Handball

Pfadis verlässlicher Arbeiter

Stefan Freivogel überrascht in der Rückrunde mit guten Auftritten im Angriff. Gegen den HSC Suhr Aarau dürften aber seine ursprünglichen Qualitäten gefragt sein.

«Ja, es macht Spass.» Pfadis Stefan Freivogel gefällt die neue Offensivrolle am Kreis.

«Ja, es macht Spass.» Pfadis Stefan Freivogel gefällt die neue Offensivrolle am Kreis. Bild: Deuring Photography

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Stefan Freivogel kommt meist dann auf das Feld, wenn der Gegner den Ball hat. Freivogel ist Abwehrspieler, obwohl es das im Handball so eigentlich nicht gibt. Und: Er ist einer der besten in der Liga. Davon nimmt der Zuschauer aber kaum Notiz. Die Arbeit von Freivogel ist nicht attraktiv, weil sie selten kreativ wirkt.

So auch beim 31:20-Heimsieg gegen Bern vor zwei Wochen. Bejubelt wurden die acht Tore von Marvin Lier oder die 16 Paraden von Matias Schulz. Aber die Basis von mindestens vier Lier-Toren und vielen Schulz-Paraden legte die Abwehr um Freivogel und Co. Nach jenem Spiel lobte Adrian Brüngger die Abwehrleistung von Jannic Störchli und sagte im Nebensatz: «Von Freivogel sind wir uns das gewohnt.» Das hat nichts mit Geringschätzung von Freivogels Arbeit zu tun, vielmehr ist es ein Kompliment erster Güte: Eine gute Abwehrleistung ist beim ihm fast schon normal.

Einst ein hochtalentierter Rückraumspieler

Was dabei etwas in Vergessenheit gerät: Freivogel kann auch Handball spielen. Er war in seinem Jahrgang einer der talentiertesten Rückraumspieler in der Schweiz. Bei den Junioren dominierte er die Ligen und war fester Bestandteil sämtlicher Nachwuchsauswahlteams. Als 17-Jähriger debütierte er beim ZMC Amicitia Zürich (dem Vorgängerclub von GC Amicitia Zürich). Es war die Zeit, als Amicitia das Mass aller Dinge war im Schweizer Handball. Mit Andy Schmid, Edin Basic oder Frank Löke hatten die Zürcher eines der wohl besten Teams, das je in der Schweiz spielte. «Das war schon eine geile Zeit», sagt Freivogel rückblickend. Zusammen mit Michal Svajlen wurde Freivogel zweimal Schweizermeister, gespielt hatte er jedoch kaum.

In den letzten Jahren hatte Freivogel aber kaum mehr eine Offensiv-Aufgabe. «Das war auch okay für mich», sagt Freivogel. Es war okay für ihn, denn nun hat sich seine Rolle nochmals etwas geändert. Seit der Winterpause taucht Freivogel des Öfteren auch im Angriff auf. Nicht im Rückraum, sondern am Kreis. «Ja, es macht Spass», sagt Freivogel und ergänzt, «ich glaube, dass ich auch Fortschritte mache. Nur das Team muss sich noch etwas dran gewöhnen, dass ich jetzt auch vorne mitmache.» Das ist typisch Freivogel. Zuerst denkt er ans Team, dann an sich selber. So war es auch beim Cup Final-Four 2015. Am Samstag kugelte sich Freivogel im Halbfinal die Schulter aus, am Sonntag stand er bereits wieder auf dem Feld.

«Die Sache» mit den Trainern

Da passt die Episode vom letzten Herbst irgendwie nicht ins Bild. Die «Winterthurer Zeitung» schrieb am Donnerstag, dass neben Markus Dangers und Luigj Quni auch Freivogel Probleme mit dem Trainerteam gehabt habe. Und glaubt die Ursache dafür in der fehlenden Spielzeit gefunden zu haben. Freivogel sagt dazu nur: «Ich mache den Mund auf, wenn ich etwas als nicht fair empfinde, aber die Sache ist erledigt.» Dass «die Sache» ad acta gelegt wurde, zeigt auch der Fakt, dass Dangers und Quni nicht mehr bei Pfadi sind (siehe Box). Freivogel hingegen steht kurz vor einer Vertragsverlängerung. «Für mich gibt es keinen Grund wegzugehen, es passt alles in Winterthur», so Freivogel, der im letzten Sommer die ehemalige Spitzenkreisläuferin Laura Oberli gehreiratet hat.

Suhr und die Portugiesen

Der HSC Suhr Aarau hat sich in der erweiterten Spitze etabliert. Die Aargauer haben in dieser Saison bereits jedes Team der Liga bezwungen. Gegen Pfadi gewann Suhr Aarau sogar schon zweimal. «Sie spielen einen langsamen Handball, damit haben wir Mühe», sagt Freivogel über Suhr Aarau, aber er sagt auch: «Wir haben eine Rechnung offen, diese wollen wir gerne begleichen.» Besonders schmerzen dürfte Pfadi die Niederlage Ende November im Cupviertelfinal in der eigenen Halle. Suhr Aarau setzte sich auch im Halbfinal gegen GC Amicitia durch und trifft im Cupfinal am 15. März auf die Kadetten.

Diesen Kadetten haben die Suhrer letzte Woche ein 27:27 abgerungen, wobei sie das Spiel hätten gewinnen müssen. Hauptverantwortlich für den Erfolg der Aargauer sind zum einen die Deckung, laut Abwehrspezialist Freivogel «wahrscheinlich die beste 5:1 der Liga». Zum anderen zwei Blitz-Transfers aus der Bundesliga im Herbst. Im September kam von der HBW Balingen-Weilstetten der Rückraummitte-Spieler Diogo Abreu Oliveira. Im Oktober gelang den Aargauern dann mit dem EM-Fahrer Joao Ferraz einen veritablen Transfercoup. Die beiden Portugiesen steuern zusammen im Durchschnitt pro Spiel rund 12 Treffer bei. Sie gilt es am Samstag aus dem Spiel zu nehmen, das wird eine Aufgabe für Stefan Freivogel sein.

Erstellt: 14.02.2020, 18:52 Uhr

Dangers zur HSG Konstanz

Kreisläufer Markus Dangers hat doch noch einen neuen Arbeitgeber gefunden. Der Deutsche, der bei Pfadi in Ungnade gefallen war, unterschreibt bei der HSG Konstanz für anderthalb Jahre. Die HSG Konstanz stieg auf diese Saison hin in die zweite Bundesliga auf und liegt zurzeit auf dem drittletzten Rang. Übringens: Auch in Konstanz muss Dangers im Angriff auf die Kommandos eines Juds hören. Kevins kleiner Bruder Tim ist der Spielmacher der HSG. (gvb)

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Pfadi - Suhr Aarau. Axa Arena, Samstag, 17.30 Uhr.

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