Handball

Erst am Ende wars eine klare Sache

Mit einem verdienten 25:20-Heimsieg über den HC Kriens-Luzern ist Pfadi erfolgreich in die Best-of-5-Viertelfinalserie gestiegen.

Immer wieder sehenswert sind die Einlagen von Markus Dangers am Kreis, vier Tore erzielte er für Pfadi.

Immer wieder sehenswert sind die Einlagen von Markus Dangers am Kreis, vier Tore erzielte er für Pfadi. Bild: Martin Deuring

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Vieles stimmte an diesem ersten Playoff-Abend einer Saison Pfadfis, die im Club vorerst einmal als jene in Erinnerung bleiben wird, in dem erfolgreich gegen den finanziellen Kollaps gekämpft wurde. Obs auch eine Saison wird, die mit sportlichen Meriten haften bleibt, ist abzuwarten. Der Einstieg jedenfalls glückte schon mal.

Die Winterthurer, Zweite der Finalrunde, behaupteten sich letztlich richtigerweise gegen den HC Kriens-Luzern, den hoch überlegenen Sieger der Abstiegsrunde. Der Weg zum Auftaktsieg des Playoff-Viertelfinals war indes erwartungsgemäss steinig.

Die Winterthurer deckten auf, dass sie im Prinzip die bessere Mannschaft stellen. Aber sie brachten es nie fertig, sich die Gäste entscheidend vom Leib zu halten. Pfadi ging 4:1 in Führung. Zwei vermeintliche Stürmerfouls – die beiden Schiedsrichter übrigens fingen sich anschliessend immerhin auf – sowie drei verpasste klare Chancen in Serie liessen den HCK zum 4:4 ausgleichen. Sechs Minuten vor der Pause legte Pfadi erneut vor, diesmal auf 8:5 – um wegen drei Fehlwürfen die Krienser bis zur Halbzeit auf 9:8 herankommen zu lassen.

«In der ersten Hälfte hatten wir zuwenig Bewegung und Tempo im Spiel», kritisierte Trainer Adrian Brüngger. «Wir haben ihr Tempo angenommen, anstatt ihnen unseres aufzuzwingen.»

Tynowskis Aktionen

Nach der Pause wurde dies besser. Vom Spielverlauf her allerdings änderte sich in Hälfte 2 lange nichts. 15:12 lag Pfadi vorne. Fünf missglückte Abschlüsse später stand es in der 49. Minute 17:17. Wieder fanden die Winterthurer den richtigen Tritt und zogen innert Kürze auf 21:17 davon. Dies stellte die zuvor lange vergebens angestrebte Vier-Tore-Führung dar. Mit dem 22:20 knapp vier Minuten vor Ende waren die Krienser aber erneut einigermassen dran. Doch dann glückte ihnen nichts mehr, während Pfadi – endlich – die Entscheidung herbeiführen konnte.

Pfadis Schlüsselspieler dieser Schlussphase war der Captain. Rechtsaussen Cédrie Tynowski erzielte vom 18:17 an drei Tore und holte einen Penalty heraus, darüber hinaus fing er in der Abwehr zwei Pässe der Krienser ab, die in zwei Kontertore mündeten. «Einen Supermatch» habe Tynowski abgeliefert, lobte Adrian Brüngger zu Recht. Und dabei hatte der Nationalspieler den Match mit zwei Ballverlusten begonnen, es blieben seine einzigen.

Tynowski war überragend. Brillant auch Marvin Liers Trefferquote von der Siebenmeter-Linie aus und stark die erste Halbzeit von Torhüter Simon Schelling, der bis zur Pause acht Würfe parierte. Als Schelling in der 52. Minute vom Feld musste, debütierte Magnus Staub gleich mit einer Parade. Die Torhüter – ohne Matias Schulz, die verletzte Nummer 1 – waren ein Teil der Defensive von Pfadi, die gestern sehr wohl auf Playoff-Niveau auftrat. 20 Gegentore sind eine schöne Zahl.

Weniger gut liefs Filip Maros, dem Rechtshänder im rechten Aufbau. Auf dieser Position hatte Kriens-Luzern im Weissrussen Hleb Harbuz, ebenfalls ein Rechtshänder, klare Vorteil. Steigerungspotenzial haben die Winterthurer im Abschluss, wobei Goalie André Willimann gleichsam einen guten Abend ablieferte. «Diese klaren Fehlwürfe, sie haben Kriens immer wieder zurück gebracht», bedauerte Brüngger.

Die Kunde aus Schaffhausen

Beim 20:17, als HCK-Trainer Goran Perkovac sein drittes Timeout nahm, hatte Arena-Speaker Werner Gurtner verkündet, dass sich ein anderer Favorit noch schwerer tun würde: Die Kadetten, vor Pfadi die Nummer 1 nach der Finalrunde, lagen in Schaffhausen zu diesem Zeitpunkt gegen den RTV Basel, den überdeutlichen Aussenseiter, 28:31 zurück.

Und nachdem Tynowski zu Pfadis Spieler des Abends erkoren worden war, traf die zweite Kunde aus Schaffhausen ein: Der RTV Basel der Letzte der Abstiegsrunde, der nur knapp dem Abstiegsplayout entgangen war, setzte sich doch tatsächlich 34:32 gegen die Kadetten durch. In der Geschichte des Schweizer Handball-Playoffs müsste das – je nach Sichtweise – die grösste Pleite beziehungsweise der grösste Coup gewesen sein.

Fortsetzung folgt am Donnerstag. Die Winterthurer treten in Kriens an. Um ihrer Favoritenrolle ein weiteres Mal gerecht werden zu können, «müssen wir», wie Brüngger einräumt, «besser spielen.» Der erste Schritt wurde gestern verdienterweise erfolgreich getan. «Es war wichtig», betonte Brüngger, «dass wir gut in diese Serie gestartet sind.»

Pfadi Winterthur - Kriens-Luzern 25:20 (9:8)

Axa-Arena. – 1227 Zuschauer. – SR Capoccia/Jucker. – Torfolge: 3:0, 3:1, 4:1, 4:4, 6:4, 6:5, 8:5, 8:7, 9:7, 9:8; 9:9, 10:10, 12:10, 14:11, 17:14, 17:17, 21:17, 22:18, 22:20, 25:20. – Strafen: 2x2 gegen Pfadi, 4x2 gegen Kriens-Luzern. – Pfadi: Schelling (52. Staub); Maros (1), Tynowski (7), Dangers (4), Lier (5/5), Heer (2), Jud (2), Bräm (1), Schramm (3). – Kriens-Luzern: Willimann (Eicher für 2 Penaltys); Lengacher (5), Harbuz (6/3), Spengler (6), Gavranovic (1), Oertli (1), Ramseier (1), Delchiappo. – Bemerkungen: Pfadi ohne Vernier, Ott und Schulz, Kriens-Luzern ohne Bar, Radovanovic, Engler und Hofstetter (alle verletzt).

Playoff-Viertelfinal (best of 5), Stand: 1:0. – Zweites Spiel am Donnerstag in Kriens. Drittes Spiel am Samstag, 19.30 Uhr, in der Axa-Arena. (landbote.ch)

Erstellt: 16.04.2019, 22:57 Uhr

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