Handball

Ein dritter Sieg erspart die Hausarbeit

Das dramatische 29:27 in Kriens bringt Pfadi das 2:0 im Playoff-Viertelfinal ein. Mit einem Heimsieg am Samstag können die Winterthurer in den Halbfinal vorstossen – und die Nähmaschine im Hause Jud ruhen lassen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nichts veranschaulicht diesen Playoff-Fight besser als das Häufchen Textilien, das Markus Jud aus der Kabine Pfadis trug. In der Hand des Geschäftsführers lagen die schwarzen Auswärtstenüs von Jud junior, Markus Dangers und Peter Schramm. Sie waren in einem Zustand, der keinen weiteren Gebrauch zulassen würde. Und so nahmen Markus und Ruth Jud die Leibchen zu sich nach Hause in Uster, um sie auf der Nähmaschine fit fürs nächste Auswärtsspiel zu machen.

Match 1 dieser Viertelfinalserie, in dem sich Pfadi in der Schlussphase zum 25:20-Heimsieg abgesetzt hatte, war schon umstritten gewesen. Zwei Tage später in der vollen, gegen Ende hin geradezu überhitzten Krauerhalle zu Kriens steigerten sich die Intensität und die Spannung um weitere Einheiten.

Spielerisch wars keine hochklassige Sache, dazu leisteten sich die Krienser zu viele Fehlpässe und vergaben die Winterthurer, wie am Dienstag, zu viele klare Chancen. Aber vom packenden Verlauf her, mit der häufig wechselnden Führung, und der weitestgehend gesunden Härte war es eine Begegnung, die einem Playoff sehr würdig war. Eine, welche die Zuschauer mitriss und den Krienser Anhang am Ende enttäuscht zurückliess.

Die Winterthurer hatten bis zum 4:1 zuerst alles im Griff, mussten dann den Heimclub herankommen lassen, gaben Anfang der zweiten Hälfte, als der HCK auf 15:12 wegzog, den Match beinahe aus den Händen, gingen dank einer Trefferserie von Cédrie Tynowski mit dem 19:18 erstmals in der zweiten Halbzeit in Führung, verpassten in der regulären Spielzeit die Entscheidung und waren in der Verlängerung dann die stärkere Mannschaft. «Wir haben es irgendwie wieder geschafft», sagte Trainer Adrian Brüngger. «Pfadi war abgezockter», stellte Goran Perkovac, der Trainer des HCK, fest.

Konter zur Verlängerung

Bei Minute 50 hatte Filip Maros mit seinem ersten Treffer das 22:20 für Pfadi erzielt. Fünf missglückte Winterthurer Angriffe später lagen die Krienser 22:23 vorne. Keine drei Minuten später führten wieder die Winterthurer; Kevin Jud erzielte nach 57:14 Minuten das 24:23 ins verlassene Tor. Beinahe hätte das zum Sieg gereicht. Denn eine der Schlüsselparaden von Pfadis Simon Schelling sowie je ein Fehlpass auf beiden Seiten brachten die Winterthurer in Ballbesitz für den vermeintlich letzten Angriff. 46 Sekunden blieben noch. Unter angezeigtem Zeitspiel versuchte Pfadi den Vorsprung über die Runden zu retten, ehe Marvin Lier vier Sekunden vor Ende wegen eines Schrittfehlers zurückgepfiffen wurde. Man hätte genau so gut auf Foul für ihn entscheiden können.

Es war eine dieser Szenen, in denen die jungen Schiedsrichter im Mittelpunkt standen. Sie stammen aus Luzern, was natürlich eine komplette Fehlplanung des Verbandes darstellt. Vielleicht um nicht als Heimschiedsrichter abgestempelt werden zu müssen, erhielt der HCK tendenziell mehr Gründe, sich über ihre Pfiffe beklagen zu müssen.

Wohl aber nicht in Liers Fall. Und so wechselte der Ball nochmals den Besitzer. Kreisläufer Filip Gavranovic stürmte im Konter aufs Tor seines ehemaligen Clubs zu und glich eine Sekunde vor Schluss zum 24:24 aus. Die Halle «brannte».

