Handball

«Unsere Eltern haben genug von den Bruderduellen»

Der Playoff-Final zwischen Pfadi Winterthur und den Kadetten Schaffhausen war auch das Duell der beiden Brüder Filip und Luka Maros. Wie schon vor zwei Jahren gewinnt der jüngere Luka den Titel.

Filip Maros spielt in der kommenden Saison nicht mehr gegen, sondern mit den Kadetten.

Filip Maros spielt in der kommenden Saison nicht mehr gegen, sondern mit den Kadetten. Bild: Deuring Photography

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mitten drin in der orangen Glückseligkeit nach dem Abpfiff war auch die Nummer 20 der Kadetten. Fünf Tore aus fünf Versuchen hatte sie in den 60 Minuten davor zum entscheidenden 35:26 Sieg gegen Pfadi Winterthur beigetragen.

Auf der anderen Seite: Enttäuschte Pfader. Ihre schwarzen Tenüs standen, ungewollt, bildlich zur Stimmung. Verteilt auf ihrer Spielhälfte sassen, standen, weinten sie. Irgendwo in der hinteren Ecke auch die Nummer 4. Sie hatte ein Tor aus drei Versuchen in ihrer Bilanz.

Die Nummer 20 bei den Kadetten trägt Luka Maros, die Nummer 4 bei Pfadi sein Bruder Filip. Dieser sieht seine Leistung dann auch kritisch. «Es war nicht der Abgang, den ich mir für den Verein und mich selbst gewünscht habe», sagt er am Tag nach der entscheidenden dritten Niederlage. Die Enttäuschung sei riesig, klar. «Wir haben im letzten Juli mit dem Training begonnen, achtmal die Woche für diese Spiele trainiert», sagt er.

Team darf stolz sein

Filip Maros trauert vor allem den ersten beiden Spielen nach. «Die hätten wir nachhause schaukeln sollen.» Doch Pfadi verlor zweimal nach Verlängerung. Trotzdem findet der 28-jährige Filip, darf das Team und der Verein stolz sein. «Wir hatten das beste Kollektiv, kaum eine Mannschaft wäre trotz diesen vielen Verletzungen und der finanziellen Situation so zusammengestanden wie wir es taten». Und: «Wir waren noch nie so nahe dran. Nach diesen drei Spielen müsste es in der Serie eigentlich 2:1 für uns stehen.»

Doch die Kadetten sind wie schon vor zwei Jahren nach drei Spielen Meister. Auch damals spielten die beiden Brüder gegeneinander. Dieses Jahr jedoch vermehrt im direkten Duell, da Filip öfters auf der rechten Rückraumposition aushelfen musste. Das Duell mit dem Bruder sei zwar schon speziell, sagt 25-jährige Luka, man gewöhne sich aber dran. «Es ist ja nicht das erste Finale, das wir gegeneinander austragen.» Ähnlich tönt es beim älteren Bruder Filip. «Es ist nicht mehr so aussergewöhnlich», sagt er, «wenn wir zusammen trainieren würden, käme es ja auch zu den Zweikämpfen.»

Schwierig für die Familie

Schwierig sei es viel mehr für die Familie. «Ihnen ist es egal wer gewinnt», sagt Luka, wichtig sei, dass sich keiner verletzt. Trotz der unterschiedlichen Gefühlslage, die obligatorischen Familienfotos nach dem Spiel müssen sein. «Das ist schon hart», sagt Filip. Aber wann gibt es das schon, dass sich zwei Brüder den Schweizer Meistertitel unter einander aus machen? «Dabei nimmt man Rücksicht», sagt Luka, man feire nicht vor den Augen des Bruders.

Kadetten feierten lange

Gefeiert haben die Kadetten aber noch lange, «zuerst ganz klischeehaft im Whirlpool in der Kadettengarderobe, später in der Stadt», sagt Luka und man glaubt es ihm, seine Stimme am Telefon ist rauchig, kratzig. Heute sei denn auch nicht mehr viel geplant. Auch Filip wirkt noch etwas müde am Telefon. «Die Serie war sehr intensiv», sagt er. Nächstes Jahr wird es einfacher für die Brüder und die Eltern. Er wechselt zu den Kadetten Schaffhausen. «Es ist speziell und ja ich bin auch stolz auf uns, dass wir wieder zusammenspielen», sagt Filip, «und klar die Champions League ist natürlich das Tüpfli auf dem i. Zuerst brauche ich aber Ferien.» Es ist das erste Mal seit 2013 als die beiden bei GC Amicitia Zürich spielten. «Unsere Eltern haben auch genug von den Brüderduellen», sagt Filip.

Nach dem Finale gingen die beiden aber noch ihre eigenen Wege.

Erstellt: 24.05.2019, 19:16 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!