FC Winterthur

Wieder mal punkten gegen Xamax

Nach dem ersten hat der FCW nun den Zweiten der Challenge League zum Gegner: Neuchâtel Xamax kommt morgen auf die Schützi. Spielen die Winterthurer wie in Schaffhausen, sind sie gewiss nicht aussichtslos.

Bei Xamax gefeiert: Der 36-jährige Goalie Federico Nicastro, der auf der Berner Hauptpost arbeitet und gegen Servette einsprang.

Bei Xamax gefeiert: Der 36-jährige Goalie Federico Nicastro, der auf der Berner Hauptpost arbeitet und gegen Servette einsprang. Bild: Keystone

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Geht’s nach den Zahlen, ist FCW – Xamax am Sonntagnachmittag allerdings eine klare Sache: Der Tabellenachte, der noch keines von vier Heimspielen gewonnen hat, empfängt den Zweiten, der seine ersten drei Auswärtsspiele allesamt gewonnen hat. Es erscheint Neuchâtel Xamax, das seit seinem Wiederaufstieg vor zwei Jahren sieben von acht Matches gegen den FCW gewonnen hat. In der vergangenen Saison waren die Neuenburger einzige Mannschaft, gegen die der FCW nicht einen Punkt holte. Xamax ist, zumindest nach Resultaten, auch auf gutem Weg, sein wichtigstes Saisonziel zu erreichen: Nach zweiten Plätzen 2015/16, als Neuling hinter Lausanne, und 2016/17 hinter dem unantastbaren FC Zürich haben sich die Neuenburger die Rückkehr in die Super League vorgenommen. Vor allem Präsident Christian Binggeli tat (und tut) das so unmissverständlich, dass Trainer Michel Decastel immer wieder die Nase rümpft. Und zum Trainingsauftakt im Juni hat Binggeli gleich auch verkündigt, nicht nur der Aufstieg, sondern auch der Cupsieg sei ein Ziel. Damit allerdings ists vorbei. Xamax ist am vergangenen Sonntag, anderthalb Stunden später als der FCW, genauso an einem Erstligisten gescheitert. Gegen Echallens verloren die Neuenburger in der Verlängerung, als ihr Innenverteidiger Igor Djuric für den vom Platz gestellten Loïc Jacot im Tor stand und mit einem Patzer den Elfmeter verschuldete, der das 2:3 brachte.

Der Pöstler im Tor

In der Meisterschaft machte Xamax wochenlang den Eindruck, unter dem hohen Erwartungsdruck zu leiden. Es wirkten zumal erfahrene Spieler wie das Offensivtrio Raphaël Nuzzolo, Charles-André Doudin und Rückkehrer Geoffrey Tréand nicht in Form. Zwar wurde nur das Heimspiel gegen Schaffhausen verloren, allerdings viel klarer als es das 0:1 aussagen würde. Und selbst gegen neun Wiler musste Xamax froh sein, ein (Sieges-)Törchen zustande zu bringen. Immerhin, am Mittwoch zeigte die Mannschaft Decastels eine Charakterleistung, als sie gegen den eine Stunde lang klar stärkeren Servette FC aus einem 1:2 noch ein umjubeltes 3:2 machte. Decastel war stolz auf die Kampfkraft seiner Mannschaft – bis zum 3:2 Samir Ramizis in der Nachspielzeit.

Gefeiert wurde vor allem der Torhüter. Der 36-jährige Italiener Federico Nicastro, in dessen Palmarès bisher gut 20 Spiele in der italienischen Serie C1 herausragen, debütierte, weil Stammgoalie Laurent Walthert verletzt ist und die Nummer 2, der mit seinen 18 Jahren halb so alte Jacot, in Echallens eben Rot sah. Nicastro zeigte zumindest drei erstklassige Paraden und verhinderte so einen höheren Rückstand. Dennoch stand er am Donnerstagmorgen um halb sieben wieder an seinem Arbeitsplatz in der Berner Hauptpost. Immerhin, für die nächste Zeit will er sein Pensum dort auf 50 Prozent reduzieren, um bei jedem Training dabei zu sein. Ob er auch morgen im Tor steht oder Jacot zurückkehrt – das ist die Frage.

Minder und der Ablenker

Beim FCW arbeiteten sie gestern noch die Enttäuschung von Schaffhausen auf. Vorherrschend war die Meinung, dass man ein Spiel dieses Zuschnitts nie hätte verlieren dürfen. Aber auch die Überzeugung, im neuen System mit Viererabwehr eine Leistung geboten zu haben, die für ein solides Punktetotal reichen müsste – wenn sie denn einigermassen, wie es der Trainer fordert, der Normalfall werde. Optisch ist die Lage ja sehr schlecht. Wenn Aarau (gegen Rapperswil-Jona) und Wil (gegen Schaffhausen) punkten, droht dem FCW Platz 10 nach dem ersten Meisterschaftsviertel. Anderseits liegt Platz 4 auch nur drei Punkte entfernt.

Für Matthias Minder, den Torhüter, war klar, dass das entscheidende erste Gegentor 20 Minuten vor Schluss «nicht gefallen wäre», wenn Miguel Castroman den Ball Tunahan Ciceks nicht abgelenkt hätte, als er eher zufällig in die Schussbahn geraten war. «Ich war schon da, ohne diesen Ablenker wäre der Ball nie rein,» denkt Minder.

Silvio und die dritte Niete

Silvio ärgerte sich noch immer über den dritten Penalty, den er in seiner Karriere verschoss. 0:1 nach 24, statt 1:0 nach 69 Minuten – das wäre wohl massgeblich für die Punkteverteilung geworden. In seiner Karriere hat der 32jährige Brasilianer bisher 17 Penaltys verwertet, drei für den FCW. Hinzu kam der entscheidende letzte im Elfmeterschiessen des Cup-Viertelfinals in Bern. Gescheitert ist Silvio gestern zum dritten Mal. Vor Djordje Nikolic schafften dies: Als Erster Flamur Tahiraj, heute beim FC Wohlen, 2009 beim FC Schaffhausen, als er nach einer Viertelstunde Silvios Ball hielt. Der revanchierte sich danach eindrucksvoll, er schoss auf dem Weg zu einem 5:0 des FC Lugano die ersten vier Tore! Im März 2012 spielte Silvio in der 2. Bundesliga für Union Berlin. Ein Spiel gegen den MSV Duisburg endete 1:1, weil Silvio mit einem Elfmeter am späteren Bremer Bundesligagoalie Felix Wiedwald scheiterte.

Weil Silvio nun gegen Xamax und dann in Wohlen die zwei verbliebenen Sperren für die Rote Karte gegen Chiasso absitzt, wird’s morgen einen neuen Penaltyschützen geben, wenn erforderlich. Es ist auch ein neuer Captain einzusetzen, Luca Radice ist nach dem – zu harten – Platzverweis in Schaffhausen einmal gesperrt. Immerhin, Kreso Ljubicic ist zurück nach seiner Rotsperre, und das Angebot an valablen Mittelfeldspielern erhöht erstmals der Serbe Veljko Simic (22). Seine Arbeitsbewilligung traf, gestern, früher als erwartet (oder befürchtet) ein. Er sitzt anfangs auf der Bank. Er hat nie mehr gespielt seit der letzten Runde der vergangenen Saison – mit Chiasso beim 1:3 auf der Schützenwiese.

Erstellt: 22.09.2017, 21:22 Uhr

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