Am Schluss besser

In den zehn Minuten der Verlängerung legte Kriens-Luzern vor. Unter Zeitdruck glich Maros zum 26:26 aus. Anschliessend wurde HCK-Rückraumschütze Luca Spengler nach einem Foul auf dem Feld gepflegt und musste drei Angriffe aussetzen. Kurz darauf kassierte Gavranovic, weil er Lier in den Wurfarm gelangt hatte, einen Platzverweis. Jud versenkte den nötigen Penalty zum 27:26. Die geschwächten Krienser konnten in der zweiten Hälfte der Verlängerung nicht mehr reagieren. Tynowski mit seinem siebten Treffer und, in gleichsam brillantem Stil, Markus Dangers warfen die Tore zum 29:27.

Natürlich war Pfadi am Ende die glücklichere Mannschaft. Das Resultat hätte auch auf die andere Seite kippen können, doch gestohlen haben die Winterthurer diesen wichtigen Teilerfolg nicht. In der Verlängerung verteidigten sie aggressiver als in den 60 Minuten zuvor und sie griffen, bei fünf Toren aus sieben Angriffen, nun auch mit der notwendigen Effizienz an. Zudem leistete Schelling mit zwei kapitalen Paraden seinen Anteil.

Qualität, das Richtige zu tun

Nicht alles war gut an diesem Abend. Wieder vergaben die Winterthurer einige sichere Möglichkeiten. Aus dem Rückraum mag man sich mehr Wurfkraft von Maros, mehr Torgefahr von Lukas Heer und noch mehr Einfluss von Peter Schramm wünschen. Eigentlich nur Antreiber Jud blieb im Aufbau konstant gut. Überzeugend waren die Penaltywürfe von Lier und die satten Abschlüsse von Tynowski. Der Captain versenkte alle sieben Versuche und holte zwei Penaltys heraus; inklusive Spiel 1 hat Tynowski nun 14 Würfe in Folge im Tor versenkt. Pfadis 3-2-1-Defensive liess die Krienser mitunter zu locker durchmarschieren, offenbar haben sich diese gut auf die Abwehrvariante eingestellt. Die Winterthurer Torhüter stellten bis zur 50. Minute keinen Faktor dar. Dann steigerte sich Schelling zu einem der Matchwinner.

Weiterhin hat Pfadi leistungsmässig Luft nach oben. Dass es dennoch 2:0 in der Serie heisst, unterstreicht einmal mehr die Qualität der Mannschaft, im richtigen Moment das Richtige zu leisten.

Am Samstagabend in der Axa-Arena müssten und müssen die Winterthurer den Playoff-Viertelfinal beenden. Ansonsten droht bereits am Dienstag ein weiterer Auftritt in Kriens. Den gilts zu vermeiden – was auch vom Hause Jud erwünscht wird. Denn die Nähmaschine soll über Ostern ruhen. Und Plan B könnte in Aktion treten: Die Tenüs einem Fachgeschäft übergeben.

Kriens-Luzern - Pfadi 27:29 (26:27, 24:24, 12:12) nach Verlängerung

920 Zuschauer. - SR Anthamatten/Wapp. - Torfolge: 1:4, 5:4, 6:5, 6:7, 9:10, 11:12, 12:12; 15:12, 15:15, 17:15, 18:16, 18:19, 20:22, 23:22, 23:24, 24:24; 25:24, 26:25, 26:27; 26:28, 27:28, 27:29. - Strafen: 4x2 plus Rote Karte (Gavranovic) gegen Kriens-Luzern, 6x2 gegen Pfadi. - Kriens-Luzern: Willimann/2 Tore (Eicher für 2 Penaltys); Lengacher (2), Harbuz (6/3), Blättler (2), Spengler (6), Vögtli (3), Gavranovic (3), Oertli (2), Ramseier, Delchiappo (1). - Pfadi: Schelling (31. bis 42. Staub); Maros (2), Tynowski (7), Pecoraro, Dangers (3), Lier (8/7), Heer, Jud (7/1), Freivogel, Cvetkovic, Quni, Svajlen, Schramm (2). - Bemerkungen: Pfadi ohne Vernier und Ott, Kriens-Luzern ohne Bar, Engler, Hofstetter und Radovanovic (alle verletzt). 36. Willimann hält Penalty von Lier. Schelling hält Penaltys von Harbuz (65.) und Lengacher (70.).

Playoff-Viertelfinal (Best of 5): Stand 0:2. Nächstes Spiel am Samstag, 20. April, um 19.30 Uhr in der Axa-Arena.

Erstellt: 19.04.2019, 00:56 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben