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Wenn schon scheitern, dann richtig

Der FC Zürich verliert 0:5 gegen Servette. Er macht das in einer Art und Weise, die Spieler und Umfeld sprachlos macht.

Auch Benjamin Kololli lässt gegen Servette seine Treffsicherheit vermissen. Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)
Auch Benjamin Kololli lässt gegen Servette seine Treffsicherheit vermissen. Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

Die Stimme klingt todunglücklich, alle Euphorie ist aus ihr entwichen. Sie, die sonst so schmetternd aus den Lautsprechern ertönt. Genf hat das 5:0 geschossen, und der Stadionsprecher tut seine Pflicht. Er protokolliert mit Trauerflor das letzte Tor an diesem Sonntag, der zum Fiasko wurde. Nach der Partie sagt der FCZ-Speaker: «Was will ich noch sagen? Die Luft war draussen.»

Es ist eine Szene, die für das brachiale Reissen der FCZ-Siegesserie steht – und es gibt sechs weitere, die das Debakel in allen Facetten illustrieren. Nach vier 0:4-Niederlagen in dieser Saison zeigt sich einmal mehr: Der FCZ hat aus dem totalen Scheitern eine Kunst gemacht.

Szene 2: Benjamin Kololli läuft in der 13. Minute mit dem Ball Richtung Tor, mit ihm Marco Schönbächler und Assan Ceesay. Bloss zwei Gegner stellen sich ihnen entgegen. Ceesay ist wunderbar positioniert, er hätte Raum vor sich, doch er bekommt den Ball nicht, es scheint gar, als schneide Kololli Kollege Ceesay. Der Ball geht wenig später verloren. Die Szene ist ein Vorbote für alles Unheil, das noch kommen wird. Der FCZ funktioniert nicht, Bälle gehen unter liederlichen Umständen verloren, die Zürcher spielen nicht zusammen, sie lassen ziemlich alles vermissen, was ihnen in den letzten fünf Wochen noch geglückt ist.

Szene 3: Pa Modou spielt am gegnerischen Strafraum dem Gegner den Ball in die Füsse, es ist einer von vielen Fehlpässen an diesem Sonntag. Servette kontert sogleich, Becir Omeragic läuft am Ball vorbei, Servette hat unfassbar viel Raum und der Südkoreaner Jung-bin Park nützt das aus. Er vollendet in der 18. Minute zum ersten seiner drei Tore. Die Szene offenbart das dürftige Abwehrverhalten, das sich immer wieder wiederholt.

Szene 4: Für einmal kann sich der FCZ auf der Seite durchspielen, der Ball kommt in die Mitte, und Toni Domgjoni trifft den Ball aus günstiger Position nicht richtig. Doch er bekommt unverzüglich eine zweite Chance in Form eines Nachschusses. Sechs Meter vor dem Tor kann er Ecke, Höhe und Schussstärke aussuchen. Er justiert so schlecht, dass es fast schon bewundernswert ist, wie er den Ball aus dieser Distanz über das Tor schlagen kann.

Szene 5: Kololli darf am Strafraumrand aus spitzem Winkel einen Freistoss schiessen, er flankt den Ball nicht, sondern spielt ihn flach an der Mauer vorbei, dort steht Schönbächler. Doch dieser ist nicht bereit, mit den Gedanken anderswo und sieht den Ball nicht kommen. Ballverlust. Einer von vielen.

Szene 6: Die FCZ-Spieler kommen nach der Pause als erste aus der Kabine, viel früher als die Genfer, sie haben sich offenbar etwas vorgenommen, 0:2 steht es. Trainer Magnin hat in der Pause geraten, auf Tutti zu gehen. Das sieht dann so aus: Nach zehn Sekunden kommt Servette bereits zum Abschluss – Tor­hüter Yanick Brecher kann mit Mühe parieren. Fünf Minuten später trifft Jung-bin Park erneut, die Zürcher sehen aus wie Schulbuben, es wird sich noch zweimal wiederholen.

Szene 7: Nach der Partie marschieren alle Spieler an den Journalisten vorbei, sie ziehen es vor, wortlos in der Kabine zu verschwinden. Die Ausnahme: Captain Brecher. «Die Leistung war unter aller Sau», sagt er. Die Niederlage sei «extrem brutal» und «verdient und gerechtfertigt».

So bleibt das Fazit: Der FCZ ist keine Spitzenmannschaft und nach wie vor instabil. Er hat zudem weiterhin den Hang, auseinanderzufallen. Nächsten Samstag bietet sich in St. Gallen die Chance auf Wiedergutmachung.

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