Winterthur

Zwei Spiele für eine neue Basis

Die Nachwuchstrainer Dario Zuffi und Umberto Romano sollen in Chiasso und gegen Biel mit dem FCW so viele Punkte gewinnen, dass er beruhigter in die Winterpause gehen kann. Vorgänger Jürgen Seeberger verabschiedete sich gestern.

«Wir wollen eine engagierte Mannschaft sehen»: Dario Zuffi (links) und Umberto Romano sollen dem FCW über die letzten zwei Runden helfen.

«Wir wollen eine engagierte Mannschaft sehen»: Dario Zuffi (links) und Umberto Romano sollen dem FCW über die letzten zwei Runden helfen. Bild: Heinz Diener

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Zehn Tage oder zwei Runden dauert das Fussballjahr des FCW noch. In aller Regel ist das nicht die Zeit für einen Abschied und einen – allerdings nur temporären – Neubeginn. Auf der Schützenwiese aber wars so.

Der Abgang des Enttäuschten. Jürgen Seeberger war aus Konstanz herbeigefahren, um sich zu verabschieden von der Mannschaft, die er noch am Mittwochnachmittag trainiert hatte. Er wirkte gezeichnet von der Enttäuschung, am Vorabend erfahren zu haben, nicht mehr der Cheftrainer zu sein. Obwohl er natürlich hatte ahnen können, was ihm nach der neuerlichen Niederlage, dem 2:3 am Montag in Wohlen, drohte. Mit Handschlag verabschiedete er sich von jedem Spieler.

Die Helfer auf Zeit. Bereit standen gleichzeitig die beiden, die als die erwartete interne Zwischenlösung dem Verein über diese letzten zwei Runden helfen sollen. Es sind altgediente FCWler, Dario Zuffi (51), in dieser Saison besonders erfolgreicher Coach der U21, und Umberto Romano (42), in der vergangenen Saison noch Ciri Sforzas Assistent in Wohlen, seither U18-Trainer beim FCW, dessen Captain er war, ehe er 2009 als Spieler zurücktrat.

Zuffi war von der Vereinsführung zuerst angesprochen worden, seinem Vorschlag entspricht nun die Doppellösung mit Romano. Sie machten es, sagen beide, auf gleicher Ebene, auch wenn die «Ansprache» von Romano komme. Beide haben als Trainer das A-Diplom, kommen für den Job als Chef in der Challenge League auf Dauer also nicht infrage. Im Falle Zuffis ist das ja nichts Neues, er hat derlei bewusst nie angestrebt. Der jüngere Romano dagegen ist noch in der Ausbildung. Er hat den Ehrgeiz, sich dereinst als Fussballlehrer mit Uefa-Pro-Lizenz zu präsentieren.

Das einzige Thema jetzt aber sei, «dem Verein zu helfen, dessen Angestellte wir sind», wie es Zuffi formuliert. «Wir fokussieren uns ganz auf die nächsten zehn Tage», sagen sie, denn die Tabelle zeigts: Zwei Siege würden schon einen ganz anderen Blick auf die Tabelle erlauben. Und sie fügen bei, was man in solchen Fällen sagt: «Wir wollen eine engagierte Mannschaft sehen – wie es normal ist. Und sie soll die Qualitäten auf den Platz bringen, die sie hat.» Also nicht zwei Gesichter zeigen wie am Montag, ein schlechtes wie bis zum 0:2, ein gutes wie danach zum – vorübergehenden – 2:2.

