Vorteil gegenüber den Engländern wollten sich die deutschen Manager nicht entgehen lassen.

José Mourinho war dagegen

Es sollte aber niemand meinen, dass die Engländer plötzlich von allen guten Geistern verlassen sind. Auf der Insel kapieren sie schon, was sie da machen, sie nehmen den freiwilligen Wettbewerbsnachteil aber mit einer geradezu erhabenen Wurstigkeit. «Die Engländer machen sich nicht klein, sondern eher gross», sagt Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke, «die Engländer treffen ihre Entscheidungen total selbständig, es interessiert sie nicht besonders, was das für andere Ligen bedeutet.»

Die Entscheidung fiel allerdings nicht einstimmig, damals im September. José Mourinho zum Beispiel war dagegen.

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