Playoff-Final

Diesmal erwischt es Pfadi

Im Playoff-Final musste Pfadi in der Deutweg-Eishalle den Ausgleich zum 1:1 hinnehmen. Wacker Thuns Siegtreffer zum 23:24 (8:12) fiel zwei Sekunden vor Schluss.

Auch die Tore von Roman Sidorowicz in der zweiten Halbzeit brachten Pfadi vor 2160 Zuschauern in der Deutweg-Eishalle nicht den zweiten Sieg über Wacker Thun ein.

Auch die Tore von Roman Sidorowicz in der zweiten Halbzeit brachten Pfadi vor 2160 Zuschauern in der Deutweg-Eishalle nicht den zweiten Sieg über Wacker Thun ein.

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Vier Siege hintereinander hatten die Winterthurer NLA-Handballer zuletzt im Playoff geschafft: dreimal im Halbfinal gegen die Kadetten Schaffhausen sowie letzten Samstag mit dem 23:22 im ersten Finalmatch in Thun. Zweimal davon, darunter am Samstag in der Verlängerung, hatte Roman Sidorowicz den Siegtreffer Sekunden vor dem Ende erzielt. Gestern nun im zweiten Finalmatch hat es Pfadi erwischt.

Zwei Sekunden vor Schluss wuchtete Thuns Nicolas Suter den Ball zum 23:24 ins Netz. Er durfte sich glücklich schätzen, überhaupt zu diesem Abschluss gekommen zu sein. Denn ein paar Augenblicke zuvor hätte man ihn wegen Stürmerfouls auch zurückpfeifen können, eigentlich sogar müssen. Es gab Thuner, die nach dieser Szene bereits in der Rückwärtsbewegung waren. Die Schiedsrichter entschieden anders. Wacker nutzte die Situation, Pfadi reagierte nicht schnell genug, um sich in der Abwehr wieder aufzustellen, und der Ball flog zum Sieg ins Tor. Imerhin traf ­jener Thuner, der in der zweiten Halbzeit für den stärksten Auftritt besorgt war: Nach der Pause erzielte Suter fünf Tore.

Selbst schuld

Die Schlussszene war einer dieser Momente, die gestern gegen die Winterthurer liefen. Weitgehendst allerdings waren sie selbst schuld daran. «Wir machten schon vor dieser letzten Aktion zu viele Fehler. Das war das Problem», bemängelte Pfadi-Trainer Adrian Brüngger. «Wir hatten Hunderte Möglichkeiten, das Spiel für uns zu entscheiden.» Wer nur in den ersten fünf und in den letzten gut fünf Minuten im Abschluss überzeugt, der darf sich über eine Niederlage nicht wundern. Ebenso nicht, wer vier von sechs Penaltys verschiesst.

Pfadi hatte sich den Rückstand, der erst ganz gegen Schluss wettgemacht werden konnte, in der ersten Hälfte eingehandelt. Sechsmal warfen sie bis zur Pause an die Torumrandung oder neben das Gehäuse. Zudem parierte Thuns Joker im Tor, Flavio Wick, beide Penaltys. Und als wäre das nicht genug, verteilten die Winterthurer mit drei Ballverlusten Geschenke. Am schmerzhaftesten war jener von Filip Maros fünf Sekunden vor der Pause, Nicolas Raemy fing den Ball ab und traf ins (wegen Unterzahlspiels) leere Tor zum 8:12.

Und dabei hatten die Winterthurer einen geradezu perfekten Start mit vier Toren aus den ersten vier Angriffen (und der 4:2-Führung) hingelegt. In den weiteren 25 Minuten der ersten Hälfte erzielten sie dann aber ebenfalls nur vier Tore…

So also lagen sie zur Pause 8:12 hinten, obschon die Abwehr wieder gut aufgetreten war und Goalie Matias Schulz mit elf Paraden einmal mehr überzeugt hatte.

Späte Steigerung fast belohnt

In der zweiten Hälfte kam Pfadis Angriff erst mit Verzögerung in Fahrt. Besserung trat ein, nachdem Brüngger in der 40. Minute auf den Angriff mit sieben Feldspielern umgestellt hatte. Eine Triplette von Sidorowicz sorgte für den 14:16-Anschluss. Dann stockte die Sache wieder.

Und nach dem vierten verschossenen Siebenmeter in der 52. Minute beim Stand von 17:21 schien sie gelaufen zu sein. Wacker hatte bis dahin alles im Griff, liess den Gegner höchstens an einem engen Match schnuppern. Nach dem 18:22 knapp sechs Minuten vor Schluss aber änderte sich das Ganze.

Thuns (Abspiel-)Fehler häuften sich, Pfadi holte dank einer nun massiv verbesserten Abschlussquote Tor um Tor auf. Mit einem satten Wurf glich Kevin Jud 51 Sekunden vor dem Ende auf 23:23 aus. Doch Wacker kam zu jenem letzten Angriff, der mit dem umstrittenen Siegtreffer endete. Unverdient war der Erfolg der Gäste dennoch nicht.

«Wir haben zu viele kleine Sachen falsch gemacht», kritisierte Brüngger. Das Spiel habe in der ersten Halbzeit gekippt, «als wir diese vielen freien Würfe nicht verwerteten». Und er sprach «die vier verschossenen Siebenmeter» an und «die sechs Abpraller, die wir nicht holen konnten». Nach dem starken Start habe die Offensive zu zögerlich gespielt und einfache Fehler begangen. «Da haben wir gepennt», bemerkte Brünnger. Allerdings fügte er zu Recht bei: «Trotz all dem sind wir bis am Schluss dran», dran an einem zweiten Sieg und der 2:0-Führung im Playoff-Final. Das ist ein durchaus gutes Zeichen für die Verfassung des Teams.

An der Verteidigung und an den Torhütern lags nicht. Diese Auftritte hätten zu einem Erfolg gereicht. Doch die Offensive hielt nicht mit – wie schon im ersten Finalmatch in Thun, der dank des Treffers im allerletzten Moment der Verlängerung trotzdem noch gewonnen wurde.

Diesmal konnten die Thuner einen derartigen Coup bejubeln – und sie taten es auf dem Feld der Winterthurer Eishalle ziemlich überschwänglich.

Aufbau-Linkshänder Nicolas Raemy, der beste Thuner der ersten Hälfte, freute sich über den Ausgleich in der Serie und die Leistungssteigerung der eigenen Offensive. «Es war besser als im ersten Match. Aber noch immer haben wir Luft nach oben.» Das dürfen auch die Winterthurer von sich behaupten. Zur engen Schlussphase meinte Raemy: «Gegen Pfadi haben wir immer ein paar Minuten, in denen es uns nicht gut läuft. Das wird bestraft; das macht Pfadi gut, muss ich zugeben.»

«Nochmals alles investieren»

Im fünften Treffen der Saison zwischen Pfadi und Wacker setzte sich so zum fünften Mal das Auswärtsteam durch. Die Best-of-5-Finalserie wird am Freitag mit dem Stand von 1:1 in Thun fortgesetzt. Am Pfingstmontag folgt das vierte Spiel in Winterthur. «Wir müssen», blickt Brüngger voraus, «nochmals alles investieren, um es wieder besser zu machen.»

Seine Mannschaft ist gleich weit wie vor dem Match gestern: Sie muss noch immer zwei Spiele gewinnen, um zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder Schweizer Meister zu werden. Unmöglich ist das nicht. ()

Erstellt: 15.05.2018, 23:27 Uhr

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