Die Mannschaft fragt sich selbst. Sie erledigt ihr Tagessoll nicht mehr unter Beobachtung von Seeberger und Thomas Binggeli, sondern eben von Zuffi und Romano, zuletzt mit einem internen Spiel neun gegen neun. Marco Mangold fehlt wegen seines Fussbruchs, Gianluca D’Angelo und Marco Trachsel sind da, aber spielen nicht mit. Patrik Schuler, der Vizecaptain, sagt: «Sicher waren wir überrascht, dass der Trainerwechsel über Nacht passierte. Wir wussten ja schon mal nicht, dass eine Vorstandssitzung stattfindet.» Und was hätte er überdies anderes sagen sollen als dies: «Es bleibt uns nichts anderes übrig, als den Entscheid des Vorstands zu akzeptieren.» Und dann Leistung zu bringen. Vielleicht sei ja der «eine oder andere nun ein bisschen befreit». Aber dass es in der Mannschaft «stimmt, hat sie doch in Wohlen nach dem 0:2 gezeigt». Wie es zu diesem Rückstand kommen konnte, wie «uns immer wieder so kleine Fehler passieren», darüber rätselten sie selbst, schliesst Schuler.

Der Verein und seine Fehler. Die Führung hat erstmals seit zwölf Jahren wieder einen Trainerwechsel im Laufe einer Saison vorgenommen. Damals lösten zuerst René Weiler und Hanjo Weller Yannick Schwéry ab, dann kam Gianni Dellacasa für sie. Mit Ruhm bedeckt hat sich der FCW im «Fall Seeberger» nicht. Er hat zu wenig den Eindruck einer Führung erweckt, in der die Kompetenzen klar geregelt sind und die Zielsetzungen klar formuliert. Es gab beispielsweise schon länger unterschiedliche Meinungen von Sportchef Wolfgang Vöge und Seeberger über einzelne Spieler. Das Ergebnis: Irgendwann verstärkte sich der Eindruck, Vöge (und andere) stünden nicht mehr so hinter dem Trainer, wie das in einem funktionierenden Fussballunternehmen sein muss.

Oder anders gesagt: Entweder war der Verein so von Seeberger überzeugt, dass er nicht nur mit ihm in die zweite Saison ging und ihn dann auch dezidiert unterstützte. Oder er trennte sich früher, allenfalls schon im Sommer, von ihm. Ein Vorwurf, wie er in der Super League dem FC Zürich zu Urs Meier und den Young Boys zu Uli Forte zu machen war. Das Hin und Her in der Vereinsführung erschwert die Aufgabe eines Trainers. Erst recht, wenn sich dann noch der Vizepräsident – nach wenigen Runden– bei Spielern und nahem Umfeld erkundigt, was sie vom Trainer hielten. Daraus muss Mike Keller die Lehren ziehen. Immerhin, es tönt, als seien sich die Vereinsoberen ihrer Fehler bewusst.

Seebergers Team wartet. Seeberger ist nun also FCW-Geschichte, anders verhält es sich mit seinen Partnern Thomas Binggeli, dem Assistenten, und Wolfgang Stolpa, dem Goalietrainer. Sie sind bis zur Winterpause von ihren Aufgaben befreit, aber sie haben noch einen Vertrag. Es ist – je nach Vorstellungen des neuen Trainers – vorgesehen, mit ihnen weiterzuarbeiten. Zumal auf die Dienste Binggelis zu verzichten, wäre ja nicht klug. Binggeli, der sich unter Hanspeter Latour den Ruf des «klassischen» Assistenten erarbeitete, macht seine Zukunft «nicht von einem Partner abhängig».

Er hat gestern die letzte Prüfung zur höchstmöglichen Trainerausbildung abgeschlossen. Er wartet nun ab, was auf ihn zukommt. Er ist natürlich bereit, seinen Vertrag zu erfüllen. Aber er hat auch im Hinterkopf, sich bei Gelegenheit als Chef zu beweisen. Die Delegation des FCW fährt schon heute am späteren Nachmittag nach dem Abschlusstraining ins Tessin. «Wir haben dieses Angebot des Klubs angenommen», sagt das Trainerduo, «es gibt uns auch die Gelegenheit zu Gesprächen mit den Spielern.» Ziel kann es nur sein, dem neuen Chef eine Mannschaft zu übergeben, deren Basis möglichst weit vom Tabellenende weg ist. (Der Landbote)

Erstellt: 26.11.2015, 21:21 Uhr

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