FC Seuzach

Wenn ein Abstieg keine Katastrophe ist

Nach vier Jahren in der 1. Liga muss der FC Seuzach den Gang zurück in die 2. Liga interregional antreten. Trainer Markus Wanner erklärt, warum ihn dieses Verdikt nicht allzu sehr enttäuscht hat.

Mit Spektakel in der 1. Liga ist es für Seuzach vorerst vorbei: Martin Lauber (rechts), der aufhört, im letzten Spiel in Gossau.

Mit Spektakel in der 1. Liga ist es für Seuzach vorerst vorbei: Martin Lauber (rechts), der aufhört, im letzten Spiel in Gossau. Bild: Urs Kindhauser

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Die wichtigste Frage beantwortet Seuzachs Trainer Markus Wanner klar: «Der Wiederaufstieg in die 1. Liga ist das Ziel. So, wie wir unterwegs sind, wäre es nicht richtig, etwas anderes zu sagen. Aber es wird schwer, schwerer als es gewesen wäre, nicht abzusteigen.» Um diese Aussage richtig zu verstehen, muss man wissen, wieso Seuzach plötzlich ein Absteiger ist und warum dem Club seine seit Jahren gelebte Philosophie nun eine Hilfe ist.

Acht Jahre nur aufwärts

Seuzach ist ein Club, «bei dem es acht Jahre lang nur aufwärts gegangen ist. Im neunten Jahr ist der Schuss jetzt eben mal nach hinten los», sagt Wanner. Von der 2. Liga verbesserte sich Seuzach in die 2. Liga interregional, dann in die 1. Liga, aus der sich das Team nach vier Jahren nun also verabschieden muss. Unter eigentlich unglaublichen Umständen: Fünf Teams waren punktgleich, nur eines von ihnen erwischte es: Seuzach wegen seiner schlechten Tordifferenz. Dabei war Wanners Truppe keineswegs aus einer schlechten Position in die Endphase der Saison gegangen. Und sie holte aus den letzten fünf Spielen immerhin acht Punkte. Zu wenig, wie sich herausstellte.

«Der Wiederaufstieg in die 1. Liga ist das Ziel. Aber es wird schwer.»

Markus Wanner, Trainer FC Seuzach

Wenns so knapp war, ist es eigentlich müssig, nach konkreten Gründen zu suchen. Gewiss: Seuzach hat zu viele Tore bekommen, fast zwei pro Spiel. Sicher hatte Wanner immer wieder mit verletzungsbedingten Ausfällen zu kämpfen. Und ja, die Rückrunde war um drei Punkte schlechter als die Vorrunde. Dennoch resultierten total 31 Zähler, Seuzach hat in vier Erstligajahren nur einmal mehr geholt.

«Man kanns auch so sehen: Der Rückstand auf einen Platz in den Aufstiegsspielen betrug auch nur elf Punkte, so wenige wie noch nie», sagt Wanner. «Deshalb ist es für uns eigentlich eine gute bis sehr gute Saison gewesen, und deshalb bin ich auch nicht enttäuscht. Zumal wir in der zweiten Halbzeit gegen Gossau gezeigt haben, dass wir durchaus in die 1. Liga gehören. Das war für die Zukunft wichtig.»

Philosophie als Hindernis . . .

Zum Misserfolg beigetragen haben auch andere Dinge. «Vielleicht hat es eine Rolle gespielt, dass es für uns jahrelang nur aufwärts gegangen ist. Das kann zu einer gewissen Sättigung beigetragen haben», mutmasst Wanner. «Vielleicht fehlte uns auch nur das nötige Quäntchen Glück.» Relevant war sicher auch, dass der Trainer in der Rückrunde drei Spiele lang krankheitshalber passen musste. Keinen einzigen Punkt holte sein Team in dieser Phase ohne ihn.

Womöglich ist den Seuzachern irgendwo auch ihre Vereinsphilosophie ein bisschen zum Verhängnis geworden. Seuzach ist stolz auf seinen unbezahlten Fussball. «Die Spieler bekommen kein Geld, dafür etwas mehr Lebensqualität», erklärt Wanner. Die Folge ist dann auch, dass ein Spieler in Seuzach im Schnitt weniger trainiert als anderswo, was sich im Sport halt auswirkt.

«Wir haben ehrgeizige Ziele und wir wollen ehrgeizige Spieler in unserem Kader haben.»

Markus Wanner

Nichts zu tun hat dieses Konzept allerdings mit Plauschfussball. Wanner: «Wir wollen unserem Hobby auf möglichst hohem Niveau nachgehen. Wir haben ehrgeizige Ziele, und wir wollen ehrgeizige Spieler in unserem Kader haben. Allerdings sind es dann welche, die primär auf den Job und nicht mehr in erster ­Linie auf die Fussballkarriere ­setzen.»

Hobby auf möglichst hohem Niveau: Das war in den letzten vier Jahren die 1. Liga, immerhin die vierthöchste Liga der Schweiz. Nur 36 Klubs spielten noch weiter oben. Das heisst für den Club (notgedrungen) auch, dass es nicht zwingend immer 1. Liga sein muss. «Der SC Freiburg kann auch nicht die nächsten zwanzig Jahre in der Bundesliga planen», sagt Wanner. So gesehen ist der Abstieg für Seuzach auch keine Katastrophe.

. . . und als Hilfe

Die für die 1. Liga spezielle Vereinsphilosophie Seuzachs hilft dem Club nun freilich auch, sein Kader beieinanderzuhalten. 18 von 23 Spielern haben für die kommende Saison bereits zugesagt, bevor die Ligazugehörigkeit geklärt war. Cyril Dietz, Athede Berisha, Martin Lauber und Marc Müller treten zurück, Fabian Schalcher wird in der zweiten Mannschaft weitermachen. Von diesem Quintett war in der vergangenen Saison nur Schalcher Stammspieler. Das heisst: Seuzach kann auch in der 2. Liga interregional auf seine wichtigsten Stützen zählen.

Als Zugang steht bislang Simon Gillioz aus der 2. Mannschaft fest. Vier bis fünf Spieler will Wanner noch verpflichten, sie dürften eher nicht aus den eigenen Reihen kommen, denn die Ansprüche sind hoch: «Es müssen Verstärkungen sein, die sich mit unserem Verein identifizieren wollen.»

Punkto Saisonplanung übrigens spielt es für Seuzach keine Rolle, ob das Team in der 1. Liga oder in der 2. Liga interregional spielt. Das Sommertraining beginnt übernächste Woche. «Einzig ein zusätzliches Testspiel muss ich noch organisieren», so Wanner. Denn die Saison startet eine Liga tiefer eine Woche später als bisher. Für Seuzach ist das ein Vorteil, denn nach den Ferien kann Wanner dann auf sein vollständiges Kader zählen. (Der Landbote)

Erstellt: 30.05.2018, 20:28 Uhr

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