Challenge League

Wie lange dauert der GC-Marsch?

Drei Jahre nach dem FCZ werden die Grasshoppers zum Marsch durch die Challenge League gezwungen. Die grosse Frage: Dauert er auch für sie nur ein Jahr?

Rückkehrer Vero Salatic ist einer von denen, die bei GC das Korsett bilden sollen.

Rückkehrer Vero Salatic ist einer von denen, die bei GC das Korsett bilden sollen. Bild: Manuel Geisser

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Die wenigsten können sich aus eigenem Erleben an den grossen Grasshopper-Club in der Zweitklassigkeit erinnern. An die zwei Jahre in der Nationalliga B von 1949 bis 1951. Schon wesentlich präsenter ist, dass der FCZ und der FC Basel 1988 in die Nationalliga B abstiegen – und die Basler erst sechs Jahre später zurückkehrten, vier Jahre nach den Zürchern. Und natürlich weiss jeder, dass vor drei Jahren der FCZ das «Unmögliche» schaffte und in die Challenge League stürzte. Jetzt folgten ihm die Grasshoppers, und die Umstände sind anders, viel bedrohlicher als ehedem für den FCZ. Deshalb stellt sich auch die Frage, ob es bei GC wie beim FCZ bei der Ehrenrunde bleibt, wie sie so mancher Schüler ohne nennenswerte Folgen fürs spätere Leben drehen musste. Oder ob die Zeit in der fussballerischen Unterwelt länger wird.

Die Voraussetzungen sind anders: Der FCZ stieg damals mit einer Super-League-Mannschaft ab; wegen Fehlleistungen wie schlechter Trainerwahl. Aber es war ein Team, das zweifelsfrei die Grundlage bilden musste für den direkten Wiederaufstieg. Dass die präsidiale Familie Canepa nicht daran dachte aufzugeben, war natürlich ein massgeblicher Punkt. GC aber ist nun abgestiegen mit einer Mannschaft, die für die Super League einfach nicht gut genug war. Obwohl die Rückrunde schon längst lief, als die damaligen sportlichen Exponenten noch immer an die Europa League dachten.

Das Problem von GC: Der Verein wurde gleichsam von innen aufgefressen. Diese Entwicklung zog sich über Jahre hin. Und wenn jetzt die aktuellen Exponenten wie Vizepräsident Andreas Gurovits oder Trainer Uli Forte im Tonfall der Bescheidenheit reden, dann soll das auch zeigen, man habe die Lehren gezogen. Daraus eben, dass sich noch im Frühjahr der Grasshopper-Club an seinem durch die Vergangenheit geprägten Namen mass und nicht an seiner aktuellen Verfassung. Also sagt Gurovits heute: «Wenn wir die sofortige Rückkehr ins Oberhaus als Zielsetzung ausgäben, wäre das grossmäulig. Aber klar ist, dass wir bald in die Super League zurückkehren wollen.»

Genug Geld muss es sein

Wie weit derlei Äusserungen zum Nennwert zu nehmen sind oder sie bei GC insgeheim nicht doch denken, mit dieser Mannschaft muss man aufsteigen – das wird man dann sehen. Immerhin, wenn einer weiss, wie es ist, einen «Grossen» direkt in die Elite zurückzuführen, dann ist es der Trainer. Forte erfüllte in der Saison 2008/09 den Auftrag, mit dem FC St. Gallen ein Jahr nach dem Abstieg aufzusteigen. Und er erfüllte denselben Auftrag vor drei Jahren mit dem FCZ. Eine Parallele: mit den FCZlern schaffte er es vorher genauso wenig, als Nothelfer für die letzten Runden oben zu bleiben, wie jetzt mit den Grasshoppers. Und man muss beifügen: In beiden Fällen war er bei Amtsantritt der Überzeugung, den Abstieg werde er vermeiden.

Keine entscheidende Rolle spielen sollten bei Fortes Arbeit die Finanzen, mag das Budget mit nun 13,6 Millionen Franken auch um einige Millionen «bescheidener» sein, als es der vom prominenten Basler Duo Bernhard Heusler/Georg Heitz beratene Kurzzeit-Präsident Stephan Rietiker für nötig befunden hatte. Am nun verfügbaren Geld dürfte ein direkter Aufstieg nicht scheitern. Genauso wie GC immer genug Mittel hatte für ein Kader, mit dem man nie abgestiegen wäre. Aber dafür hätte man einigermassen vernünftig arbeiten müssen.

Von Salatic bis Alves

Fakt ist, die Grasshoppers reisen nun – drei Jahre nach dem FCZ – als grosse Attraktion durch die Challenge League, von Winterthur bis Nyon. Schon beim Startspiel heute könnte der Kontrast zur Vergangenheit nicht grösser sein: Es ist nicht Lausanne, Aarau oder der FCW der Gegner, sondern Stade Lausanne-Ouchy. Und der in einem leeren Letzigrund. Was auch eine Altlast aus der grausam misslungenen letzten Saison ist. Die Reise durchs Unterhaus macht Forte mit einer Mannschaft, die von der Besetzung her sicher eine für die Spitze der Liga sein müsste. Wie viel sich getan hat, zeigt auch diese Zahl: 16 Fussballer, die in der vergangenen Saison in der Super League mal für GC spielten, sind nicht mehr dabei. Das Korsett sollen der prominente Rückkehrer Vero Salatic, der nach langer Verletzungspause wieder bereite Marko Basic oder auch Nassim Ben Khalifa, ein anderer Rückkehrer, bilden. Vielleicht kommt noch Philippe Senderos dazu.

Es gibt auch vielversprechende Talente wie Mergim Bajrami, Petar Pusic oder Roberto Alves. Alves war im Frühjahr, als er sich in Winterthur einen Stammplatz erobert hatte, einer der besten Spieler der ganzen Challenge League. Zu jener Zeit war er von den Grasshoppers in die fussballerische Unterwelt ausgeliehen, jetzt sind sie selbst dort – und könnte Alves eine grössere Hilfe werden.

Erstellt: 19.07.2019, 19:29 Uhr

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